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Interview: Quoten sind im Executive Search nichts Neues

Die Frauenquote hat die Gemüter vieler Personaler erhitzt. Doch im Executive Search sind Quoten der Normalfall - und das nicht nur für Frauen. Brigitte Lammers, Personalberaterin bei Egon Zehnder International in Berlin, gibt Einblick in ihre Branche.

personalmagazin: Sind Frauen inzwischen allgemein in den Unternehmen präsenter?

Brigitte Lammers: Ich sehe das im Kontext einer insgesamt stärker werdenden Präsenz von Frauen in Unternehmen. Egal, wohin man in diesen Tagen schaut: Frauen sind in Unternehmensfeldern sichtbarer geworden. Das kommt auch im Suchprozess zum Ausdruck, der heute sehr viel breiter angelegt ist. Das erklärte Ziel vieler Unternehmen, eine Kultur aufzubauen, die auf echte Vielfalt zielt, impliziert auch, eine signifikante Anzahl von Frauen zu gewinnen.

 

personalmagazin: Aber der Anteil an Frauen, die an der Spitze von Unternehmen stehen, bleibt gering.

Lammers: Das wäre mir zu pauschal. Bei Besetzungen von Aufsichtsräten sind Frauen momentan sogar in der Überzahl. In der Managementlandschaft insgesamt gilt es zu differenzieren: In Bereichen wie Human Resources, Marketing oder Kommunikation, in denen Frauen traditionell stark vertreten sind, werden heute schon viele Spitzenpositionen von Frauen bekleidet - Tendenz steigend. In anderen Managementfunktionen ist der Pool qualifizierter Kandidatinnen dagegen eher gering, sodass sie auch weniger häufig in Spitzenpositionen zu finden sind.

 

personalmagazin: Wie schwierig ist es überhaupt, Frauen zu finden, die bereit sind, eine Top-Position zu übernehmen?

Lammers: Die gute Nachricht ist: Man findet solche Frauen. Und man findet sie immer häufiger. Allerdings sind Frauen nach wie vor weniger wechselwillig. Sie zeichnet eine höhere Loyalität gegen­über ihrem Arbeitgeber aus und sie bleiben in ihrer Position, in der Hoffnung, dass ihre Leistungen entsprechend honoriert werden. Männer ziehen früher die Reißleine, wenn sie das Gefühl haben, dass ihre Karriere nicht vorankommt. Außerdem entscheiden sich Frauen mit kleinen Kindern häufig bewusst gegen eine neue berufliche Herausforderung, wenn sie dafür pendeln müssen. Damit schränkt sich der Pool potenzieller Kandidatinnen nochmals ein. Je mehr Paare die berufliche Entwicklung als gemeinschaftliche Aufgabe begreifen, desto erfolgreicher können wir Frauen wie Männern neue berufliche Perspektiven aufzeigen, die für sie gemeinschaftlich machbar sind.

 

personalmagazin: Welche Auswirkungen für Ihre Arbeit haben die Frauenquoten mancher Unternehmen?

Lammers: Diese Vorgaben von Unternehmen sind nichts Neues. Insbesondere in global aufgestellten Konzernen besteht seit langer Zeit eine Verpflichtung zu Diversity. In der öffentlichen Diskussion wird das oftmals auf das Thema Frauen reduziert. Davon abgesehen, beziehen wir Frauen natürlich immer dann ein, wenn sie aufgrund ihrer Qualifikation und Kompetenz zu einem Suchprofil passen - und zwar jenseits solcher Vorgaben.

 

Das Interview führte Daniela Furkel.

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