| Mitarbeiterzufriedenheit

Das bereuen Mitarbeiter am meisten

Nur wenige Beschäftigte blicken ohne Reue auf ihre Karriere zurück, wie eine Studie zeigt.
Bild: MEV Verlag GmbH, Germany

Was würden Beschäftigte anders machen, wenn sie ihre Karriere noch einmal starten könnten? Das wollten die Autoren einer Studie wissen. Die Ergebnisse zeigen, dass sich viele berufliche, aber auch private Wünsche nicht erfüllt haben - bei Frauen seltener als bei Männern.

"Stellen Sie sich vor, Sie könnten heute beruflich noch einmal komplett neu starten. Was würden Sie anders machen?" – diese Frage stellte der Personalberater von Rundstedt gemeinsam mit dem Marktforschungsinstitut Innofact 799 Berufstätigen in Voll- und Teilzeit. Neben mehr Weiterbildung (34 Prozent) und einer anderen Ausbildung beziehungsweise einem anderen Studium, das den eigenen Neigungen und persönlichen Interessen stärker entspricht (28 Prozent), steht bei vielen Befragten auch mehr Spaß an der Arbeit hoch im Kurs: 27 Prozent äußern diesen Wunsch im Rückblick und würden sich weniger Druck machen, wenn sie ihre Karriere noch einmal starten könnten.

Sechs Prozent bereuen, dass ihnen Erfolg so wichtig war

Ebenfalls mit Reue blicken viele Beschäftigte auf ihre Karriereplanung zurück: Ein knappes Viertel würde heute ein anderes Studium beziehungsweise eine andere Ausbildung wählen, um ihr berufliches Vorankommen von Anfang an besser zu unterstützen; weitere 20 Prozent würden im Nachhinein die eigene Karriere stärker vorantreiben.

Doch auch ihren Umgang mit dem Privatleben bewerten viele Studienteilnehmer in der Retrospektive kritisch: Einem knappen Viertel tut es leid, nicht auf eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf geachtet zu haben. Sechs Prozent bereuen sogar, am Anfang ihrer Karriere nur Augen für den Erfolg gehabt zu haben. Sie würden sich nicht noch einmal so stark vom Erfolg treiben lassen, sagen sie in der Befragung.

Mitarbeiter wünschen Abwechslung und Mitbestimmung

Die Ergebnisse zeigen auch, dass viele Befragte nicht nur den Umgang mit der eigenen Karrieren, sondern auch ihre Arbeit selbst im Nachhinein kritisieren. 23 Prozent würden heute mehr Wert auf selbstbestimmtes und eigenverantwortliches Arbeiten legen. Mehr Abwechslung und unterschiedliche Jobs oder Tätigkeiten würden 14 Prozent der Befragten suchen. Gerade diese Abwechslung und Mitbestimmung nennen Beschäftigte häufiger als Motivatoren in Befragungen zur Mitarbeiterzufriedenheit – zuletzt etwa in einer Trendstudie von Haufe-Lexware sowie in einer gemeinsamen Studie der Führungskräfteverbände VAA, Forum F3, ULA und Hay Group Deutschland.

Frauen blicken zufriedener zurück als Männer

Doch offenbar haben nicht alle Studienteilnehmer Grund zum Klagen – immerhin rund  14 Prozent von ihnen geben an, im Rückblick nichts ändern zu wollen und mit ihrem beruflichen Werdegang vollständig zufrieden zu sein. Dabei weisen Akademiker mit 20 Prozent die höchste Zufriedenheit auf; bei den Befragten mit höherem Schulabschluss ohne Abitur sind dies nur elf Prozent. Auch zwischen den Geschlechtern stellen die Autoren Unterschiede fest: Während nur elf Prozent der Männer bei einem beruflichen Neustart nichts ändern würden, sind es bei den Frauen 17 Prozent.

Hohes Neuorientierungspotenzial unter deutschen Arbeitnehmern?

Ob die Reue der Mitarbeiter dazu führt, dass sie ihren Klagen Taten folgen lassen und noch einmal einen neuen Karriereweg einschlagen? Die Interpretation der Studienautoren legt jedenfalls nahe, dass Personalverantwortliche dafür gerüstet sein sollten. "Die Ergebnisse offenbaren ein erhebliches Neuorientierungspotenzial unter deutschen Arbeitnehmern", sagt Sophia von Rundstedt, geschäftsführende Gesellschafterin bei von Rundstedt. "Einmal getroffene Entscheidungen müssen nicht ewig gültig sein. Es dreht sich heute mehr denn je darum, eigene Talente regelmäßig neu zu überprüfen und gegebenenfalls neue Wege zu gehen."

Schlagworte zum Thema:  Mitarbeiterzufriedenheit, Karriere, Weiterbildung

Aktuell

Meistgelesen