20.11.2013 | Top-Thema Methodenmix in der Personalauswahl

Lebenslauf-Analyse

Kapitel
Schon bei der Analyse der Bewerbungsunterlagen kann der Beta-Fehler unterlaufen.
Bild: Michael Bamberger

Die Sichtung von Bewerbungsunterlagen mit dem Lebenslauf steht traditionell am Anfang der Personalauswahl - ganz unabhängig von Berufsfeld oder Hierarchiestufe. Sie dient primär der Negativselektion. Obwohl dieses Verfahren das Üblichste ist, schleichen sich schon hier einige Fehler ein.

Das CV-Screening erfolgt in aller Regel nach formalen Basisqualifikationen wie zum Beispiel die Auswahl anhand der passenden Studienrichtung oder relevanten Berufserfahrungen. Tatsächliches Verhalten kann hier nicht erfasst werden. Am verbreitetsten ist hierbei das ABC-Schema: A-Kandidaten erfüllen die geforderten Qualifikationen komplett, B-Kandidaten partiell und C-Kandidaten nur unzureichend. Bewerbermanagement-Systeme mit Talentpools und neue Möglichkeiten im Social Web verändern diese Methode inzwischen nachhaltig. Denn Recruiter suchen verstärkt proaktiv nach passenden Profilen.

Herausforderungen: Differenzierbarkeit, Stringenz, Positive Verzerrung

Bei homogenen Bewerbergruppen, wie beispielsweise Absolventen mit weitgehend vergleichbaren Lebensläufen stößt dieses Verfahren schnell an die Grenzen der Differenzierbarkeit. Eine weitere Herausforderung besteht darin, dass bei berufserfahrenen Bewerbern Lebensläufe mit zunehmender Tendenz weniger stringent sind. Auch gilt es zu beachten, dass Bewerber gerne ihre erreichten Leistungen in einem etwas positiveren Licht präsentieren. Das gilt für das handschriftliche Curriculum Vitae bis hin zum Linkedin-Profil. Dazu besteht die Gefahr der Ablenkung durch nicht anforderungsrelevante Informationen in positiver wie negativer Richtung. Viele Studien haben inzwischen belegt, dass sowohl Alter als auch Geschlecht oder Attraktivität die Auswahl beeinflussen können.

Das fälschliche Ablehnen vermeintlicher B-Kandidaten, die sich später als die wahren Talente entpuppen, lässt sich am effektivsten durch alternative Auswahlverfahren vermeiden, welche verhaltensbasierter sind als Lebensläufe oder Noten.

Schlagworte zum Thema:  Bewerbungsunterlagen, Bewerbermanagement, Personalauswahl, Personaldiagnostik, Assessment Center, Interview

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