0

| Kienbaum Jahrestagung 2014

Walter Jochmann: "Klares Verbesserungspotenzial in HR"

Walter Jochmann wird in seiner Keynote bei der Kienbaum Jahrestagung die Herausforderungen für HR aufzeigen.
Bild: Haufe Online Redaktion

Dr. Walter Jochmann ist bekannt für seine "Rede zur Lage der Nation", wie seine Keynote auf der jährlichen Kienbaum Jahrestagung unter Insidern genannt wird. Er wird sie am 22. Mai in Ehreshoven halten. Vorab verrät er schon einige seiner Thesen zu bitter nötigen Veränderungen im HR-Bereich.

Haufe Online-Redaktion: Die jährliche Kienbaum-Jahrestagung ist immer ein Anlass dafür, Bilanz zu ziehen: Wie steht es Ihres Erachtens derzeit um die Relevanz von HR-Themen und auch um die Relevanz der HR-Funktion selbst in den Unternehmen?

Dr. Walter Jochmann: Die HR-Themen sind klar auf dem Vormarsch. Sie dominieren mit den Teilthemen Demografie, Diversity, Talent-Pipelines, Arbeitgeberattraktivität, Vergütungshöhen und -gerechtigkeit, Belegschaftszufriedenheit sowie Besetzungsqualität von Schlüsselfunktionen und neue Arbeitsformen. Damit gehört Talent zu den drei wichtigsten CEO-Themen. Aufsichtsratsvorsitzende führen 50 Prozent ihrer Diskussionen und Entscheidungen mit höchster HR-Relevanz: Vergütung und Besetzung der Vorstände und des Aufsichtsrats, Compliance-Kultur, Aufsichtsrats-Qualifizierung – die Relevanz der HR-Funktion streut sehr und stagniert in der Durchschnittsbewertung.

Haufe Online-Redaktion: Wie konkret gelingt es den Personalabteilungen inzwischen den Unternehmenserfolg mitzugestalten und mitzusteuern?

Jochmann: Dort gibt es klares Verbesserungspotenzial – Anspruch und Wirklichkeit aus Top-Management-Sicht klaffen noch auseinander. Die personalwirtschaftlichen Wirkungshebel für die wesentlichen Kennzahlen von Unternehmenserfolg müssen hierzu klarer herausgestellt und positiv gestaltet werden. Zudem sollten die Management-Erwartungen angesichts der Geschäftsplanung und in den wirklich wichtigen Unternehmensprojekten präzise ermittelt, dokumentiert und umgesetzt werden.

Haufe Online-Redaktion: HR steht laut einigen Studien – darunter auch die Kienbaum-Studie „HR-4-HR“ – immer noch in keinem guten Ruf in den Unternehmen …

Jochmann: Die Erwartungen an die HR-Servicerolle wird weitgehend erfüllt, die als kompetenter Business Partner häufig noch nicht. Darüber hinaus ist die Expertenrolle in den Competence Centers teilweise zu abgehoben – mit komplizierten, weniger vernetzten und zu wenig im Geschäft verankerten Modellen, Prozessen und Instrumenten. Wenn die strategischen oder operativen HR-Business-Partner im Wesentlichen den internen Kundenkontakt managen, stehen sie natürlich als Markenbildner für HR im Fokus. Sie brauchen demzufolge hohe Geschäftskenntnis, persönliche Wirkung und Akzeptanz sowie ein starkes Tool-Wissen zum General Management.

Haufe Online-Redaktion: Wie muss sich HR nun weiterentwickeln? Inwiefern gibt es zentrale HR-Instrumente, deren Weiterentwicklung für eine größere strategische Einbindung von HR in den Unternehmen führen könnte?

Jochmann: Die Weiterentwicklung der HR-Funktion hängt in erster Linie von deren Schlüsselfunktionen und Besetzungsqualität ab. Danach folgen die Konzepte und Instrumente, die Aufbauorganisation und Effizienz-Ratios. Wichtig ist aber ein klarer Bauplan mit einem wirksamen Rollenmodell in den Lieferstufen Corporate oder Zentralfunktion, Geschäftsbereich oder Tochterunternehmen und Region oder Land sowie einem klaren Steuerungs- und Governance-Modell mit HR-Leitlinien und Vetorechten. Neue HR-Instrumente sollten in der Mehrzahl mit den anderen Unternehmensfunktionen IT, Strategie, Finanzen und Kommunikation sowie mit absolutem Geschäftsfokus entwickelt werden. Beispiele sind hier die strategische Kompetenzplanung von Geschäftsbereichen, ein wirksames Transformations- und Change-Modell, pragmatische Formen der strategischen Personalplanung und vernetzte sowie vereinfachte HR-Applikationen auf modernen IT-Tools für die Führungskräfte.

Das Interview führte Kristina Enderle da Silva, Redaktion Personal.

Dr. Walter Jochmann war lange Jahre Vorsitzender der Geschäftsführung der Kienbaum Management Consultants GmbH und führte das strategische Geschäftsfeld Human Resource Management. Zum 1. Januar hat er die Geschäftsführung des Kienbaum-Instituts für Leadership und Transformation übernommen.

Weitere Informationen zur Kienbaum Jahrestagung und eine Möglichkeit zur Anmeldung finden Sie hier: http://ehreshoven.kienbaum.de. Das Programm können Sie hier als PDF-Datei herunterladen.

Haufe Online Redaktion

Veranstaltung, Tagung

Aktuell

Meistgelesen