| Jobsicherheit

Mehr unbefristete Verträge – nicht für junge Arbeitnehmer

Nur noch acht Prozent der deutschen Arbeitnehmer haben einen Vertrag, dessen Tage gezählt sind.
Bild: MEV Verlag GmbH, Germany

Die gute wirtschaftliche Lage wirkt sich offenbar auf die Beschäftigungsformen aus: Der Anteil der befristeten Verträge ist Zahlen des Statistischen Bundesamts zufolge in den vergangenen Jahren zurückgegangen. Weiterhin weniger Jobsicherheit herrscht jedoch unter jungen Arbeitnehmern.

Dieser Tage machte der Fall eines Mitarbeiters der Universität Gießen Schlagzeilen, der nach 16 befristeten Verträgen in 13 Jahren gegen seinen Arbeitgeber klagte – und verlor. Mit seiner Historie befristeter Verträge steht der Mathematiker nicht alleine da: Weit verbreitet sind solche Arbeitsverträge nicht nur an Universitäten und wissenschaftlichen Instituten, sondern auch in der Gastronomie sowie im Gesundheits- und Sozialbereich, wie aktuelle Daten des Statistischen Bundesamtes bestätigen.

Über alle Branchen hinweg konnten die Statistiker jedoch eine positive Entwicklung in Hinblick auf die Jobsicherheit der deutschen Angestellten feststellen: Der Anteil der befristeten Arbeitsverhältnisse in Deutschland ist demnach in den vergangenen vier Jahren wieder gesunken. So war im vergangenen Jahr nur noch jeder zwölfte Arbeitnehmer ab 25 Jahren auf Zeit beschäftigt.

Jobsicherheit: Hoher Beschäftigungsstand macht’s möglich

Der Anteil der befristet Beschäftigten sei damit seit 2011 von 8,9 Prozent auf 8,1 Prozent zurückgegangen. Im europäischen Vergleich liegt Deutschland damit leicht unter dem Durchschnitt von 8,2 Prozent.

Grund für den Rückgang ist nach den Worten von Karl Brenke, Arbeitsmarktexperte des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung, der hohe Beschäftigungsstand am deutschen Arbeitsmarkt. 2014 waren 42,6 Millionen Menschen erwerbstätig, so viele wie nie zuvor. "Die Verhandlungsposition der Arbeitnehmer ist dadurch besser geworden", sagte Brenke der "Süddeutschen Zeitung".

Befristungen bei jungen Arbeitnehmern doppelt so häufig

Unverändert ist allerdings, dass Verträge auf Zeit vor allem jüngere Menschen treffen. Mit 17,2 Prozent war der Anteil bei den 25- bis 34-Jährigen mehr als doppelt so hoch wie der Schnitt über alle Altersgruppen hinweg. Arbeitnehmer im Alter unter 25 Jahren sowie Auszubildende werden in der Statistik nicht berücksichtigt.

"Befristete Angebote treffen damit vor allem die Menschen, die sich gerade in der Familiengründung befinden", sagte Karin Schulze Buschoff vom Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Institut der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler Stiftung. Der Berufseinstieg gestalte sich damit häufig schwierig.

Schwieriger Berufseinstieg – oder niedrige Einstiegshürde?

Das hatte auch Ende vergangenen Jahres der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) auf Basis einer eigenen Erhebung bemängelt: Demnach hat rund jeder Fünfte der Unter-30-Jährigen nur eine befristete Anstellung, was sich negativ auf die Arbeitszufriedenheit auswirke.

Die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) setzte den Argumenten des DGB damals entgegen, dass flexible Beschäftigungsformen Einstiegshürden senkten und längerfristige Beschäftigungsperspektiven böten. Fast drei Viertel der zunächst befristet Beschäftigten erhielten in ihrem Betrieb eine Anschlussbeschäftigung, zudem sei der Anteil der Übernahmen in ein unbefristetes Arbeitsverhältnis in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen.

Schlagworte zum Thema:  Befristung, Arbeitszufriedenheit

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