03.09.2013 | Serie Das Ausbildungsjahr beginnt

Lob für die berufliche Ausbildung, Kritik für die schulische

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Applaus für die deutsche Ausbildung gibt es von der OECD.
Bild: Project Photos GmbH & Co. KG

Das deutsche Ausbildungssystem ist angesehen: In ihrer neuen Studie "Education at a Glance" stellt die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) der deutschen dualen Ausbildung ein gutes Zeugnis aus. Allerdings üben Unternehmen auch Kritik.

Martin Wansleben, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), findet das Lob der OECD durchaus berechtigt: "Die OECD-Studie attestiert Deutschland nicht nur ein hohes Niveau bei der Ausbildung seiner Jugend. Sie zeigt, dass das deutsche Modell einer praxisnahen, dualen Berufsausbildung in Schule und Beruf einen besseren Schutz gegen Arbeitslosigkeit bietet als die Bildungssysteme vieler anderer OECD-Länder", erklärt er und ergänzt das Geheimnis dahinter: "Die Unternehmen wissen am besten, was ihre Fachkräfte lernen und leisten müssen und können die Inhalte selbst mitgestalten. So macht der praktische Teil zwei Drittel der Berufsausbildung aus."

Kritik an Vorbildung der Azubis aus den Unternehmen

Die Verbände "Die Familienunternehmen" und "Die jungen Unternehmer" stellen allerdings in einer Umfrage unter 402 Unternehmen fest, dass jedes zweite Familienunternehmer (58 Prozent) Probleme habe, geeignete Azubis zu finden – zumeist aufgrund der schlechten Vorbildung vieler Bewerber. Vor allem mathematische Kenntnisse (38 Prozent), sprachliches Ausdrucksvermögen (37 Prozent), Sozialkompetenz (35 Prozent) und Leistungsbereitschaft (32 Prozent) seien bei vielen Bewerbern nicht genug ausgeprägt. Lencke Wischhusen, Bundesvorsitzende von "Die jungen Unternehmer", sieht die Schulen in der Pflicht: "Ich würde mir wünschen, dass sich die Lehrinhalte in den Schulen auch an den aktuellen Anforderungen in den Unternehmen orientieren. Dazu gehört auch, dass mehr Wirtschaftsthemen in die Schulbücher und Lehrpläne gehören. Darüber hinaus wäre es sinnvoll, für Lehramtsanwärter ein verpflichtendes Wirtschaftspraktikum einzuführen."

Studie  zur Ausbildungsqualität in deutschen Unternehmen

In Zeiten der Fachkräftelücke müssen vor allem mittelständische Unternehmen nicht nur ihre Ausbildungsaktivitäten erhöhen, sondern auch dafür sorgen, dass die vorhandenen Auszubildenden in ihrer Berufsausbildung zufrieden sind und anschließend als Fachkräfte weiterhin im Ausbildungsbetrieb arbeiten wollen. Professor Christian Ernst, Fachhochschule Köln, führt eine Untersuchung über die Ausbildungsqualität in deutschen Unternehmen durch und sucht derzeit Ausbildungsbetriebe, die an der Untersuchung teilnehmen wollen.

Im Rahmen der Forschungsstudie werden die Auszubildenden der teilnehmenden Betriebe über wichtige Kriterien der Ausbildungsqualität online und anonym befragt. Die Unternehmen erhalten anschließend einen aussagekräftigen Bericht über ihre Ergebnisse. Darin ist erkennbar, in welchen Bereichen das Unternehmen seine Ausbildungsqualität weiter steigern kann. Für die teilnehmenden Ausbildungsbetriebe ist die Befragung kostenlos.  

Nähere Informationen erhalten Sie unter www.prof-ernst.de oder per E-Mail: christian.ernst@fh-koeln.de.

Schlagworte zum Thema:  Ausbildung, Auszubildende, Lehrstellen

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