| Gesetzesänderung

Können Asylbewerber den Fachkräftemangel ausgleichen?

Für eine Arbeitserlaubnis müssen Asylbewerber einige Hürden überwinden.
Bild: MEV-Verlag, Germany

Bisher können Asylbewerber nach zwölf Monaten eine Arbeitserlaubnis erhalten. Nach einer Grundsatzeinigung der EU-Mitgliedstaaten soll diese Grenze künftig bei neun Monaten liegen. FDP und Grüne geht dies nicht weit genug. Sie wollen mit der Abschaffung der Grenze dem Fachkräftemangel begegnen.

Doch wie viel Potenzial an Fachkräften könnte durch die Lockerung des Gesetzes tatsächlich entstehen? Das Statistische Bundesamt gibt an, dass im Jahr 2010 rund 130.000 Asylbewerber in Deutschland lebten. Nur 3,7 Prozent von ihnen hatten einen Job – jeder Dritte davon in Vollzeit.

Laut der Bundesagentur für Arbeit hat sich die Zahl der genehmigten Beschäftigungen im Vergleich der Jahre 2010 und 2011 zwar mehr als verdoppelt, von 1.020 auf 2.240 Genehmigung. Doch ist dies ein niedriges Niveau.

Die meisten Asylbewerber waren 2011 im Gastronomiebereich tätig (1.021), danach in der Gebäudebetreuung sowie im Garten-und Landschaftsbau (403) und dem Bereich der Dienstleistungen für Unternehmen und Privatpersonen (198). Das Potenzial ist demnach wohl eher im Niedriglohnsektor anzusiedeln.

Gesetzliche Hürde weiter hoch

Hinzu kommt die Hürde, dass die Bundesarbeitsagentur eine Arbeitsgenehmigung erst erteilen kann, wenn die sogenannte "Vorrangprüfung" positiv ausfällt. Dabei wird geprüft, ob nicht deutsche Bewerber für die jeweilige Stelle infrage kommen. Diese Prüfung ist in den ersten vier Jahren des Aufenthalts in Deutschland verpflichtend. Erst wenn dies geklärt und nicht der Fall ist, können Asylbewerber die Stelle annehmen.

Daneben bleibt auch die Residenzpflicht bestehen, nach der Asylbewerber ihren Landkreis nicht ohne Genehmigung der Behörden verlassen dürfen. Auch dies erschwert natürlich die Arbeitsaufnahme.

Weiterer Verlauf der Gesetzgebung

Das Vorhaben, die zeitliche Grenze auf neun Monate zu reduzieren, muss noch vom EU-Parlament gebilligt werden. Laut der "Tagesschau" ist nicht damit zu rechnen, dass die Regelung bis zum Ende der schwarz-gelben Legislaturperiode im Herbst 2013 in Gesetzesform gegossen wird.

Schlagworte zum Thema:  Fachkräftemangel, Asylbewerber, Arbeitserlaubnis, Talent Management

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