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Heimlich studiert, Chance vertan

Für Arbeitgeber kann es sich lohnen, das MBA-Studium ihrer Mitarbeiter zu unterstützen: Wie hier an der IMD Lausanne bearbeiten die Studenten oft Fallbeispiele aus dem Unternehmen.
Bild: Bärbel Schwertfeger

Aus Angst, ihr Chef oder HR könnte ein berufsbegleitendes MBA-Studium ablehnen, starten immer mehr Mitarbeiter ihr Studium, ohne ihren Arbeitgeber zu informieren. Das bedeutet eine enorme Belastung für die Studenten – und vertane Chancen für den Arbeitgeber. Wie Business Schools darauf reagieren.

Immer weniger MBA-Studenten können sich bei ihrem Studium über die finanzielle Unterstützung ihres Arbeitgebers freuen. So berichten Business Schools in den vergangenen Jahren davon, dass immer mehr Studenten die Kosten für ein MBA- oder ein Executive-MBA-Studium selbst stemmen.

Doch nicht nur, dass immer weniger Studenten von ihrem Arbeitgeber gesponsert werden – immer mehr von ihnen verschweigen ihr Studienvorhaben sogar vor ihrem Arbeitgeber. Diesem Phänomen ist die Journalistin und MBA-Expertin Bärbel Schwertfeger für das "Personalmagazin" nachgegangen. Sie hat Business-School-Verantwortliche zu den Gründen und Auswirkungen dieses Trends befragt. (Den kompletten Beitrag "Am Chef vorbei studiert" lesen Sie in Ausgabe 10/2016 des "Personalmagazins". Hier können Sie die Ausgabe als App herunterladen.)

Beide Seiten vertun Chancen

Für die Studenten bedeutet dieser Alleingang nicht nur eine finanzielle und Arbeitsbelastung – sondern auch eine organisatorische Herausforderung, denn schließlich müssen sie die Präsenzphasen an der Business School mit ihrer Arbeit verbinden.

Dadurch, argumentiert Schwertfeger, vertun allerdings beide Seiten – Mitarbeiter und Arbeitgeber – Chancen: Denn gerade bei den Executive-MBA-Programmen, die sich an Führungskräfte mit mehrjähriger Führungserfahrung richten, stehen oft das Lernen voneinander und manchmal auch die Bearbeitung konkreter Projekte im eigenen Unternehmen im Vordergrund.

Auf dem Stundenplan: Konkretes Lernen am Unternehmen

"Wohl kaum eine Schule macht das so konsequent wie das IMD in Lausanne", schreibt Schwertfeger. "Getreu dem Leitsatz 'Real World. Real Learning' arbeiten die Teilnehmer dort an konkreten Fragen aus ihrer täglichen Praxis zu den sechs Themen 'Strategie', 'Finanzen', 'Kundenorientierung', 'Organisation', 'Digitale Transformation' und 'Leadership'.

"Diese vertiefte und von den Professoren begleitete Exploration und Reflexion bringt dem Unternehmen einen direkten Mehrwert und rechtfertigt auch die Abwesenheit der Teilnehmer während des Studiums", zitiert sie Professor Stefan Michel, Direktor des Executive MBA-Programms am IMD. Im Idealfall entstehe so eine Win-win-Situation.  

Kein MBA-Studium ohne Unterstützung des Arbeitgebers

Um diese "Win-win-Situation" aktiv zu fördern, greift die Mannheim Business School zu einer speziellen Maßnahme: Dort ist es bei allen berufsbegleitenden MBA-Programmen Pflicht, dass eine zeitliche Unterstützungszusage vom Arbeitgeber vorliegt, schreibt Schwertfeger. "Da machen wir keine Ausnahme", erklärt Professor Jens Wüstemann ihr gegenüber. "Wir verstehen uns nicht nur als Partner unserer Teilnehmer, sondern auch als Partner der Unternehmen und für uns ist es daher   eine Selbstverständlichkeit, dass wir mit allen Stakeholdern fair und offen kommunizieren", betont der Präsident der Mannheim Business School. Dabei stelle man auch fest, dass einige Unternehmen den MBA als Weiterbildungsmaßnahme bislang noch nicht auf dem Radar hatten.  

