Master of Arts, Master of Science oder doch lieber ein spezialisiertes MBA-Studium? Vor dieser Frage stehen viele Studieninteressierte. Bild: Fotolia LLC.

Seitdem es das zweistufige Studienkonzept mit dem Bachelor- und Master-Abschluss gibt, bieten immer mehr Hochschulen berufsbegleitende Masterstudiengänge an. Wir zeigen, wie diese Studienprogramme konzipiert sind und wie sie sich von spezialisierten MBA-Programmen unterscheiden.

So richtig durchgesetzt hat sich der Grundgedanke der Bologna-Reform in Deutschland noch nicht. Denn der eigentliche Charme des Konzepts liegt darin, dass Bachelor-Absolventen erst einmal Berufserfahrung sammeln und später vielleicht noch ein Master-Studium absolvieren, sei es um ihr Fachwissen zu vertiefen oder sich in einem anderen Bereich weiterzubilden. Doch derzeit nutzen die meisten Bachelor-Absolventen diese Möglichkeit nicht und beginnen direkt nach ihrem Bachelor-Abschluss mit einem Master-Studium.

Dabei hat das "späte" Master-Studium durchaus seine Vorteile. Man weiß aufgrund seiner Praxiserfahrungen, ob einem ein Fachbereich überhaupt liegt. Manche entdecken auch ganz neue Bereiche, in denen sie gern arbeiten wollten. Da erkennt der Bachelor-Absolvent eines technischen Studiengangs vielleicht sein Faible für Personal- oder Finanzthemen, der Absolvent eines betriebswirtschaftlichen Bachelor-Studiums interessiert sich plötzlich für Nachhaltigkeit oder Technologiemanagement.

Masterstudiengänge: konsekutiv oder nicht-konsekutiv aufgebaut

Beim Master wird zwischen konsekutiven und nicht-konsekutiven Studiengängen unterschieden. Bei den ersteren dient der Master der Vertiefung oder Spezialisierung des im Bachelor-Studium absolvierten Fachbereichs. Wer Betriebswirtschaft studiert hat, fokussiert sich im Master zum Beispiel auf Personalmanagement. Konsekutive Master sind damit das ideale Anschlussprodukt an duale Bachelor- Studiengänge.

Beim nicht-konsekutiven Master haben die Teilnehmer ihren Bachelor-Abschluss in ganz unterschiedlichen Fächern gemacht. Beispiel: Ein Bachelor in Biologie, der ein Studium zum Master in Health Management absolviert. Der Hochschulkompass der Hochschulrektorenkonferenz (HRK) zeigte Anfang März genau 743 weiterführende, berufsbegleitende Master-Studiengänge an. 372 davon lagen im Bereich Wirtschafts- und Rechtswissenschaften (dazu zählen auch die MBAProgramme) und 273 davon an Fachhochschulen und Hochschulen ohne Promotionsrecht.

Die meisten berufsbegleitenden Master-Programme gibt es mit jeweils 70 Angeboten in Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen. An dritter Stelle liegt Bayern mit 53 Programmen.

Master of Arts: eher praxisorientiert konzipiert

Auch im HR-Bereich haben sich inzwischen einige Master-Programme gut etabliert. Dazu kommen immer wieder neue Angebote. Manche verschwinden allerdings auch mangels Nachfrage wieder vom Markt, wie Anfang des Jahrs der Executive Master in Human Resource Management – kurz HRM-Master – an der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) in München.

Neben den inhaltlichen Schwerpunkten variieren auch die Abschlüsse. Das reicht vom Master of Arts (M. A.) über den Master of Science (M. Sc.) bis zum schlichten Executive Master. Grundsätzlich sollte der M. Sc. eher technisch oder mathematisch ausgerichtet sein. International gilt er als eher wissenschaftlich, während der Master of Arts eher praxisorientiert ist.

Master und spezialisierter MBA: Unterschied oft nicht ganz klar

So ganz klar ist der Unterschied aber leider oft nicht. Das gilt auch bei der Abgrenzung zum spezialisierten MBA-Studium. Per Definition gilt ein MBA als eine Weiterbildung in General Management, bei der alle Kernfächer von Accounting, Finance, Operations, Strategie und HR-Management unterrichtet werden. Manche MBA-Studiengänge ermöglichen es auch – meist im zweiten Studienabschnitt – eine Spezialisierung auf einen Bereich wie etwa Strategie oder HR.

