21.11.2012 | Serie Kolumne E-Learning

Learntec redet Klartext

Serienelemente
E-Learning-Expertin Gudrun Porath
Bild: Haufe Online Redaktion

Was tut sich auf dem E-Learning-Markt? Welche neuen Trends und Angebote gibt es? Unsere E-Learning-Expertin Gudrun Porath beleuchtet in ihrer monatlichen Kolumne das Thema "E-Learning" für Sie. Heute: Die Messe Learntec überrascht mit ihren neuen Themen.

Die Learntec ist im 21. Jahr ihres Bestehens erwachsen geworden. Nie wurde im Vorfeld so viel Klartext geredet: Learntec steht für Lernen, und zwar per se, Altersgruppen und Lernbiografie übergreifend. Es scheint, dass sie sich anschickt, diesen Universalanspruch zu erfüllen.

Die Überraschung auf der kürzlich live online ausgestrahlten Learntec-Pressekonferenz: Professor Peter Henning vom Kongresskomitee erklärte auf den Punkt gebracht sachlich und eindrucksvoll, warum das Lernen am PC Zukunft hat und schon Kinder lernen sollten, mit dem PC, Tablet, Laptop oder sonstigen Endgeräten digitale Netzwerke im Internet zu nutzen. Sonst sind nicht nur sie, sondern wir alle in Zukunft aufgeschmissen.

Denn: Nur im digitalen Netz ist heute die Masse der Informationen zu finden, die wir zu Wissen verarbeiten können und müssen, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Was letzten Endes für nahezu jedes Alter gilt. Mit seinem Vortrag wuchs Henning schier über sich hinaus. Es war das Beste, was mit Ausnahme von ein zwei Artikeln und leider etwas spät aufgegriffen, zum Thema "Digitale Demenz" zu lesen und zu hören war.

Von der digitalen Demenz zur digitalen Relevanz

Aufgebracht hatte es sein Professorenkollege aus Ulm, Manfred Spitzer. Mit seinem Buch „Digitale Demenz. Wie wir uns und unsere Kinder um den Verstand bringen“ hat der im Spätsommer  nicht nur einen Bestseller auf den Markt gebracht, sondern auch viele Menschen verunsichert und – das ist zu hoffen – noch mehr Menschen verärgert.

Von Veränderungen im Gehirn war da die Rede, von durch den PC-Gebrauch verursachte Spielsucht, die Spitzer in Interviews ausführlich als große Gefahr darstellte.

Sein Fazit: Kinder sollten am Besten ganz ohne Computer aufwachsen. Marsch, marsch, zurück in die Steinzeit! Doch wer will da schon wieder hin? Unsere Kinder gewiss nicht. Sie leben längst in einer Zeit die andere Kulturfähigkeiten erfordert, als Federkiele zu schnitzen oder im Butterfass Butter zu schlagen. Im Übrigen unterschätzt Spitzer meiner Ansicht nach ihre Fähigkeit maßlos, den Computer auch wieder Computer sein zu lassen und sich mit anderen Dingen zu beschäftigen, wenn man ihnen den nötigen Auslauf gibt.

Digitale Relevanz wird wichtiges Thema auf der Learntec

Auf der Learntec nun, die bezeichnenderweise den Titel „Zukunft Lernen“ trägt, wird das Thema wieder angegangen. Die digitale Relevanz verteidigt dort leider nicht Peter Henning, sondern die Professoren Gerhard de Haan, Berlin, und Peter Vorderer, Mannheim. Professor Spitzer ist nicht dabei, was schade ist. Vergibt er damit doch die Chance, selbst etwas zu lernen, sich selbst schlau zu machen, wie dieses digitale Lernen aussehen kann. Und dazu noch Mut zu zeigen. Eine Pro und Contra-Diskussion auf offener Bühne hätte man sich gerne angehört. Zumal nicht nur auf der Bühne Experten sitzen, sondern auch das Publikum sicher die ein oder andere kundige Frage gestellt, und wer weiß, auch noch was gelernt hätte. Für meine Begriffe für einen Wissenschaftler allemal eine würdigere Umgebung seine umstrittenen Thesen zu verteidigen, als auf Quote getrimmte Promi-Fernseh-Talkshows.

So ist nur noch zu wünschen, dass es zu den vielfältigen anderen Themen auf der Kongressmesse eben so viel Klartext und Sachlichkeit gibt wie zur digitalen Relevanz.

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Schlagworte zum Thema:  Personalentwicklung, E-Learning, Software

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