17.04.2015 | Kommentare zu Winterkorn-Schelte

"Piëchs Gutsherrenart schadet dem Unternehmen"

Piechs öffentliche Kritik am Vorstandsvorsitzenden Winterkorn schade dem VW-Konzern, warnen Kommentatoren.
Bild: Dieter Schütz/pixelio.de

VW-Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch hat mit seiner öffentlichen Schelte an Konzernchef Martin Winterkorn für Aufsehen gesorgt. Andere Führungskräfte kritisieren Piëch: Sein Verhalten schade dem Unternehmen. Doch auch Winterkorn hat schon Mitarbeiter öffentlich gescholten, wie ein Video belegt.

Piëch machte seine Kritik vergangene Woche in einem Interview mit dem Nachrichtenmagazin "Spiegel" öffentlich. "Ich bin auf Distanz zu Winterkorn", beschrieb der VW-Aufsichtsratschef darin sein Verhältnis zum Vorstandsvorsitzenden.

DFK fordert Piëchs Rücktritt

Mit seiner öffentlich geäußerten Distanzierung habe Ferdinand Piëch eine Grenze überschritten, kommentiert Ulrich Goldschmidt, Vorstandsvorsitzender des Berufsverbands Die Führungskräfte DFK das Verhalten des Aufsichtsratschefs. "Martin Winterkorn ist ein außergewöhnlich erfolgreicher Manager. Wenn es sachliche Kritikpunkte an seiner Arbeit geben sollte, hätte Piëch diese zunächst intern und zwar im Aufsichtsrat ansprechen müssen", kritisiert Goldschmidt. "Dass er dies nicht getan hat, lässt nur den Schluss zu, dass es nicht um Sachgründe geht. Ferdinand Piëch ist aber erfahren genug um zu wissen, dass seine Äußerung geeignet ist, Martin Winterkorn öffentlich als Vorstandsvorsitzenden zu beschädigen", sagt der DFK-Chef.

Doch nicht nur für Winterkorn, auch für VW sieht Goldschmidt einen möglichen Schaden: "Einen erfolgreichen Top-Manager wie Martin Winterkorn ohne Not nach Gutsherrenart in Frage zu stellen, schadet dem Unternehmen, den Mitarbeitern und den Aktionären", so  Goldschmidt. Um weiteren Schaden  abzuwenden, fordert der Verband, müsse Piëch zurücktreten.

Roßmann: "Das ist ein No-Go"

Auch Dirk Roßmann, Chef der gleichnamigen Drogeriekette, hat sich in die Diskussion eingeschaltet. Er teilt Goldschmidts Einschätzung: "Ich sage: Das ist ein No-Go, das geht gar nicht. Solche Probleme müssen intern besprochen werden, das darf nicht nach außen getragen werden", sagte Roßmann der Nachrichtenagentur DPA.

Er glaube, dass Piëch dies wisse, und es dennoch tue. Doch: "Solche Streitereien in der Öffentlichkeit tun dem Unternehmen nicht gut", warnt Roßmann.

Auch Goldschmidt vermutet, dass Piëch den Weg in die Öffentlichkeit absichtlich gewählt habe: "Die Trennung von Top-Führungskräften über die Presse einzuleiten, hat bei Piëch offenbar System. Winterkorn ist nicht der erste Fall auf Piëchs Liste", so der DFK-Präsident. "Derartige Verhaltensmuster findet man immer wieder bei machtbewussten Menschen, die es nicht ertragen können, wenn der Erfolg eines anderen sie selbst in den Schatten stellt und sie spüren, dass sie nicht mehr allein herrschen können", mutmaßt Goldschmidt über Piëchs Motive.

Piëch hatte bereits den amtierenden Vorstandschef Bernd Pischetsrieder aus dem Amt gedrängt hatte. "Zu spät habe ich erkannt, den Falschen gewählt zu haben", sagte Piëch dazu.

"Da scheppert nix": Auch Winterkorn kritisiert öffentlich

Doch auch Winterkorn kritisiert seine Untergebenen offenbar nicht immer so, wie es im Führungskräftehandbuch steht. Ein Video, das Winterkorn beim Besuch der Automesse IAA im Jahr 2011 zeigt, belegt dies: Er testet darin die Lenkradverstellung des VW-Golf-Konkurrenten von Hyundai. "Da scheppert nix", stellt Winterkorn fest, als er daran rüttelt – offenbar im Gegensatz zum Produkt aus dem eigenen Haus. "Warum kann's der?", fragt er vorwurfsvoll in Richtung seines Designers Klaus Bischoff. "BMW kann's nicht, wir können's nicht."

Während Winterkorn Bischoff kritisiert, sind die beiden VW-ler von einer Menschentraube umgeben, mehrere Handykameras laufen mit. Das Youtube-Video haben bis dato fast zwei Millionen Nutzer angeklickt.

Schlagworte zum Thema:  Führung, Top-Manager, Feedback

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