MBA-Studium: Immer mehr Manager statt Professoren

In MBA-Kursen unterrichten immer häufiger Manager statt Professoren. Gefährdet das das wissenschaftliche Fundament des Studiums?

An der Universität St. Gallen werden 80 Prozent der Wahlkurse im Vollzeit-MBA von Branchenexperten unterrichtet. An der IE Business School in Madrid lehren externe Dozenten in 65 Prozent der Kurse. Und bei der IESE Business School in Barcelona werden 21 Prozent des Unterrichts von Gastprofessoren abgehalten. 70 Prozent davon sind externe nicht-akademische Mitarbeiter wie Senior Executives, Manager, Berater und Unternehmer. Das hat das MBA-Portal Poets & Quants herausgefunden und dabei eine neue Entwicklung ausgemacht. So habe es in St.Gallen vor fünf Jahren noch so gut wie keine Kurse mit externen Dozenten gegeben.

MBA-Lehrkräfte: Balance aus Praxis und Wissenschaft

Das wirft Fragen auf. Schließlich ist ein MBA-Studium eine akademische Ausbildung, die fundierte wissenschaftliche Grundlagen vermitteln sollte. Man brauche eine gute Balance zwischen akademischer und nicht-akademischer Fakultät, sagt Rosa Pérez del Pulgar, Faculty Executive Director an der IESE Business School. Sie glaube, dass der Unterricht von Praktikern mehr Vor- als Nachteile bringe, aber es dauere lange, bis man sie auch entsprechend ausgebildet habe. Schließlich sei ein guter Manager nicht unbedingt auch ein guter Lehrer.

Bei der IESE sei man daher vorsichtig und teste, ob die nicht-akademischen Dozenten auch gute Lehrende sind und die Ziele und Werte der IESE vertreten. Zum Gastprofessor würden sie erst nach drei Jahren Training und Supervision ernannt. In St. Gallen suche man nach Experten, die bereits Lehrerfahrung haben, sei es im eigenen Unternehmen oder extern. Dann arbeite man zusammen eine Struktur des Kurses aus und bringe sie mit erfahrenen Fakultätsmitgliedern zusammen, die ihnen Feedback geben, so Poets & Quants.

Externe Dozenten können schnell neue Themen anbieten

Der Einsatz der Externen sei aber auch nicht in allem Bereichen des Studiums passend. So werden an der HEC Paris 90 Prozent der Grundlagenfächer von den eigenen Professoren unterrichtet, weil es hier vor allem darum gehe, rigoroses analytisches Denken zu lernen. Anders sei das bei den Wahlfächern, in denen es oft stärker auf die Erfahrung ankommt. Hier unterrichten bis zu 40 Prozent Externe wie Bankmanager im Finanzkurs oder ein Mönch im Ethikkurs. Für die Schulen haben externe Dozenten noch weitere Vorteile. Sie könnten neue Wahlkurse anbieten, ohne erst jahrelang dazu forschen zu müssen. Und zudem ist es wesentlich günstiger, einen Praktiker zu beauftragen als einen Professor einzustellen.


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