17.07.2014 | Wuppertaler-Kreis-Umfrage

Inhouse-Seminare wachsen, offene Seminare sterben nicht

Neben ihrem Seminarangebot wollen Weiterbildungs-Institute mehr Beratung und Coaching anbieten.
Bild: MEV Verlag GmbH, Germany

Auch für dieses Jahr prognostiziert der Wuppertaler Kreis ein Wachstum des Weiterbildungsmarkts. Firmeninterne Seminare sollen am meisten davon profitieren – das offene Seminar hingegen stagniert. Zudem wollen die Weiterbildungsinstitute mehr Beratung und Coaching anbieten.

130.000 Seminare von insgesamt 43.000 freien und angestellten Trainern mit 1,3 Millionen Teilnehmern – das ist das aufsummierte Ergebnis des vergangenen Jahrs, das die Mitgliedsinstitute des Wuppertaler Kreises in der gerade erschienenen Verbandsumfrage "Trends in der Weiterbildung" angeben. Wie jedes Jahr seit 2009 hat der Verband für betriebliche Weiterbildung seine Mitglieder zu ihren Ergebnissen des Vorjahrs und ihrer Marktprognose für das laufende Jahr gefragt.

Leichter Rückgang gegenüber dem Vorjahr

Wie in den Vorjahren erwartet die Mehrheit der Anbieter auch für das Jahr 2014 eine positive Entwicklung mit stabilen oder leicht steigenden Umsätzen. Im sogenannten "Geschäftslage-Indikator Weiterbildung", den der Verband aus der Entwicklung von Aufträgen und Anmeldungen sowie der Entwicklung der Marktpreise berechnet, bedeutet das für dieses Jahr einen Wert von 117 Punkten. Werte über 100 bedeuten eine positive Entwicklung, Werte unter 100 bedeuten Rückgänge. Im Vorjahr lag der Wert etwas höher, nämlich bei 119 Punkten.

Umsatzrückgang bei Angeboten für öffentliche Auftraggeber

Besonders positiv bewerten die befragten Mitglieder die Prognose für firmeninterne Seminare: Über die Hälfte der Befragten rechnet damit, dass in diesem Bereich ihre Umsätze steigen. Bei den Bildungsangeboten für öffentliche Auftraggeber glauben im Gegensatz dazu die wenigsten (acht Prozent) an eine Umsatzsteigerung; rund ein Fünftel der Anbieter stellt sich hier sogar auf Umsatzrückgänge ein.

Unveränderte Umsätze erwartet die Mehrheit (44 Prozent) bei den offenen Seminaren. 40 Prozent der Anbieter blicken jedoch auch in diesem Segment optimistisch in die Zukunft und glaubt auch hier weiterhin an ein Wachstum.

Prozessbegleitung und Coaching liegen noch hinten

Ein Blick auf die Umsatzanteile der einzelnen Angebotsformen zeigt, dass das offene Seminar nach wie vor vorne liegt: Es bringt den Weiterbildungsinstituten durchschnittlich 37,4 Prozent ihres Umsatzes ein. Inhouse-Seminare liegen aktuell noch bei knapp 20 Prozent, gefolgt von Maßnahmen für öffentliche Auftraggeber (16,5 Prozent) und Lehr- und Studiengängen (14,5 Prozent). Den wenigsten Umsatz generieren die Anbieter mit Prozessbegleitung und Coaching (4,3 Prozent).

Unternehmen wollen sich als "Partner der Wirtschaft" etablieren

Das Dienstleistungsspektrum der Anbieter, das der Wuppertaler Kreis ebenfalls abfragte, zeigt allerdings, dass die Institute ihr Angebot über das klassische Seminarangebot hinaus erweitern und sich stärker im Bereich Beratung und Coaching zu profilieren suchen. Die Autoren des Wuppertaler Kreises sprechen davon, dass die Anbieter sich als "Partner der Wirtschaft" etablieren möchten. Dies soll vor allem geschehen mithilfe von Angeboten zur Beratung bei Personalentwicklungsprozessen, zur individuellen Entwicklungsplanung und Förderung von Fach- und Führungskräften und Dienstleistungen im Bereich Personalgewinnung sowie Outplacement – aber auch mit dem Etablieren von Coaching-Pools, dem Vermitteln von Coachs und dem Bereitstellen, Einrichten und Betreiben von firmeninternen Lernplattformen.

Ältere Mitarbeiter sind bei E-Learnings unterrepräsentiert

Der Verband untersuchte auch die Altersstruktur der Seminarteilnehmer und bestätigt damit eine Beobachtung, die schon in früheren Studien aufgefallen ist: Ältere Mitarbeiter über 50 Jahren sind offenbar die Verlierer des Weiterbildungsbooms. In allen Angebotsformen bilden sie die Minderheit, in abschlussorientierten Lehrgängen mit sieben Prozent und Studiengängen (fünf Prozent) sogar mit großem Abstand. Auch bei E-Learning-Angeboten sind ältere Arbeitnehmer mit 13 Prozent unterrepräsentiert. Nur in Fachtagungen und Kongressen sind sie mit einem Anteil von 29 Prozent vergleichsweise gut vertreten.  

Ein Drittel blickt Richtung China

Da viele Kundenunternehmen sich zunehmend international vernetzen, werden passende Angebote auch außerhalb Deutschlands wichtig. Deshalb hat der Verband seine Mitglieder auch zum Thema "Internationalisierung" befragt. Noch sind die Anbieter demnach vorwiegend in Europa tätig, vor allem in Osteuropa schätzen die Befragten die Marktchancen positiv ein. Doch viele blicken bereits weiter gen Osten: Ein Drittel der Institute überlegt oder plant bereits, sich in den nächsten drei Jahren in China zu engagieren.

Die kompletten Ergebnisse der Studie  "Trends in der Weiterbildung" stehen auf der Website des Wuppertaler Kreises kostenlos zum Download bereit: www.wkr-ev.de.

Schlagworte zum Thema:  Weiterbildung, Beratung, Coaching

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