Darüber hinaus sehen die Business-School-Vertreter noch ein weiteres Problem in den Unternehmen: Deren HR-Manager befürchten oft, dass Mitarbeiter, die sich bei einem berufsbegleitenden MBA weiterbilden, danach das Unternehmen für eine bessere Stelle verlassen. Diese Sorge ist laut einer aktuellen Analyse des Online-Portals "Transparent MBA" nicht ganz unbegründet. Doch wenn sie nicht gewillt sind, dieses Risiko einzugehen, vertun die Arbeitgeber auch die Chance, das MBA-Studium als Mittel der Mitarbeiterbindung einzusetzen.

Dafür reicht jedoch finanzielle Unterstützung nicht aus. "Bindung entsteht nicht allein durch eine Beteiligung des Arbeitgebers an Studienkosten oder -zeit, sondern vielmehr durch berufliche Perspektiven, zum Beispiel die Arbeit an strategischen Themen oder in wichtigen Projekten des Unternehmens", sagt Mirjam Bamberger, Leiterin Human Resources & Communications und Mitglied der Geschäftsleitung beim Schweizer Versicherer Axa Winterthur, in Schwertfegers Beitrag.

Was passiert, wenn Mitarbeiter sich nicht weiterbilden?

Das Argument, die Mitarbeiter würden nach Ende ihres Studiums das Unternehmen ohnehin verlassen, lässt auch Professor Markus Vodosek, akademischer Direktor MBA an der German Graduate School (GGS) Heilbronn, nicht gelten. "Diesen HR-Managern raten wir, sich vorzustellen, was denn passieren würde, wenn sich Mitarbeiter nicht weiterbilden und im Unternehmen bleiben würden", erklärt der Professor.

Natürlich sei es möglich, dass Mitarbeiter das MBA-Studium nutzen, um sich neu zu orientieren, sagt auch Professor Jürgen Weigand, Leiter der WHU – Otto Beisheim School of Management, Düsseldorf, gegenüber MBA-Expertin Schwertfeger. Aber das lasse sich letztlich nie verhindern. HR müsse sich eher fragen, ob es eine gute Karriereplanung gibt und ob weiterbildungswillige Mitarbeiter wertgeschätzt werden. "HR sollte lieber eine proaktive Strategie verfolgen und Mitarbeiter mit MBA-Ambitionen auffordern, das gemeinsam zu besprechen, anstatt Barrieren aufzubauen", fordert Weigand.

Sein Fazit: "Ich würde es definitiv nicht raten, das MBA-Studium zu verschweigen", sagt WHU-Professor. "Sonst ist das Verhältnis automatisch gestört."

MBA ohne Unterstützung des Arbeitgebers: "eine Illusion"

Auch Professor Stefan Schmid, akademischer Leiter EMBA, ESCP Berlin, wirbt in Schwertfegers Beitrag dafür, dass Personaler und Vorgesetzte gemeinsam mit dem Mitarbeiter das MBA-Studium planen und den Mitarbeiter währenddessen unterstützen. An der ESCP müssen alle Teilnehmer des Executive MBA bestätigen, dass ihr Arbeitgeber über das Studium informiert ist. In den meisten Fällen seien die Vorgesetzten und die Personalabteilung, einschließlich Teammitglieder und Kollegen darüber informiert, schreibt Schwertfeger.

"Einen Executive MBA zu absolvieren, ohne den Arbeitgeber darüber zu informieren, halte ich für eine Illusion", resümiert Schmid.

Dies ist ein Auszug aus dem Beitrag "Am Chef vorbei studiert" aus Ausgabe 10/2016 des "Personalmagazins". Den kompletten Beitrag können Sie hier in der Personalmagazin-App lesen.

Schlagworte zum Thema:  MBA, Weiterbildung, Personalentwicklung

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