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Interview: Der Google-Personalchef gewährt Einblick in seine Arbeit

Google gilt als Vorbild im Personalmanagement. Doch das Management gewährt selten Einblick in ihre Strategien. Der Senior Vice President HR des Unternehmens, Laszlo Bock, hat nun eine Ausnahme gemacht und steht im Interview Rede und Antwort zu den Zielen seiner Personalarbeit und zu der Art und Weise, wie Google motiviert und Mitarbeiter hält.

personalmagazin: Wenn man von der Personalpolitik bei Google spricht, denken viele an kostenloses Essen und herumtollende Hunde in den Büros. Was ist der Zweck dieser Annehmlichkeiten?

Laszlo Bock: Zwei Gedanken: All diese Dinge - nicht nur der Kaffee, die Hunde und andere Annehmlichkeiten wie Massagen, sondern alle unsere Sozialleistungen und Zusatzangebote - verfolgen drei Ziele. Ziel Nummer eins ist es, eine Community zu schaffen. Wenn man durch das Büro geht, kommt man auf allen Etagen immer wieder an kleinen Teeküchen vorbei. Der Grund für diese Küchen ist nicht, dass wir fürchten, unsere Mitarbeiter könnten verhungern, wenn sie ein paar Stunden nichts zu essen bekommen, sondern dass wir glauben, dass es wichtig ist, informelle Treffpunkte zu haben, wo die Mitarbeiter zusammenkommen und sich austauschen können.

Ziel Nummer zwei ist die Förderung von Innovationen. Wenn man hört, worüber sich die Mitarbeiter dort unterhalten, dann geht es oft um Produkte, Nutzer, und wie man etwas Neues entwickeln kann. Wir glauben nicht, dass man Innovationen erzwingen oder produzieren kann. Aber wir glauben, dass man die Wahrscheinlichkeit von Innovationen erhöht, wenn die Mitarbeiter mehr miteinander kommunizieren und man ein Umfeld schafft, wo es leichter ist, neue Ideen hervorzubringen.

Ziel Nummer drei ist Effizienz. Bei uns gibt es die Möglichkeit, vor Ort einen Ölwechsel machen zu lassen, das Auto waschen zu lassen, und eine chemische Reinigung, weil wir wollen, dass unsere Mitarbeiter möglichst effizient und konzentriert arbeiten - und sich um solche Dinge keine Gedanken machen müssen. Wir möchten ihnen das Leben so einfach wie möglich machen.

 

personalmagazin: Wo liegt der Schlüssel für Motivation und Engagement Ihrer Mitarbeiter?

Bock: Unsere Mitarbeiter sagen, dass es vor allem die Mission des Unternehmens ist, die sie motiviert und Basis ihres Engagements ist. Fragt man jemanden bei Google nach der Mission, so wird jeder sagen: „Die Informationen der Welt organisieren und sie weltweit zugänglich und nutzbar machen." Es gibt nur sehr wenige Unternehmen, in denen jeder die Mission kennt - und auch daran glaubt. Ich denke, viele Mitarbeiter sehen diese Mission als eine Art nobles Ziel, das sie inspiriert. Das ist der erste Grund. Zum zweiten ist es ein Gefühl sowohl von Freiheit als auch von Transparenz und Zugang zu Informationen. Man bekommt sehr viele Informationen über das, was geschieht. Man hat entsprechende Ressourcen. Man kann Dinge ausprobieren, man kann experimentieren, man kann Fehler machen, daraus lernen, weitermachen und tolle Dinge tun. Es ist nicht immer ein bequemes Umfeld, aber es ist ein sicheres Umfeld, in dem es in Ordnung ist, Fehler zu machen, solange man aus diesen Fehlern lernt.

 

personalmagazin: Wo sehen Sie langfristig die größten Herausforderungen für Google im Personalbereich?

Bock: Eine der Herausforderungen, die damit verbunden sind, dass wir ein immer größeres Unternehmen werden, besteht darin, die Nähe zu unseren Mitarbeitern zu bewahren. Wenn diese Nähe verloren geht, was bei zunehmender Größe leicht der Fall sein kann, nimmt oft auch das Verantwortungsbewusstsein ab. Dies zeigt sich in ganz banalen Dingen, wenn etwa Mitarbeiter Müll, der auf dem Boden liegt, nicht aufheben, wenn sie daran vorbeikommen. Aber es führt auch dazu, dass sie weniger häufig Ideen äußern. Deshalb bemühen wir uns, die Nähe zu unseren Mitarbeitern möglichst zu erhalten.

 

Laszlo Bock
ist seit 2006 in der Funktion als Senior-Vice-President People Operations für den Internet-Riesen Google tätig.

 

Das Interview führte Dominic Field, Partner bei der Boston Consulting Group (BCG) in den USA.

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