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Mit dem MBA zu neuen Ufern

Eine Mehrheit der MBA-Absolventen wechselt nach dem Studium das Tätigkeitsfeld, stellt eine aktuelle Untersuchung fest.
Bild: Corbis

Von einem MBA erwarten sich viele neue berufliche Möglichkeiten. Diesem Anspruch scheint der Business-School-Abschluss gerecht zu werden, wie eine Auswertung des Informationsportals "Transparent MBA" zeigt: Ein Großteil der Absolventen wendet sich nach dem Studium neuen Aufgaben zu.

Ein MBA gilt als Karrieresprungbrett, schließlich soll das Studium an einer Business School in der Regel auf anspruchsvolle Führungsaufgaben vorbereiten. Dass der Abschluss den Karriereverlauf jedenfalls in Sachen Jobmobilität beeinflussen kann, geht aus Daten der Informationsplattform "Transparent MBA" hervor. Der Datensatz, der für das MBA-Nachrichtenportal „Poets and Quants" ausgewertet wurde, umfasst Angaben von mehr als 1.100 Business-School-Absolventen mit Vollzeit-MBA-Studium.

Die Mehrheit der MBA-Absolventen wechselt die Funktion

Laut der Untersuchung von "Transparent MBA" gaben 87 Prozent der Business-School-Absolventen an, kurz vor und direkt im Anschluss an ihr MBA-Studium entweder das Tätigkeitsfeld (78 Prozent) oder die Branche (77 Prozent) gewechselt zu haben. Annähernd 69 Prozent wechselten sowohl die berufliche Funktion als auch die Branche.

Der Großteil der im Datensatz berücksichtigten Absolventen ist demnach in eine besser bezahlte Position aufgerückt: So gaben 82 Prozent der Business-School-Absolventen an, das MBA-Vollzeit-Studium habe sich in einem höheren Verdienst niedergeschlagen. Mehr als die Hälfte (58 Prozent) berichtet zudem davon, seit dem Studium zufriedener im Job zu sein.

Jobmobilität als Motivation für den MBA?

Ob der berufliche Tapetenwechsel ein wesentlicher Motivationsfaktor ist, überhaupt ein MBA-Studium aufzunehmen, hat "Poets and Quants" Maeve Richard vom Career Management Center an der Stanford Graduate School of Business gefragt. Die Studienberaterin bejaht dies und beruft sich dabei auf die Ergebnisse einer informellen Meinungsumfrage unter den Studenten: So hätten knapp 80 Prozent von ihnen großes Interesse daran, neue berufliche Möglichkeiten zu erschließen. "Die MBA-Kandidaten haben in der Regel schon etwa vier Jahre Berufserfahrung", sagt Richards. "Den Wert des Studiums sieht der Großteil darin, sich beruflich neu aufstellen zu können."

MBA als Mittel der Mitarbeiterbindung

Die Tatsache, dass ein Großteil der MBA-Absolventen nach ihrem Studium die Funktion wechselt, legt nahe, dass das Studium diese Hoffnung in den meisten Fällen zwar tatsächlich erfüllt. Ein Wermutstropfen für Personalverantworliche dürfte aber sein, dass bei den Absolventen auch Branchenwechsel sehr häufig vorkommen – also kehren wohl viele Mitarbeiter nach ihrem Studienabschluss ihrem alten Arbeitgeber, der das MBA-Studium unter Umständen sogar finanziert hat, den Rücken.

Dies kann Professor Jürgen Weigand, Leiter der WHU – Otto Beisheim School of Management in Düsseldorf, bestätigen: Natürlich sei es möglich, dass Mitarbeiter das MBA-Studium nutzen, um sich neu zu orientieren, sagt der Professor im "Personalmagazin". Aber das lasse sich letztlich nie verhindern. HR müsse sich eher fragen, ob es eine gute Karriereplanung gibt und ob weiterbildungswillige Mitarbeiter wertgeschätzt werden. "HR sollte lieber eine proaktive Strategie verfolgen und Mitarbeiter mit MBA-Ambitionen auffordern, das gemeinsam zu besprechen, anstatt
Barrieren aufzubauen", empfiehlt Weigand. (Den kompletten Beitrag "Am Chef vorbei studiert" von Journalistin und MBA-Expertin Bärbel Schwertfeger lesen die in Ausgabe 10/2016 des "Personalmagazins". Hier können Sie die Ausgabe als App herunterladen.)

Beherzigen Personalverantwortliche diese Empfehlungen, kann ein MBA-Studium also auch ein probates Mittel zur Mitarbeiterbindung sein.

Schlagworte zum Thema:  MBA, Business School, Führungskräfteentwicklung, Karriere, Berufliche Weiterbildung

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