MBA: Steigende Abbruchquoten bei MOOCs

Kostenlose Kurse an Elite-Universitäten wie Stanford absolvieren – mit sogenannten MOOCs ist dies möglich. Die Onlinekurse ohne Zugangs- und Zulassungsbeschränkungen sollten den Bildungsmarkt revolutionieren. Doch nun zeigt eine Studie, dass die Abbruchquote bei durchschnittlich 96 Prozent liegt.

MOOCs, also "Massive Open Online Courses", standen aufgrund des unbeschränkten Zugangs für die große Disruption und Demokratisierung im Bildungsbereich. Auch viele Business Schools  wie die Wharton School, die HEC Paris oder die spanische IE Business School bieten Online-Kurse an. Manchmal sind es sogar Kern- oder Wahlkurse aus dem jeweiligen MBA-Programm.

MOOC-Teilnehmer: Kaum Absolventen, wenige Wiederholer

Doch nun zeigt eine Studie des "Massachusetts Institute of Technology" (MIT), dass die Kurse der letzten fünf Jahre im Schnitt eine Abbruchquote von rund 96 Prozent haben. Untersucht wurden alle Teilnehmer, die sich von 2012 bis 2018 für einen Kurs am MIT und an der Harvard University auf deren gemeinsamen Lernplattform edX registriert und den Kurs angesehen haben. Die Daten umfassen 5,63 Millionen Lernende bei 12,67 Millionen Kursregistrierungen.

Von allen MOOC-Teilnehmern haben 2017/2018 nur 3,13 Prozent ihre Kurse beendet. Im Vorjahr waren es noch vier Prozent und 2014/2015 noch fast sechs Prozent. Bei den "verifizierten Kursen", für die Teilnehmer für ein Abschlusszertifikat bezahlten, waren es 2017/2108 lediglich 46 Prozent. In den beiden Jahren davor lag der Anteil noch bei 56 Prozent. Zudem ist die Zahl der Nutzer, die sich im nächsten Jahr erneut für einen MOOC eingeschrieben haben, von Jahr zu Jahr gesunken. Waren es 2012/2013 noch 38 Prozent, lag ihre Zahl 2016/2017 nur noch bei sieben Prozent.

MOOCs sorgen nicht für Demokratisierung im Bildungsbereich

Dass sich die Abschlussquoten verschlechtert haben sei problematisch, schreiben die beiden Forscher Justin Reich and José A. Ruipérez-Valiente in ihrem Artikel "The MOOC Pivat" im Fachjournal Science (Januar 2019). Die Strategie, neue Teilnehmer für eine Hochschulbildung zu gewinnen, könne nicht funktionieren, wenn es den Institutionen nicht gelingt, die Lernenden so zu unterstützen, dass sie einen Kurs auch abschließen und damit ihren Wert auf dem Arbeitsmarkt erhöhen.

Auch die Hoffnung, MOOCs würden Teilnehmern in Ländern mit einem schlechten oder fehlenden Bildungsangebot eine hochqualitative Bildung ermöglichen, erweist sich nach der Analyse der Forscher als falsch. So kamen 68,7 Prozent der Teilnehmer 2017/2018 aus Ländern mit sehr hoch entwickelten Bildungsangeboten. Rund ein Drittel kam aus Ländern mit einem hohen und mittleren Angebot und nur 1,43 Prozent aller MOOC-Teilnehmer kamen aus Ländern mit einem schlechten Bildungsangebot.

Neue Lerntechnologien allein sind nicht die Lösung

Die versprochene Demokratisierung von Hochschulbildung sei damit gescheitert. "Neue Lerntechnologien sind selten disruptiv, sondern werden bestimmt durch die vorhandenen Kulturen und Systeme", so die Autoren. Eine tatsächliche Expansion von Bildungsmöglichkeiten für bisher vernachlässigte Populationen bedürfe politischer Aktionen. Das erreiche man nicht durch Technologien allein.


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