Doch es gibt auch Studiengänge, die zwar als MBA bezeichnet werden, inhaltlich aber fast ausschließlich auf einen Fachbereich wie etwa Logistik fokussiert sind. Hier gilt es daher stets genau hinzuschauen und für sich selbst abzuklären, wo die Prioritäten liegen sollten. Wer mit einem Master-Studium liebäugelt, sollte auch darauf achten, dass das Fachgebiet nicht zu eng ist. Denn je spezifischer ein Studiengang, desto begrenzter sind in der Regel auch die Einsatzmöglichkeiten der Absolventen.

Personalentwicklung bindet Master bislang selten ein

Noch kommt die Initiative für ein berufsbegleitendes Master-Studium überwiegend von den Interessenten selbst. Zwar erkennen immer mehr Unternehmen, dass die Unterstützung beim Master-Studium auch zur Bindung des Mitarbeiters beitragen kann, eine richtige Einbindung in die Personalentwicklung findet man bisher aber noch selten.

Vorreiter waren die Wirtschaftsprüfer, die gemeinsam mit verschiedenen Hochschulen bereits 2010 den Master-Studiengang Audit-Xcellence entwickelt haben, der sich an Bachelor-Absolventen mit erster Berufserfahrung richtet. Dabei kooperieren Deloitte, Ernst & Young, KPMG und PWC mit vier Hochschulen, die entsprechende Studiengänge anbieten. Die Wirtschaftsprüfer zahlen nicht nur Studiengebühren und stellen ihre Mitarbeiter für das Studium frei, die Absolventen bekommen auch die Hälfte des Wirtschaftsprüferexamens erlassen.

Ein Vorteil vieler berufsbegleitender Master-Studiengänge ist die unmittelbare Anwendung des Gelernten am eigenen Arbeitsplatz. Bei Hausarbeiten oder in der Master- Arbeit können die Teilnehmer konkrete Aufgaben an ihrem Arbeitsplatz oder in ihrem Unternehmen bearbeiten. Firmen, die das geschickt integrieren, können mit wissenschaftlicher Unterstützung sich neue Konzepte erarbeiten lassen und sparen sich die Kosten für externe Berater.

Master: Teilnehmer lernen auch von einander

Wie beim MBA geht es auch beim berufsbegleitenden Master nicht nur um die Vermittlung von Fachwissen durch einen Dozenten. Wichtig ist auch, dass die "Schüler" voneinander lernen. Durch das Studium bekommen sie einen Einblick, wie andere Unternehmen an bestimmte Fragestellungen herangehen.

Nicht zu unterschätzen ist natürlich auch der Erwerb von nicht-fachlichen Kompetenzen, sei es bei der Bearbeitung von Projekten im Team oder im Umgang mit der Herausforderung, Job, Studium und Privatleben unter einen Hut zu bringen.

Allerdings wissen noch nicht alle Unternehmen das entsprechend zu schätzen und so mancher Personaler sieht in der Unterstützung des Mitarbeiters beim Master-Studium vor allem ein Incentive und ist dann enttäuscht, wenn dieser nach dem Abschluss kündigt. Das lässt sich naturgemäß nicht immer verhindern. Doch über eines sollten sich auch Personalmanager im Klaren sein: Wer sich den Stress eines berufsbegleitenden Studiums antut, der will nicht nur den Master-Titel, er möchte seine neuen Kompetenzen auch im Job einsetzen können.

 

Hinweis: Dieser Text ist ein Auszug aus dem "MBA Kompendium 2017/2018", das der Mai-Ausgabe der "Wirtschaft + Weiterbildung" und der Juni-Ausgabe des "Personalmagazins" beiliegt. Darin finden Sie unter anderem einen Überblick über Anbieter von Masterstudiengängen in Deutschland und MBA-Studiengängen in Deutschland und Österreich. Hier können Sie das komplette Kompendium kostenlos downloaden.

Schlagworte zum Thema:  Master, MBA, Personalentwicklung, Führungskräfteentwicklung

Aktuell
Meistgelesen