22.08.2011 | HR-Management

Interview: Konsequenzen aus Mitarbeiterumfragen ableiten

Die Deutsche Bahn hat derzeit mit schlechten Werten in ihrer Mitarbeiterumfrage zu kämpfen. Laut der Deutschen Presse-Agentur sollen 70 Prozent der Bahn-Mitarbeiter von ihrer Arbeit frustriert sein. Wie sollte ein Unternehmen auf solche Ergebnisse reagieren? Wir haben bei Dietmar Freiburg, Experte für Mitarbeiterumfragen, nachgefragt.

Haufe Online-Redaktion: Viele Unternehmen nutzen Mitarbeiterbefragungen, um herauszufinden, wie die Stimmung im Unternehmen ist. Nicht nur die Deutsche Bahn erhält dabei auch einmal negative Rückmeldungen. Wie sollten Personaler reagieren, wenn die Ergebnisse ähnlich schlecht ausfallen?

Dietmar Freiburg: Befragungsergebnisse sind immer auch ein Spiegel der Organisation und der gelebten Unternehmens- und Führungskultur. Schlechte Ergebnisse sind in der Regel nicht überraschend. Der falsche Ansatz wäre in jedem Fall Aktionismus, um an den direkt erkennbaren Symptomen zu arbeiten. Mehr Aufwand für Kommunikationsmaßnahmen, um zum Beispiel Strukturen und Prozesse den Mitarbeitern näherzubringen, ist eher kontraproduktiv und verstärkt unter Umständen die kritische Einstellung.

 

Haufe Online-Redaktion: Was kann man also besser tun?

Freiburg: Ansetzten muss man dort, wo etwas bewegt werden kann, und das ist Führung. Sowohl Führung von oben als auch - und das ist entscheidend - Führung von unten. Anzuraten ist hier, dass alle Führungsebenen die Ergebnisse reflektieren.

 

Haufe Online-Redaktion: Welche Rolle übernehmen hier Personaler?

Freiburg: Die HR-Verantwortlichen sind gefragt, Antworten auf Fragen zur herrschenden Führungskultur zu geben. Sind die Führungskräfte durchgängig befähigt und befugt, notwendige Entscheidungen in ihrem Arbeitsumfeld zu treffen, diese zu begründen und zu motivieren, diese auch nach oben standhaft zu vertreten? Dieses komplexe Thema kann nicht über Verordnung oder per Erlass wirkungsvoll in die richtige Richtung entwickelt werden. Hier bedarf es kompetenter, konsequenter und kontinuierlicher Unterstützung durch geeignete Programme und Maßnahmen.

 

Haufe Online-Redaktion: Welche Maßnahmen sind danach die Richtigen?

Freiburg: Unstrittig ist unter Fachleuten, dass es nicht die einzig beste Vorgehensweise im Umgang mit Ergebnissen aus Mitarbeiterbefragungen gibt. Vor dem Hintergrund unternehmensspezifischer Ergebnisse muss die wirkungsvollste Methode oder der beste Methodenmix gefunden werden. In der Konsequenz des bereits gesagten wäre die Konzentration auf die Entwicklung der Führungskultur vermutlich am wirkungsvollsten. Stichworte wie Führungszirkel, lernenden Organisation, Kundenbeirat, Fehlerkultur und Vertrauenskultur zeigen eine Richtung auf.

 

Haufe Online-Redaktion: Was ist ein realistischer Zeitraum, in dem sich die Umfragewerte bessern können?

Freiburg: Entscheidend ist, dass sich das Top-Management dem Thema annimmt. Je konsequenter und sichtbarer sich das Top-Management dafür einsetzt, umso schneller können Veränderungen der Unternehmens- oder Führungskultur spürbar werden. Wir sprechen hier über Zeiträume von mehreren Jahren.

 

Dietmar Freiburg
ist Leiter von Trustmark Deutschland.

 

Das Interview führte Kristina Enderle.

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