16.11.2015 | MBA

MBA als Karriere-Turbo?

Was bringt ein MBA-Studium? Darüber diskutierten Experten aus Wissenschaft und Praxis mit Journalistin Bärbel Schwertfeger.
Bild: Franz Pfluegl/PERSONAL2015 Süd

Ein MBA-Studium kostet Zeit und Geld. Andererseits locken mit dem Abschluss bessere Karriere- und Verdienstchancen. Welche Argumente Vertreter aus Wissenschaft und Praxis zu Sinn und Zweck eines MBA-Abschlusses anführen, lesen Sie in der Zusammenfassung einer Experten-Diskussion.

Das Angebot an MBA-Studiengängen scheint stetig zu steigen. Der Reiz des Studiums liegt wohl auch darin, dass der Abschluss bessere Karriere- und Verdienstchancen verspricht. Tatsächlich gibt es einige Studien, die dies belegen. Ein Ranking des „Economist“ zeigt etwa, wo sich die Investitionen ins Studium kurzfristig auszahlen. Wer mit einem MBA schnell reich werden will, sollte demnach in Frankreich studieren – an der HEC Business School in Paris. Wenngleich der MBA-Abschluss in Europa noch keinen so hohen Stellenwert hat wie in den USA, vermehren sich die Zeichen, dass Recruiter auch hierzulande verstärkt nach MBA-Absolventen Ausschau halten.

Sinn und Zweck des MBA

Auf der Messe „Personal Süd“, die im Mai in Stuttgart stattfand, diskutierten Praktiker aus Unternehmen und Vertreter von MBA-Schulen bei einem Podium über Sinn und Zweck des MBA-Studiums.
Dirk Zupancic, Präsident der German Graduate School of Management & Law in Heilbronn, hält das Konzept des MBA für einmalig, sieht es aber noch nicht vollständig in den Köpfen der Menschen und Unternehmen angekommen. „Das Besondere ist, dass Managementwissen in einer Phase gelehrt wird, in der die Studierenden im Grunde schon wissen, um was es geht“, so Zupancic. Thomas Mattes, Head of Unit Workforce Management & Policies bei der Deutschen Börse AG, ist der Ansicht, dass ein MBA gerade für Mitarbeiter ohne klassischen BWL-Hintergrund hilfreich sein kann, um in einem solchen Umfeld zurecht zu kommen.

Keine automatische Beförderung wegen MBA

Welche Bedeutung hat der MBA für Unternehmen? Torsten Kronshage, Leiter der Hochschulprogramme bei IBM Deutschland, erachtet das Programm als notwendig, um als Arbeitgeber attraktiv zu bleiben. Verweigere sich ein Unternehmen, riskiere es letztlich, Mitarbeiter zu verlieren. „Wichtig ist jedoch auch zu betonen, dass niemand automatisch befördert wird, weil er einen MBA-Abschluss hat.“ Hier sei eine faire und offene Kommunikation mit den Mitarbeitern sehr wichtig. Für Dirk Zupancic kann der MBA gar ein Instrument der Mitarbeiterbindung sein – hierfür müssten intelligente Konzepte aufgebaut werden.

HR zu wenig involviert

Florian Kraus, Academic Director der Mannheim Business School, und Dirk Zupancic waren sich einig, dass HR bei der Wahl eines MBA-Studiums oftmals außen vor bleibt. Es seien vorwiegend die Mitarbeiter und Fachabteilungen, die die Entscheidung für eine Managementweiterbildung treffen. Die kontinuierliche Weiterentwicklung der Mitarbeiter sollte jedoch im HR-Interesse liegen.

Viel Eigenmotivation nötig

Aufgrund der Zeitinvestition, stellt sich oftmals die Frage nach der Vereinbarkeit eines MBA-Studiums mit dem Beruf. „Ein hohes Maß an Eigenmotivation ist dafür nötig, aber grundsätzlich bestehen keine Hindernisse für Vollzeitmitarbeiter, wenn sie den MBA wirklich wollen“, so Thomas Mattes. Man müsse den Leuten aber klar machen, worauf sie sich einlassen. Teilweise müssten Wochenenden und Urlaube genutzt werden, um sich auf Prüfungen vorzubereiten.

Entwicklung des MBA

Die vier Experten zeigten sich zuversichtlich, was die Entwicklung des MBA angeht. Die Offenheit und Akzeptanz seitens der Unternehmen werde wachsen, so Florian Kraus. Torsten Kronshage erhofft sich für die Zukunft eine noch bessere Vereinbarkeit zwischen Studium und Beruf. Einzelne Module, die unabhängig voneinander bearbeitet werden könnten, seien womöglich ein sinnvoller Ansatz. Dirk Zupancic geht davon aus, dass es künftig vermehrt unterschiedliche Formate geben wird – Voll- und Teilzeit – und auch die voranschreitende Digitalisierung eine Rolle spielen wird. Und auch Thomas Mattes rechnet mit einer Zunahme an MBA-Programmen. „Gerade in Zeiten von globalen und stets komplexer werdenden Aufgabenstellungen ist der MBA ein sinnvolles Tool.“

Schlagworte zum Thema:  MBA, Karriere, Verdienstmöglichkeiten

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