02.12.2014 | Integrationsgipfel

Kein Zwang zu anonymen Bewerbungsverfahren

Kanzlerin Merkel sucht noch nach einem tragfähigen Konzept, um junge Ausländer in den Arbeitsmarkt zu integrieren.
Bild: Bundesregierung,Steffen Kugler

Bundeskanzlerin Angela Merkel fordert ein Umdenken der Personalchefs, um Jugendlichen mit Migrationshintergrund den Zugang zum Arbeitsmarkt zu erleichtern. Ein Zwang zu anonymen Bewerbungen komme dagegen nicht in Betracht – so das Resümee  der Kanzlerin beim siebten Integrationsgipfel.

Wie lassen sich die Berufschancen für Schulabgänger mit Migrationshintergrund verbessern? Diese Frage stand im Mittelpunkt des siebten Integrationsgipfels, zu dem Bundeskanzlerin Angela Merkel Vertreter der Länder, Wirtschaft, Gewerkschaften und Migrantenorganisationen ins Kanzleramt eingeladen hatte.

Ein Drittel ohne Berufsabschluss

Trotz unbesetzter Lehrstellen finden viele Jugendliche aus Zuwandererfamilien keinen Ausbildungsplatz in Deutschland. Bei Bildung, Ausbildung und Zugang zum Arbeitsmarkt sind Ausländer im Vergleich zu Deutschen zum Teil noch deutlich im Hintertreffen. So bleiben beispielsweise 30,5 Prozent der jungen Menschen mit ausländischer Staatsangehörigkeit ohne Berufsabschluss - dreimal so viele wie junge Erwachsene mit deutschem Pass (10,9 Prozent).

Merkel: Umdenken statt anonyme Bewerbung

Als einer der Gründe werden Vorurteile der Personal suchenden Unternehmen gegen ausländische Namen vermutet. Eine aktuelle Studie zeigt, dass zum Beispiel ein Bewerber mit türkischem Namen im Schnitt mehr Bewerbungen losschicken muss, um zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen zu werden, als ein Jobsuchender mit deutschem Namen.

Die Antidiskriminierungsstelle des Bundes und die türkische Gemeinde in Deutschland forderten deshalb im Vorfeld des Integrationsgipfels am 1. Dezember öffentliche Arbeitgeber und Unternehmen auf, anonymisierte Bewerbungsverfahren einzuführen. Dieses Verfahren, bei dem die Herkunft und das Geschlecht des Bewerbers nicht erkennbar sind, soll für Chancengleichheit sorgen. Die Mehrheit der Arbeitgeber lehnt das jedoch ab. Auch Kanzlerin Merkel sprach sich auf dem Integrationsgipfel dagegen aus. Merkel erklärte, es sei besser, ein Umdenken bei den Personalchefs zu erreichen.

Schweitzer: Fachkräftemangel durch Intergration von Migranten beheben  

Die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Aydan Özoguz (SPD), sagte, es sei wichtig, jungen Menschen mit Migrationshintergrund und auch ihren Eltern "den hohen Stellenwert der Ausbildung in Deutschland" näherzubringen. Die hohen Abbrecherquoten zeigten, dass ein Studium nicht für jeden der richtige Weg sei. Viele der 350 Ausbildungsberufe seien Migranten bisher gar nicht bekannt. Der Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK), Eric Schweitzer mahnte: "Am Ende des Tages werden wir als Deutschland das Thema Fachkräftemangel nur hinbekommen, wenn wir es schaffen, jeden Migranten auf dem Arbeitsmarkt zu integrieren."

Kritik: Integrationsgipfel ohne Ergebnisse

Das Treffen im Kanzleramt war bereits das siebte dieser Art. Merkel hatte das Thema Integration 2006 zur Chefsache gemacht und damals zum ersten Gipfel eingeladen. Kritiker beklagen, die Veranstaltung liefere zu wenig konkrete Ergebnisse und habe nur Symbolcharakter.

Schlagworte zum Thema:  Ausländer, Berufsausbildung, Integration

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