Ein zentraler Kritikpunkt an bisherigen MBA-Rankings ist, dass der Gehaltszuwachs von Absolventen darin eine überragende Rolle spielt. Bild: Haufe Online Redaktion

Mehr als 20 Wissenschaftler und Dekane von Business Schools in den USA haben einen gemeinsamen Aufruf gestartet, die Art der Bewertung von Business Schools in den Rankings zu verändern. Die bisherigen Methoden der Ranglisten seien trügerisch und bevorzugten bestimmten MBA-Typen, so ihr Vorwurf.

In ihrem in der Fachzeitschrift "Decision Sciences" erschienenen Artikel "On academic rankings, unacceptable methods, and the social obligations of business schools" fordern die Forscher zwar nicht, alle Rankings abzuschaffen und sehen durchaus einen Vorteil darin, die den Ranglisten zugrunde liegenden Daten zu veröffentlichen.

Sie plädieren jedoch für andere Methoden, damit potenzielle Studenten auch die unterschiedliche Charakteristika der Schulen erkennen können. "Wir dulden nicht Vergleichsmethoden, von denen wir wissen, dass sie fundamental irreführend sind", heißt es in dem Aufruf. Die Autoren appellieren daher an die Führung der Schulen, gemeinsam ein System zu erarbeiten, das den potenziellen Studenten Daten bietet, die ihnen wirklich helfen, die verschiedenen Studienangebote zu evaluieren.

MBA-Rankings: Studenten lassen sich von Gehaltssteigerung blenden

Als Beispiel führen die Forscher das Ranking-Kriterium "Gehalt" beziehungsweise "Gehaltsteigerung nach dem Studienabschluss" an. Am besten schneiden dabei Schulen ab, bei denen viele Absolventen in den Finanzbereich gehen, weil dort die höchsten Gehälter bezahlt werden. Also versuchten viele Schulen, ihr MBA-Programm so auszurichten, dass ihre Absolventen für die Finanzbranche attraktiv sind.

Doch nicht jeder Student strebt eine Finanzkarriere an und viele lassen sich nur von der Position einer Schule im Ranking blenden, ohne genauer hinzuschauen, was ein Programm wirklich auszeichnet. Sie verschulden sich aufgrund der horrenden Studiengebühren und stellen erst später fest, dass das Programm für ihre Karrierepläne nicht geeignet ist. 

Business Schools können sich keinen Ausstieg aus Rankings leisten

Es ist nicht der erste Versuch der Business Schools, gegen die einerseits verhassten, aber andererseits auch wichtigen Rankings anzugehen. Denn je besser eine Schule abschneidet, desto mehr Bewerber hat sie, desto mehr Unternehmen rekrutieren ihre Absolventen und desto mehr Alumni unterstützen die Schule mit Spenden. Einen Aussteig aus dem Teufelkreis kann sich kaum eine Schule leisten und selbst Versuche von Topschulen sind bisher gescheitert.

So beschlossen die Wharton School und die Harvard Business School 2004, dem US-Magazin Businessweek nicht mehr die für die Rangliste notwendigen Daten der MBA-Absolventen zur Verfügung zu stellen. Doch das Magazin besorgte sich die Daten auf andere Weise und rankte die Schulen trotzdem. Und 2016 weigerte sich das IMD in Lausanne, an dem umstrittenen MBA-Ranking des Economist teilzunehmen. Das britische Magazin bewertete das Programm trotzdem – auch ohne aktuelle Daten.

Schulen boykottieren Rankings – und werden dennoch gerankt

Bereits beim 2015 veröffentlichten Economist-Ranking zu Executive-MBA-Programmen fehlten etliche Topschulen, weil sie das Ranking aufgrund seiner höchst umstrittenen Methodik boykottiert hatten. Die Aussagekraft der Rangliste war daher fragwürdig, was allerdings den meisten Interessenten nicht klar gewesen sein dürfte. 

Die Medien, für die die Ranglisten in erster Linie ein Verkaufsinstrument sind, stören sich nicht an der Kritik. Die Schulen sitzen daher in der Falle und MBA-Interessenten laufen auch weiter Gefahr, in die Irre geführt werden, wenn sie die Auswahl eines MBA-Programms nur von der Platzierung in einem Ranking abhängig machen.


Den kompletten Beitrag "On academic rankings, unacceptable methods, and the social obligations of business schools" lesen Sie hier.

Schlagworte zum Thema:  MBA, Führungskräfteentwicklung, Personalentwicklung

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