19.08.2011 | HR-Management

Kaum Ausländer in den Chefetagen deutscher Unternehmen

Nur sechs Prozent der Führungskräfte in deutschen Unternehmen kommen aus dem Ausland. Gründe seien nicht nur eine mangelnde strategische Ausrichtung der Personalpolitik, sondern vor allem auch zu wenig Maßnahmen zur kulturellen Integration der ausländischen High Potentials, belegt eine aktuelle Allensbach-Studie.

Bei großen Unternehmen mit mehr als 1.000 Mitarbeitern sind es heute fast zehn Prozent. Bei kleineren Unternehmen liegt die Quote von ausländischen Führungskräften lediglich zwischen drei und fünf Prozent. Das hat eine aktuelle repräsentative Befragung des Instituts für Demoskopie Allensbach von 501 deutschen Unternehmen im Auftrag der Personalberatung Penning Consulting ergeben.

 

Mangelnde strategische Ausrichtung der Personalentwicklung

Dies hängt mit der mangelnden strategischen Ausrichtung der Personalpolitik in vielen Unternehmen zusammen. So verfügen heute noch immer fast ein Drittel der deutschen Firmen über kein klar definiertes strategisches Personalentwicklungskonzept. "Viel zu wenige adressieren auch die ausländischen Bewerbermärkte, um die Qualität und Quantität des Kandidatenpools zu steigern", so Personalexperte Stephan Penning, Gründer und Geschäftsführer des gleichnamigen Beratungsunternehmens.

 

Zu wenig Einarbeitungsprogramme zur kulturellen Integration

Zwar bieten ausnahmslos alle Unternehmen Schulungen an, klar strukturierte Einarbeitungs- und Trainingsprogramme sind aber vor allem im Mittelstand noch nicht flächendeckend vorhanden. Jedes fünfte Unternehmen hat noch kein solches Programm aufgelegt. Pragmatische Einarbeitungsprogramme, vor allem auch zur kulturellen Integration neuer Mitarbeiter, gäbe es deutlich noch viel zu wenige, so Penning.

 

Job-Rotation hilft Ausländern ein Netzwerk zu bilden

Auch im weiteren Karriereverlauf zeigen sich die Unternehmen unflexibel: Nur 37 Prozent der Unternehmen bieten ihren Mitarbeitern eine Job-Rotation an, um unterschiedliche Bereiche ihres Unternehmens kennen zu lernen. Gerade für ausländische Mitarbeiter sei es aber sinnvoll, viele verschiedene Unternehmensbereiche kennen zu lernen, um zu erfahren, wie ein Unternehmen letztlich ticke. So könnten sie sich ein Netzwerk aufbauen, das sie aufgrund ihrer Herkunft nicht unmittelbar mitbringen, gibt Penning zu bedenken.

 

Integration der Familien lässt zu wünschen übrig

Die Integration in eine neue Gesellschaft bedeutet vor allem für qualifizierte Mitarbeiter und damit potenzielle Fach- und Führungskräfte auch die Integration der Familie. "Auch in diesem Fall haben deutsche Unternehmen ausländischen High Potentials noch immer wenig zu bieten", sagt Penning. Ein Viertel der deutschen Unternehmen bietet Jobangebote für den Partner sowie betriebliche Kinderbetreuung an. Bei kleinen Unternehmen mit weniger als 250 Mitarbeitern ist dies aber noch viel seltener ausgeprägt: Nur sieben Prozent der Mittelständler haben eine betriebliche Kinderbetreuung eingerichtet.

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