01.03.2012 | HR-Management

Interview: Wie Sie Freelancer ans Unternehmen binden

IBM plant, die Stammbelegschaft zu verkleinern und vor allem mit Freelancern zu arbeiten. Durchaus ein gangbarer Weg - nur, wie können Unternehmen die Freelancer, die oft über unternehmensspezifisches Wissen verfügen, an sich binden? Diese Frage hat Professor Stephan Kaiser untersucht. Im Interview zeigt er die Antwort auf.

Haufe Online-Redaktion: Sie haben sich in einer Studie mit der Bindung von Freelancern an ihre Auftraggeber beschäftigt. Wie hoch ist danach die Bindung von Freelancern an Unternehmen?

Prof. Dr. Stephan Kaiser: Die Bindung von Freelancern an das Unternehmen variiert sehr stark und ist abhängig vom Arbeitsgebiet und vom Geschäftsmodell des Freelancers. Überraschenderweise versuchen viele erfolgreiche Unternehmen ihre hochqualifizierten Freelancer langfristig einzusetzen, d.h. in mehrmonatigen bis einjährigen Projekten und zusätzlichen Nachfolgeprojekten.

 

Haufe Online-Redaktion: Wie kann man Freelancer stärker an das Unternehmen binden beziehungsweise ihr Commitment steigern?

Kaiser: Das Commitment der Freelancer zur jeweiligen Aufgabe oder zum anstehenden Projekt ist typischerweise bereits hoch. Die Bindung an das Unternehmen ist jedoch nicht selbstverständlich. Prinzipiell bieten sich hierfür drei Möglichkeiten, die jedoch spezifisch auf die Situation des Freelancers angepasst werden müssen: Vorteile bieten, Emotionen aufbauen, Verpflichtungen erzeugen.

 

Haufe Online-Redaktion: Warum ist die Bindung überhaupt so notwendig? Sollte man alle hochqualifizierten Freelancer an sich binden?

Kaiser: Bindung von Freelancern ist immer dann notwendig, wenn sich diese unternehmensspezifisches Wissen angeeignet haben und in Kernbereichen des Unternehmens eingesetzt werden. In der heutigen dynamischen Arbeitswelt ist dies häufiger der Fall, als man zunächst vermuten würde. Trotzdem sind nicht alle Freelancer um jeden Preis zu binden, sondern von Zeit zu Zeit sind gerade die langfristigen Beziehungen zu beenden, um neues Wissen in das Unternehmen zu holen.

 

Haufe Online-Redaktion: Die Einstellung von Freelancern liegt häufig in der Verantwortung des Einkaufs.  Die angesprochenen Bindungsmaßnahmen sind aber durchaus Personalthema. Wie lässt sich dieses Dilemma lösen?

Kaiser: Zunächst ist es wichtig zu verstehen, dass nicht nur die Bindung von Freelancern typische Fragestellungen und Kompetenzen des Personalmanagements betrifft. So sehr die Zurückhaltung der Personalmanager beim Thema "Management von Freelancern" aufgrund rechtlicher und mikropolitischer Restriktionen auch verständlich sein mag, so notwendig wären mutige Schritte innovativer und zukunftsorientierter Personalmanager, die den Trend zum "Cloud Working" vorhersehen. Als solche fühlten sie sich ganzheitlich verantwortlich für alle humanen Leistungspotentiale eines Unternehmens.

 

Prof. Dr. Stephan Kaiser
ist Professor für Personalmanagement und Organisation am Institut für Entwicklung zukunftsfähiger Organisationen der Universität der Bundeswehr München.

Stephan Kaiser hat zusammen mit Prof. Dr. Stefan Süß, Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, die Studienergebnisse in einem ausführlichen Artikel in der "Personal Quarterly" veröffentlicht.

www.personalquarterly.de

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