Lernen liegt im Trend. Das gilt sowohl für die persönliche Weiterbildung wie für vielfältige Weiterbildungs- und leistungssteigernde Aktivitäten in Unternehmen. Die Tools dafür werden immer vielfältiger. Nun macht ein alt bekannter Konzern der breiten Masse das Weiterentwickeln leichter. Unser Kolumnistin Gudrun Porath berichtet.

Es ist noch gar nicht so lange her, da prägten negative Nachrichten das Bild von Microsoft. Die Suchmaschine von Google übertrumpft, das Smartphone-Betriebssystem gescheitert, der hauseigene Sharepoint-Server als intensiv beworbenes Tool für die Zusammenarbeit im Unternehmen in der Kritik.

Mit dem Linkedin-Kauf erhielt Microsoft großes Potenzial

Dann kaufte Microsoft 2012 erst Yammer, einen als Mikroblogging-Dienst gestarteten Anbieter für interne soziale Netzwerke, und vor rund zwei Jahren Linkedin, das internationale Businessnetzwerk. Für den von Analysten als "Rekordpreis" ausgezeichneten Betrag von 26 Milliarden Dollar. Linkedin hatte erst kurz zuvor die vor allem in den Staaten populäre Online-Bildungsplattform Lynda.com übernommen. 

Das Potenzial für den Kauf beschrieb damals in einem Bericht des Handelsblatt die Analystin Linda Sullivan. Mit Microsoft im Rücken könne Linkedin zum Marktführer bei Personalentwicklung werden. Man nahm das zur Kenntnis, vergaß es aber fast. Schließlich behielt Linkedin seinen Namen und sollte als eigenständiges Unternehmen erhalten bleiben. Gleichzeitig verstärkte es seine Ambitionen, als Recruiting-Plattform wahrgenommen zu werden und promotete die Netzwerk-eigenen Talent Solutions, zum Beispiel auf der Zukunft Personal 2017.

Linkedin kauft Glint - und damit KI für die Personalentwicklung

Jetzt hat Microsoft beziehungsweise Linkedin den nächsten Schritt in Richtung Personalentwicklungsservices getan und für 400 Millionen Dollar das Unternehmen Glint gekauft. Glint nennt sich selbst eine "Erfolgsplattform", die "menschenorientierte Einsichten in übermenschlicher Geschwindigkeit" bietet. Hinter dem ganzen Bullshit-Bingo steckt ein Online-Tool für Mitarbeiterbefragungen, angereichert mit Künstlicher Intelligenz. So soll unter anderem gemessen werden können, wie effektiv Manager oder Teams arbeiten und wo es Entwicklungspotenzial und -bedarf gibt.

Microsoft ist mehrfach auf der Liste der "Top 100 Tools for Learning"

Weil das noch nicht alles ist, haben gleich mehrere Microsoft-Tools ihre Positionen in den kürzlich von Jane Hart veröffentlichten aktuellen "Top 100 Tools for Learning"-Listen weiter ausgebaut. Im Gesamtergebnis, die auf den Ergebnissen einer jährlich durchgeführten Internet-Umfrage beruht an der sich jeder beteiligen kann, steht Powerpoint auf Platz 2, Word auf Platz 7, OneNote auf 16, Skype auf 18 und Microsoft Teams auf 27. Lynda/LinkedIn Learning landet auf Platz 34, Yammer an 39. Stelle, gefolgt von Sharepoint auf 40 und OneDrive auf 50. (Jane Hart hat die Ergebnisse der Umfrage in drei Listen Personal & Professional Learning, Workplace Learning und Education aufgeteilt sowie eine Gesamtwertung veröffentlicht. Die Positionen auf den einzelnen Listen können vom Gesamtergebnis abweichen.)

Von Gates Vision zum heutigen Angebot

Als Bill Gates die Vision hatte, in jedem Haushalt, auf jedem Schreibtisch solle einst ein Computer stehen, wurde er dafür belacht. Die Vision wurde wahr und machte ihn zum reichsten Mann der Welt. Tatsächlich hat er damit auch die Grundlage dafür geschaffen, dass wir heute im privaten wie beruflichen Umfeld digitale Endgeräte zum Lernen nutzen. Dass ausgerechnet sein Konzern sich diesen Markt nicht nehmen lässt, sollte keinen überraschen.


Über die Kolumnistin: Gudrun Porath ist freie Journalistin. Sie beobachtet unter anderem für das Haufe Personal-Portal und die Haufe-Zeitschrift "Wirtschaft + Weiterbildung" die Trends auf dem E-Learning-Markt.