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| MBA-Programme

Viele MBA-Schulen ändern ihre Zulassungskriterien

Manche Business School nutzt bei der Auswahl der MBA-Studenten neuartige Methoden.
Bild: Haufe Online Redaktion

Essays vom Ghostwriter und selbstverfasste Referenzen: Um zu vermeiden, dass MBA-Bewerber solche Methoden beim Auswahlverfahren für MBA-Programme einsetzen, experimentieren Business Schools derzeit mit neuen Zulassungskriterien. Bärbel Schwertfeger analysiert einige dieser Kriterien.

An der Tippie School of Management an der University of Iowa können sich MBA-Bewerber auf besondere Weise profilieren: Wie die MBA-Expertin Bärbel Schwertfeger in der aktuellen Ausgabe der "Wirtschaft und Weiterbildung" berichtet, steht es den Bewerbern dort offen, anstelle des üblichen Essays eine besonders kreative Power-Point-Präsentation zum Thema: "Erzähl uns, warum wir in Dich investieren sollen" vorzulegen. Dabei gibt sogar etwas zu gewinnen: ein Stipendium im Wert von 38.000 Dollar.

Die Tippie Business School ist nicht die einzige MBA-Schmiede, die derzeit mit neuen Auswahlkriterien experimentiert, erläutert Schwertfeger. Gerade deutsche MBA-Interessenten unterschätzen der Autorin zufolge oft, wie umfangreich die Bewerbung an einer Top-Schule ist: Dafür müssen Referenzen eingeholt, Essays geschrieben, Zeugnisse übersetzt, Sprach- und Zugangstests bestanden werden. In den USA, führt Schwertfeger aus, gibt es daher längst Berater, die Bewerbern für ein paar Hundert Dollar versprechen, ihnen zu einem Studienplatz zu verhelfen. 

115 Bewerber wegen Plagiaten abgelehnt

Deren Aktivitäten seien daran mit schuld, warum immer mehr Schulen derzeit ihre Zulassungskriterien ändern. Auf dem Prüfstand stehen dabei der Autorin zufolge vor allem die Essays, mit denen die Schulen mehr über die Persönlichkeit der Kandidaten erfahren wollen. Hier kommen zahlreiche Täuschungsversuche vor: Schwertfeger verweist auf das Beispiel der Anderson School of Management an  der University of California, die Anfang des Jahres 115 Bewerber wegen Plagiaten in den Essays zurückgewiesen hat. Aufgrund dieser Erfahrungen hätten viele Schulen die Essay-Übungen eingeschränkt oder gar ganz abgeschafft, erläutert die Autorin. Manche experimentieren nun mit anderen Formen, etwa mit Video-Essays.

38 Prozent schreiben Referenzen selber

Einen anderen Weg geht die Yale School of Management, wie Schwertfeger zeigt: Die Schule will künftig die emotionale Intelligenz ihrer Bewerber messen. Prinzipiell sei es gar keine schlechte Idee, auf die Persönlichkeit der potenziellen MBA-Studenten zu achten, findet die MBA-Expertin. Doch sie kritisiert die dabei eingesetzten Persönlichkeitstests, die auf Selbstauskünften der Bewerber basieren und in der Auswahlsituation in hohem Maße von sozialer Erwünschtheit geprägt werden – was die Ergebnisse laut Schwertfeger nur sehr eingeschränkt verwendbar machen.

Auch Referenzen verlieren bei der Bewerberauswahl an Bedeutung: Schwertfeger zitiert eine Umfrage der Association of International Graduate Admission Consultants (AIGAC), derzufolge 38 Prozent der 377 befragten potenziellen MBA-Studenten von ihrem Referenzgeber gebeten wurden, ihre Referenz selbst zu schreiben. Auch dies ist also keine verlässliche Quelle für Können und Persönlichkeit der Kandidaten.

Sechs Bewerber, 35 Minuten, eine Lösung

Einige Schulen fordern zudem noch ein persönliches Interview, so Schwertfeger. An der Ross School of Business der University of Michigan hält man dies der Autorin zufolge jedoch auch inzwischen für überholt: Dort müssen die Bewerber Stegreifaufgaben in der Gruppe lösen. Dabei müssen jeweils sechs Bewerber, die mit einem Beobachter an einem Tisch sitzen, zwei zufällig ausgewählte Worte in eine Präsentation einbauen. Schwertfeger findet jedoch auch die Methode, Bewerber danach auszuwählen, wie gut sie sich in Stegreifaufgaben schlagen, recht fragwürdig. Dagegen bewertet sie den Ansatz der Wharton School in Philadelphia, der der klassischen Gruppendiskussion aus dem Assessment Center entspricht, als sinnvoller: Den Bewerbern wird hier eine Frage gestellt, in einer Sechsergruppe müssen sie dann unter Beobachtung in 35 Minuten zu einer Lösung kommen.

Den kompletten Artikel "MBA-Schmieden ändern weltweit Zulassungskriterien" lesen Sie in Ausgabe 11-12/2013 der Wirtschaft und Weiterbildung.

Haufe Online Redaktion

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