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| Karriereentwicklung

Die Mächtigen netzwerken hemmungsloser

Erst netzwerken, dann waschen: Viele Beschäftigte fühlen sich beim Networking schmutzig, zeigt eine Studie.
Bild: Haufe Online Redaktion

Was die Karriere fördert, führt offenbar nicht immer zu einem positiven Selbstbild: Viele Beschäftigte berichten in einer US-Studie, dass sie sich beim Netzwerken schmutzig fühlen. Dies gilt jedoch nicht für alle Hierarchiestufen gleichermaßen – wer Macht hat, netzwerkt demnach leichter.

Netzwerker gewinnen – davon sind viele Personaler und Führungskräfte überzeugt. Denn diese Art der Beziehungspflege ist nicht nur ein beliebtes Mittel die eigene Karriere voranzutreiben. Personalverantwortliche nutzen ihr Netzwerk auch gerne, um geeignete Kandidaten für Vakanzen zu finden oder etwa auch die Marke des Unternehmens nach außen zu stärken.

Obgleich Netzwerken im Geschäftsumfeld an der Tagesordnung ist, ist das Phänomen bisher wissenschaftlich noch wenig erforscht. Das wollten nun Wissenschaftler von der kanadischen Rotman School of Management der Universität Toronto zusammen mit ihren US-Kollegen von der Harvard Business School und der Kellogg School of Management von der Northwestern University ändern. Sie führten eine Studie durch, die sich auf mehrere Laborexperimente und eine Untersuchung in einer großen nordamerikanischen Kanzlei stützt, wie die University of Toronto auf ihrer Webseite berichtet. Die Ergebnisse wollen die Forscher in der kommenden Ausgabe der Fachzeitschrift "Administrative Science Quarterly" veröffentlichen.

Dank Networking können Machtstrukturen schwerer durchbrochen werden

Den Wissenschaftlern gegenüber gaben viele Studienteilnehmer an, sich beim Netzwerken im geschäftlichen Umfeld "moralisch unrein und physisch schmutzig" zu fühlen. Sie hätten das Gefühl, dass sie ihr Verhalten sich selbst gegenüber nicht rechtfertigen könnten, kommentiert Professor Tiziana Casciaro, die an der Rotman School Organisationsverhalten lehrt und zu Netzwerken und Organisationen forscht, die Ergebnisse. Die Schwierigkeit beim Rechtfertigen rührt der Theorie der Wissenschaftler zufolge vor allem daher, dass die Netzwerker das Interesse am Netzwerkpartner auf der einen und ihre eigenen, egoistischen Interessen auf der anderen Seite unter einen Hut bringen müssten.  

Die Wissenschaftler stellten dabei auf den verschiedenen Machtebenen im Unternehmen einen Wahrnehmungsunterschied fest. Die Mächtigen berichteten nämlich weniger häufig davon, sich nach dem Netzwerken schmutzig zu fühlen, und betrieben es auch häufiger. Dass die Mächtigen sich beim Netzwerken wohler fühlten und ihre Machtposition dadurch weiter stärken und ausbauen könnten, könne dazu führen, dass existierende Machtstrukturen schwerer durchbrochen werden können, vermuten die Forscher.

Im Gegensatz dazu, so die Wissenschaftler, fühlten sich die weniger mächtigen Mitarbeiter beim Netzwerken unwohler. "Dies kann Menschen davon abhalten mehr zu netzwerken, womit sich ihre Karrierechancen verringern und ihre Arbeitsleistung beeinträchtigt wird", sagt Co-Autorin Casciaro.

Wer Hemmungen hat, sollte den Mehrwert für den Netzwerkpartner erkennen

Was können Mitarbeiter also tun, wenn sie Hemmungen beim Netzwerken haben? Dafür müssten die Mitarbeiter begreifen, dass es beim Netzwerken nicht nur um sie selbst geht – sondern, dass auch sie die Möglichkeit hätten, dem Netzwerkpartner und darüber hinaus auch dessen Netzwerk Wissen über die eigene Branche weiterzugeben, erläutert Casciaro.

Würden die Netzwerker einsehen, dass auch sie etwas zu bieten hätten, könne zudem der wechselseitige Nutzen des Netzwerkens mehr im Vordergrund stehen. "Unterschätzen Sie nicht, was sie geben können", lautet Casciaros Rat an all jene, die ihre Networking-Fähigkeiten ausbauen möchten.

Haufe Online Redaktion

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