20.10.2011 | HR-Management

Internationale Norm für Eignungsbeurteilung veröffentlicht

Im Dezember verabschiedet, jetzt endlich veröffentlicht: Die ISO 10667 ist da. Sie soll als international gültiger Leitfaden für die Eignungsdiagnostik dienen. Eine deutsche Norm, die DIN 33430, liegt schon seit neun Jahren vor und gilt laut Kritikern als wesentlich strikter.

Die neue ISO soll sich im ersten Teil deutlicher an die Auftraggeber wenden und entsprechen die Aufgaben von Auftraggeber und Auftragnehmer beschreiben. Dies soll bei der Vertragsgestaltung im internationalen Rechtsraum helfen.

Aber nicht nur Unternehmer sollen von der ISO profitieren sondern auch Arbeitnehmer. Je sorgfältiger Personalauswahlverfahren vorbereitet und durchgeführt werden, je leichter könne sich ein Kandidat auf ein solches Verfahren einlassen und auf die am Ende getroffene Einschätzung vertrauen, so die Präsidentin des Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen (BDP) Sabine Siegl.

 

Gute Personalauswahl wird immer wichtiger

Trotz verstärkt eingesetzter Eignungsbeurteilung, so wurde im BDP-Bericht 2010 festgestellt, liegt Deutschland insgesamt noch weit hinter den USA und Großbritannien zurück, was die qualifizierte Personalauswahl betrifft. Gerade angesichts des zunehmenden Fachkräftemangels in Deutschland und der Herausforderung auch internationale Bewerber einzubeziehen, wachse die Bedeutung einer wissenschaftlich fundierten Eignungsbeurteilung.

 

Kritik an der neuen ISO entstand früh

Allerdings gibt es gerade in Deutschland auch einige kritische Stimmen zur neuen ISO-Norm. So bemängelte Albert Nussbaum, deutscher Geschäftsführer der schwedischen Personalberatung Mercuri Urval, im Personalmagazin (Ausgabe 3/2011), dass die ISO-Norm im Vergleich zur DIN 33430 ein niedrigeres methodisches Anforderungsniveau beschreiben würde. Welche diagnostischen Verfahren aus Sicht der Forschung geeignet oder weniger geeignet sind, blende ISO seiner Ansicht nach aus. "Das gibt dem Anwender sehr viel Freiraum, den er womöglich aber nicht sinnvoll nutzt", so Nussbaum.

Auch Gerd Diesing, Recruiting-Leiter bei der Deutschen Telekom bestätigte im Personalmagazin, dass er eine große Schwierigkeit bei der ISO-Norm sieht: Nationale Unterschiede im Recruiting seien nicht immer auf einen Nenner zu bringen. "Während es in den USA nicht üblich ist, Kandidaten Feedback zu geben, zählt das in Deutschland im Sinne der Fairness und Transparenz zu einem professionellen Auswahlverfahren." Daher könne die ISO-Norm, so sehr sie auch zu begrüßen sei, im internationalen Kontext "die DIN-Norm nicht ersetzen".

 

Den ersten und zweiten Teil der Anforderungen der ISO 10667 können Sie hier erwerben:

www.iso.org/iso/iso_catalogue/catalogue_tc/catalogue_detail.htm?csnumber=56441
www.iso.org/iso/iso_catalogue/catalogue_tc/catalogue_detail.htm?csnumber=56436

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