Die Anwendung von KI-Technologien im Personalwesen stößt immer wieder auf Grenzen und Kritik. Dennoch bewerten einige Bewerber den Einsatz von künstlicher Intelligenz wohlwollend – zumindest wenn ein konkreter Nutzen für den Bewerber deutlich wird.

Schon seit 2014 versuchte ein Team von Amazon einen Algorithmus zu entwickeln, der die Qualifikation von Bewerbern automatisch aufgrund von Lebenlaufdaten bewertet. Mittels künstlicher Intelligenz sollte das Tool anhand vergangener Bewerbungsprozesse lernen, Kandidaten entlang einer Fünf-Sterne-Skala einzuordnen, und so den Recruiting-Prozess unterstützen. 

Amazon scheitert mit KI in der Personalauswahl - vorerst

Doch die Software kam laut Aussage des Konzerns nie zum Einsatz, denn schon 2015 erkannte man erste Probleme bei den Tests: Das System tendierte dazu, Frauen schlechter zu bewerten als Männer. Vermutlich hatte es aufgrund der Überzahl männlicher Arbeitskräfte im IT-Sektor selbst erlernt, Kandidaten aufgrund des Geschlechts unterschiedlich zu behandeln. Offenbar bekam man die Probleme trotz dieser Erkenntnis nicht in den Griff, sodass das Projekt Ende 2017 eingestellt werden musste.

Nun will Amazon einen neuen Anlauf wagen, wie Reuters kürzlich berichtete. Demnach soll ein neues Team aus den Fehlern der Vergangenheit lernen und ein System zur automatisierten Bewertung in der Personalauswahl entwickeln, das mehr auf Diversität zielt. 

Bewerber sehen zunehmende Bedeutung von Recruiting-KI

Doch wie kommt ein solcher Einsatz von KI eigentlich bei den Bewerbern selbst an? Eine neue Studie zeigt, wie Bewerber zu der Verwendung von künstlicher Intelligenz in der Personalauswahl stehen und kommt zu mehrdeutigen Ergebnissen.

Das Marktforschungsinstitut Respondi hat im Auftrag von Viasto 1.008 Personen, die sich in den vergangenen drei Jahren mindestens ein Mal beworben haben, zu ihrer Meinung zu KI-Anwendungen im Recruiting und in der Personalauswahl befragt. Demnach teilen 80 Prozent der Befragten die Einschätzung, dass der KI-Technologie  in den nächsten Jahren eine zunehmende Bedeutung im Recruiting zukommt. 

Befürchtung der Bewerber: Schlecht auf KI im Recruiting  vorbereitet

Allerdings befürchten auch 67 Prozent, dass sie eher schlecht oder überhaupt nicht auf diese Veränderung vorbereitet sind. Insgesamt betrachten 47 Prozent der Bewerber den Einsatz von KI in beruflichen Auswahlprozessen mit einer gewissen Skepsis. Daher drohe die Gefahr, dass sich Bewerber von den Auswahlprozessen überfordert fühlen, folgern die Studienautoren.

Dennoch zeigt sich in der Befragung auch Interesse am Thema und Verständnis für den Einsatz. Ein Viertel der Befragten hält den Einsatz von KI in Auswahlprozessen für sinnvoll, dieser Anteil ist jedoch unter jüngeren Altersgruppen geringer: Bei den 18-29 Jährigen sinkt der Anteil unter elf Prozent. Ebenfalls ein Viertel sieht für sich einen persönlichen Mehrwert durch den Einsatz von KI. Ganze 47 Prozent allerdings zeigen sich dem Einsatz von KI gegenüber skeptisch. 

Akzeptanz ist höher, wenn der Nutzen von Recruiting-KIs deutlich wird

67 Prozent schätzen der Befragung zufolge intelligente Algorithmen zur Analyse des Online-Verhaltens positiv ein, wenn diese dabei helfen, eine zu ihren Fähigkeiten passende Arbeitsstelle zu finden. Hier wiederum ist die Akzeptanz unter den jüngeren Befragten noch größer (78 Prozent). 62 Prozent schrecken außerdem nicht vor der Auswertung ihrer Persönlichkeit durch KI zurück, wenn Sie im Gegenzug erwarten dürfen, sich mit ihren künftigen Kollegen gut zu verstehen.

Das Fazit der Studienherausgeber lautet daher, dass sich die Akzeptanz der Verwendung von künstlicher Intelligenz im Auswahlverfahren erhöhen lässt, wenn Bewerber in dieser Anwendung einen Nutzen für sich selbst sehen. Deshalb lautet die Empfehlung, nicht nur die Anwendung von KI gut zu reflektieren, sondern auch klar zu kommunizieren.

 

Weiterführende Links

Kolumne von Henner Knabenreich zu KI im Recruiting

Schlagworte zum Thema:  Künstliche Intelligenz (KI), Recruiting