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Haben weibliche Ingenieure keine Lust zum Führen?

Rund 30 Prozent der jungen Ingenieurinnen und IT-Wissenschaftlerinnen lehnen laut Studie eine Führungsrolle ab.
Bild: MEV Verlag GmbH, Germany

Längst nicht jede junge Ingenieurin und IT-Wissenschaftlerin wünscht sich eine Führungsposition. Das ist bei Studentinnen der entsprechenden Fächer noch ganz anders, wie eine Studie zeigt. Vergeht den jungen Frauen etwa bereits nach kurzer Arbeitszeit im Unternehmen die Lust aufs Führen?

Nur jede sechste Frau in den Bereichen Ingenieurwesen und IT-Wissenschaften hat Personalverantwortung, und nur 7,4 Prozent  verantworten ein Budget. Das zeigt eine Analyse des Forschungsinstituts Trendence, die auf Ergebnissen der Trendence-Barometerstudien und ergänzender Sonderstudien beruht. Die Marktforscher befragten dafür 50.000 Schüler, Studenten und Young Professionals in Deutschland, davon über 24.000 Studenten und Young Professionals mit IT- oder Ingenieursstudium sowie Schülerinnen und Schüler, die sich für einen technischen Beruf interessieren.

Woran liegt das? Warum haben es die jungen Frauen schwer, sich in immer noch männerdominierten Branchen durchzusetzen? Die Studienergebnisse legen nahe, dass der geringe Frauenanteil in Führungsposition bei Ingenieuren und IT-Wissenschaftler nicht allein daher rührt, dass die weiblichen Young Professionals nicht führen können, sondern auch nicht führen wollen: 28 Prozent von ihnen lehnen nämlich eine Führungsposition kategorisch ab.

Prozentzahl männlicher Führungsmuffel bleibt stabil

Der Vergleich mit der Einschätzung der befragten Studentinnen zeigt: Offenbar verlieren die Arbeitnehmerinnen erst nach einiger Zeit im Unternehmen die Lust zu führen. Denn an der Uni lehnen nur 15 Prozent der Teilnehmerinnen von vorneherein ab, einmal eine Führungsposition zu übernehmen. Bei den männlichen Kommilitonen sprechen sich nur neun Prozent gegen eine spätere Führungsverantwortung aus. Der Unterschied: Dieser Prozentsatz bleibt mit dem Eintritt ins Berufsleben stabil – während sich die Anzahl der führungsunwilligen Frauen fast verdoppelt.

"Junge Frauen finden bei ihren Arbeitgebern nicht immer die Arbeitsbedingungen vor, die sie sich wünschen", so erklärt Trendence-Geschäftsführer Holger Koch das Ergebnis. "Sie sind vor allem mit der Work-Life-Balance unzufrieden. Und das bedeutet für Frauen neben flexiblen Arbeitszeiten auch eine familienfreundliche Kultur, die es ihnen ermöglicht, Führungs- und Familienaufgaben in gleichem Maße wahrzunehmen."

"Frauen wären nach eigener Definition hervorragende Chefs"

Einig sind sich männliche und weibliche Absolventen bezüglich der Frage, welche Eigenschaften ihre eigene Führungskraft haben sollte: Sie sollte Mitarbeiter motivieren können sowie eine hohe fachliche und soziale Kompetenz mitbringen. Dabei ist die soziale Kompetenz den Frauen allerdings wichtiger als den Männern (81 Prozent versus 74 Prozent).

Sich selbst halten die weiblichen Befragten mehrheitlich für sehr sozialkompetent (81 Prozent). Bei den befragten Männern glauben ebenfalls die meisten (73 Prozent), über eine hohe Sozialkompetenz zu verfügen. "Frauen wären nach eigener Definition hervorragende Chefs", resümiert Koch. "Umso wichtiger ist es für Arbeitgeber in technischen Branchen, mehr Frauen zu rekrutieren, ihr Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten zu stärken und sie mit den passenden Rahmenbedingungen für Führungspositionen zu begeistern."

Schlagworte zum Thema:  Karriere, Entwicklung, Führung

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