24.07.2014 | Betriebliche Altersversorgung

Gesetzesänderung bei Lebensversicherungen betrifft auch die bAV

Thorsten Teichmann empfiehlt, bAV-Verträge gezielt nach Risiko und Bedürfnisstruktur auszuwählen.
Bild: Haufe Online Redaktion, Press'n'Relations

Das neue Reformgesetz zur Lebensversicherung kann auch die Erträge aus einer betrieblichen Altersversorgung beschneiden. BAV-Experte Thorsten Teichmann rät Unternehmen deswegen nun dringend, die Zielsetzung ihrer Altersversorgungssysteme zu überprüfen, um diese leistungsfähig zu halten.

Das zum 1. Januar 2015 in Kraft tretende Lebensversicherungsreformgesetz soll die Wirtschaftlichkeit der Versicherungsunternehmen trotz Niedrigzinsphase sichern. Die darin vorgeschrieben Senkung der Garantiezusage für neu abgeschlossene Lebensversicherungsverträge wirkt sich auch negativ auf die Erträge aus einer betrieblichen Altersversorgung (bAV) aus, soweit diese direkt oder über die Rückdeckungsversicherung auf Basis einer Lebensversicherung abgeschlossen sind.

Garantiezinsenkung auf 1,25 Prozent

Zum Hintergrund: Lebensversicherungen garantieren eine bestimmte Mindestverzinsung, den sogenannten Garantiezins. Die Entwicklung des Garantiezinses zeigt bei Lebensversicherungen seit 1990 stetig nach unten. Betrug der Garantiezins im Juli 1994 noch vier Prozent, so sank er bis März 2010 auf 2,25 Prozent ab. Neue Lebensversicherungspolicen verfügen seit Januar 2012 über einen Garantiezins von nur noch 1,75 Prozent. Doch selbst dieser niedrige Garantiezins lässt sich in dem seit 2008 bestehenden Niedrigzinsumfeld nicht dauerhaft erwirtschaften. Mit dem neuen Gesetz wird der Garantiezins ab 1. Januar 2015 auf 1,25 Prozent abgesenkt. Die Neuregelung gilt allerdings nur für Neuverträge. Für die bestehenden Policen wird der Garantiezins nicht gesenkt, dennoch kann sich der gesenkte Garantiezins bei der Überschussbeteiligung auswirken.

Handlungsempfehlung für Arbeitgeber

Arbeitgeber treibt nun verstärkt die Frage um, wie sie die bAV für ihre Mitarbeiter weiterhin attraktiv gestalten können. Thorsten Teichmann, Geschäftsführer der Pensions Insurance Broker bei Aon Hewitt in Hamburg, rät dringend, innerhalb des Unternehmens die Zielsetzung des Versorgungskonzepts zu überprüfen, um die Vorteile der bAV auf Arbeitgeber- wie auf Arbeitnehmerseite weiterhin nutzen zu können: "Arbeitgeber sollten sich die Gestaltung ihrer versicherungsförmigen bAV ganz genau anschauen und auf die ursprüngliche Zielsetzung hin überprüfen – hier versteckt sich möglicherweise schon das erste Optimierungspotenzial", so Teichmann. "Entscheidend ist dabei aber das Verhältnis zwischen Aufwand und Leistung, denn der billigste Anbieter ist nicht unbedingt der leistungsfähigste. Tarifgerüst, Umfang der Gesundheitsprüfung und nicht zuletzt auch der Service bleiben weiterhin relevant."

Gezielte Auswahl von Garantien

Insgesamt sollten Unternehmen genau analysieren, welche Garantien sie überhaupt benötigen, und Versicherer und Produkte gezielt nach ihrer Risiko- und Bedürfnisstruktur auswählen. So lassen sich nicht nur Kosten im Bezug auf Leistung optimieren, sondern auch ein attraktives Instrument trotz Niedrigzinssituation gestalten. Einige Anbieter arbeiten bereits mit Produkten mit eingeschränkten Garantiezusagen, die dafür höhere Renditen versprechen. "Arbeitgeber müssen aber gleichzeitig immer die Grundabsicherung von Langlebigkeit, Invalidität und Todesfall im Auge behalten", erläutert Teichmann. "Daher bleibt die sichere Lebensversicherung weiterhin ein grundlegender und für den Arbeitgeber risikoarmer Weg in der bAV." Zwar werden die Gesamtleistungen für klassische Deckungsstocktarife bei gesenktem Garantiezins trotz zu erwartender Verbesserung der Kostenstruktur sinken. "Doch", so Teichmann, "man muss diese Aussicht im Vergleich zu anderen sicheren Anlageprodukten bewerten. Wo erhält der Verbraucher noch höhere Zinsen bei gleichwertig sicherer Anlage?"

Versicherer mit Lösungen für Unternehmen gefordert

Es kommt also mehr denn je darauf an, die richtigen Entscheidungen zu treffen, wie beispielsweise die Nutzung von Sondertarifen oder die gezielte Auswahl der benötigten Garantien. "Einige Versicherer bieten bereits Produkte mit eingeschränkten Garantien, dafür aber mit höherer Rendite an – der Trend wird sich sicher verstärken", so Teichmann weiter. "Der private Vorsorgemarkt mag zwar in der Öffentlichkeit im Fokus stehen. Insbesondere werden aber auch die Belange der Unternehmen, die Lösungen für Kollektive benötigen, zu berücksichtigen sein. Hier ist die Branche gefordert."

Schlagworte zum Thema:  Betriebliche Altersversorgung, Lebensversicherung

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