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| Interkulturelles HR-Management

Innovationen in China: "Eine Art Gegenkultur schaffen"

Florian Rustler coacht Unternehmen in Deutschland und China, die ihre Mitarbeiter innovativer machen möchten.
Bild: Petra Hennemann

Innovative Teams sind ein Wettbewerbsvorteil – hierzulande wie in China, wo viele deutsche Firmen aktiv sind. Welche Unterschiede es zwischen beiden Ländern gibt und wie Führungskräfte und Personaler chinesische Mitarbeiter fit für Innovationen machen, zeigt Coach Florian Rustler.

wirtschaft + weiterbildung: Warum brauchen Unternehmen Innovationstrainings – sind die Mitarbeiter nicht mehr kreativ genug?

Florian Rustler: Jeder Mensch ist kreativ oder kann kreativ sein. Allerdings werden die nötigen Verhaltens- und Denkweisen weder im Bildungssystem noch in den Unternehmen gefördert. Wir unterstützen Firmen dabei, eine Innovationskultur zu schaffen – aber greifen nicht inhaltlich ein.

wirtschaft + weiterbildung: Worin unterscheidet sich denn die Innovationsarbeit in Deutschland und China?

Rustler: Chinesische Firmen ticken meist kurzfristiger als westliche. Das hängt mit der Mentalität zusammen, aber auch mit dem schnelllebigen Markt und regulatorischen Umfeld. Darüber hinaus gibt es kulturelle Unterschiede. Oft berichten westliche Chefs, dass ihre chinesischen Mitarbeiter sie anschweigen, wenn sie sie auffordern, Ideen vorzubringen. Der Grund ist nicht, dass den Chinesen nichts einfällt, sondern dass in ihrer Kultur Hierarchie eine große Rolle spielt. Auch entscheiden sie anders: Während Deutsche oft ausführlich und hitzig diskutieren, stimmen Chinesen schnell ab, um einen Gruppenkonsens zu finden.

wirtschaft + weiterbildung: Was bedeutet dies für Innovationstrainings?

Rustler: Im Training durchlaufen wir – unabhängig von der Kultur – mit den Teilnehmern einen systematischen, praktischen Kreativitätsprozess und zeigen ihnen Kreativitätstechniken. Dabei sind allerdings einige Denk- und Verhaltensweisen wichtig, die der chinesischen Kultur entgegenstehen. Wichtig beim Entwickeln neuer Ideen ist etwa das Denken in Möglichkeiten, also Optionen zuzulassen, ohne sie zu bewerten. Chinesische Teilnehmer tun sich damit oft schwer – denn sie fragen sich immer, ob das, was sie vor ihrem Chef äußern, angemessen, richtig und gut ist.

wirtschaft + weiterbildung: Wie können deutsche Unternehmen damit umgehen?

Rustler: Deutsche Unternehmen in China sollten versuchen, bei Innovationen eine Art Gegenkultur zu schaffen. Dazu sollten sie explizit ansprechen, dass es zum Kreativprozess gehört, beim Brainstorming alle Möglichkeiten zu äußern. Das bestätigen uns chinesische Teilnehmer: Ist dies einmal explizit gesagt, haben sie kein Problem mehr damit. Des Weiteren müssen Unternehmen das Vertrauen dafür schaffen, eine Idee als Idee zu äußern. Hier sind  die Führungskräfte gefragt, die allerdings oft vor zweierlei Hürden stehen: der hierarchischen zwischen Chef und Mitarbeiter sowie der kulturellen zwischen West und Ost.

wirtschaft + weiterbildung: Wie kann die Führungskraft diese Hürden überwinden?

Rustler: Bei unserem konkreten Beispiel muss die Führungskraft zeigen, dass es zunächst keine unangemessenen Ideen gibt. Dabei kann sie selbst als gutes Vorbild fungieren, indem sie etwa in der Diskussion einen ungewöhnlichen und etwas abgefahrenen Vorschlag liefert.

Florian Rustler ist geschäftsführender Gesellschafter der Creaffective GmbH in München.

Das Interview führte Andrea Sattler, Redaktion Personal.

Hinweis: Das gesamte Interview mit Florian Rustler sowie weitere Tipps dazu, wie Unternehmen auch hierzulande Innovationen im Team anregen können, finden Sie in Ausgabe 09/2014 der wirtschaft + weiterbildung.

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