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MBA-Trend: Bildungsunternehmen kaufen Business Schools

MBA-Absolventen an der Gisma Business School
Bild: GISMA Business School

Ein niederländischer Bildungsanbieter hat vor kurzem die insolvente Gisma Business School übernommen. Solche Übernahmen liegen im Trend: Profitstarke Bildungsunternehmen kaufen oder kooperieren mit finanzschwachen Business Schools.

Die MBA-Expertin Bärbel Schwertfeger berichtet in Ausgabe 11-12/2013 der "Wirtschaft und Weiterbildung" von der Rettung der insolventen hannoverschen Gisma Business School: Diese wurde im September von der niederländischen Global University Systems B.V. (GUS) mit Sitz in London übernommen. Hinter dem finanzstarken Investor verbirgt sich ein Bildungsunternehmen mit mehreren Institutionen in verschiedenen Ländern.

Hochschulbildung ist ein Geschäft mit guten Renditen

Damit gehöre nun erstmals auch eine deutsche Business School zu einem sehr kapitalstarken Bildungsanbieter, kommentiert Schwertfeger die Übernahme. Dies könne ein Modell für die Zukunft sein, denn: Für Investoren sei Hochschulbildung längst ein weltweites Geschäft mit guten Renditen, so die Autorin. Kritiker stellen allerdings die Frage, wie Universitäten ihre Qualität und ihre Standards sichern können, wenn letztendlich nur der Gewinn zählt. "Wir verfolgen ein Partnerschaft-Modell", so zitiert Schwertfeger den CEO und Rektor von GUS, Professor Maurits van Rooijen, zu dem Thema. "Wir schauen uns die strategischen Ziele einer Schule an und überlegen, wie wir sie dabei unterstützen können." Außerdem, so van Rooijen im Gespräch mit Schwertfeger, profitierten die Schulen vor allem von den umfassenden Marketingaktivitäten der Gruppe. "Unsere Philosophie ist es, ein Spektrum an Bildungsangeboten für verschiedene Zielgruppen in verschiedenen Preissegmenten anzubieten." Alle Bildungsanbieter von GUS seien daher in ihrem Segment gut. Dabei arbeite jede Institution eigenständig an ihrer Weiterentwicklung, profitiere aber von den zentralen Service-Angeboten. Ziel sei es, das Portfolio mit innovativen Studiengängen zu erweitern und auch die Reputation der Gruppe zu erhöhen. Die Gisma als renommierte deutsche Business School sei die neue Perle im Portfolio, zitiert Schwertfeger CEO van Rooijen.

Profitstarker Investor beendet Leidensgeschichte der Schule

Die Autorin verweist auf die lange Leidensgeschichte, die die Gisma hinter sich hat: Wiederholt war die Schule in die Mühlen der unterschiedlichen Interessen von Politik, Wirtschaft und Wissenschaft geraten. Im letzten Akt erschütterten noch interne Querelen die Schule, schlussendlich konnte die Business School mit lediglich 24 Vollzeit-MBA-Studenten ihre laufenden Kosten nicht einmal mehr annähernd decken. Im Mai 2013 reichte die Schule dann den Insolvenzantrag ein. Ganz im Gegensatz dazu zeigt sich der Investor GUS als profitstark. Zwar möchte die Gruppe ihre Geschäftszahlen nicht bekannt geben, doch CEO van Rooijen behauptet Schwertfeger gegenüber: "Wir sind profitabel und im vergangenen Jahr über 20 Prozent gewachsen."

Hohe Studiengebühren, Sparen bei der Lehre

Der Trend zur Übernahme von Business Schools durch finanzstarke Investoren zeigt sich auch in anderen Regionen: In den USA hat der Bildungsanbieter Laureate die Thunderbird School of Global Management übernommen, in Großbritannien kooperiert die Ashridge Business School seit Kurzem  mit dem Medienkonzern Pearson, führt die Autorin aus. Für die britische Schule war dies eine Notwendigkeit: "Wir sind einfach zu klein für größere Expansionen", so zitiert Schwertfeger den Chief Executive der Ashridge Business School, Kai Peters. Dass durch die Kooperation die akademischen Standards der Schule leiden könnten, glaubt Peters nicht: "Wir sind verantwortlich für die Qualität und haben das Sagen." Die Amerikaner haben weniger gute Erfahrungen gemacht: Laut einem Report über Amerikas profitorientierte Bildungsfirmen, die der Senat 2012 veröffentlichte, haben diese zwar höhere Studiengebühren als staatliche Universitäten – sparen aber bei der Lehre, schreibt Schwertfeger.

Haufe Online Redaktion

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