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Innovationen: Woran es in Deutschland noch hapert

Bild: Statista

Von diesem Nachbarn kann sich Deutschland einiges an Innovativität abschauen: Laut "Global Innovation Index (GII) 2016" ist die Schweiz vor Schweden und Großbritannien das innovativste Land der Welt. Deutschland ist erstmals unter den Top Ten – für die Autoren des GII jedoch kein Grund für Euphorie.

Deutschland hat es in dem Ranking, das seit 2007 herausgegeben wird, in diesem Jahr zum ersten Mal unter in die Top Ten geschafft und verbesserte sich damit im Vergleich zum Vorjahr um zwei Plätze.

Besonders gute Noten erhielt Deutschland für Forschung und Entwicklung, Zugang zu Informations- und Kommunikationstechnologie und die Anzahl der Patentanmeldungen. Beim Indikator Effizienz, der Innovations-Input (zum Beispiel Ausgaben für Forschung und Infrastruktur) ins Verhältnis zum Output (zum Beispiel Patentanmeldungen) setzt, rangiert Deutschland mit Platz neun weit vorne.

Innovationen in Zukunftsfelder: bislang Fehlanzeige

Für die Studienautoren ist die gute Gesamtplatzierung Deutschlands aber kein Grund für Euphorie, weil Deutschland gerade bei den Indikatoren, die sie als zukunftsweisend einschätzen, schlechte Werte erhalten hat: bei den Indikatoren "Innovationspartnerschaften" (Platz 47) und "Einfachheit von Unternehmensgründungen" (81). Auch in puncto "Diversity" steht Deutschland nicht besonders gut da (Platz 53).

"Der erstmalige Top-Ten-Platz Deutschlands ist trügerisch, denn hohe Effizienz in den Innovationsstrukturen und -prozessen, wie wir sie in Deutschland finden, wird zukünftig nicht mehr reichen, um im internationalen Wettbewerb ganz oben mitspielen zu können", kommentiert Kai Engel, Partner bei A.T. Kearney und Innovationsexperte, die Ergebnisse des globalen Innovationsindex'. "Wir punkten zwar bei Forschung und Entwicklung, Kommunikationsinfrastruktur und Patentanmeldungen. Doch dort, wo in Zukunft die Musik spielen wird, gehören wir zu den Schlusslichtern: dem Aufbau von Innovationspartnerschaften und der Gründung neuer Unternehmen."

Bei der Gesamt-Platzierung im Ranking kam Deutschland zugute, dass im diesjährigen "Global Innovation Index" der Faktor "Forschung und Entwicklung" stärker als bisher berücksichtigt wurde.

Innovationsmanagement muss internationaler werden

Aus dem "Global Innovation Index 2016" und ihren Forschungen leiten die Studienautoren ab, dass sich die Natur des Innovationsmanagement weltweit ändere: "Die Anzahl von Innovationen, die über globale Netzwerke entstehen, steigt deutlich – egal ob die Unternehmen eher national oder international agieren", erläutert Engel. "Schwellenländer werden zu erfolgreichen Innovatoren und China holt mit atemberaubender Geschwindigkeit auf."

Diese Ahnung ist auch schon bei den Studienteilnehmern angekommen: 70 Prozent der befragten Führungskräfte erwarten der Umfrage zufolge, dass ihre Innovationsaktivitäten bis 2020 globaler werden. Sie rechnen auch damit, dass sich die Akteure in ihrem Geschäftsbereich bis zum Jahr 2020 verändern: 78 Prozent durch die Einbindung von Kunden, 67 Prozent durch Partnerschaften mit Start-ups und 45 Prozent durch Kooperationen mit Forschungs- und akademischen Einrichtungen.

Bislang fühlen sich viele auf die neuen Herausforderungen noch schlecht vorbereitet: 57 Prozent der Firmenvertreter schätzen ihre internen Ressourcen und Fähigkeiten, einen internationalen Innovationsprozess zu steuern, als sehr schwach, schwach oder nur mittelmäßig ein.

HR muss Innovativität fördern - die der Mitarbeiter und die eigene

Die Studie zeigt einmal mehr auch Handlungsbedarf für HR: Personaler können bei der Bewältigung der neuen Herausforderungen helfen, indem sie Personalmaßnahmen ergreifen, mit denen Sie die Innovativität fördern – sowohl die der Mitarbeiter als auch ihre eigene. Denn Kritiker weisen immer wieder darauf hin, dass Personaler selbst noch zu wenig innovativ denken und handeln – und daher auch die Innovationskraft der Mitarbeiter nicht adäquat weiterentwickeln können.

Mehr dazu, wie Personaler die Innovativität der Mitarbeiter fördern können, lesen Sie in der Titelstrecke "Ideen ins Rollen bringen" von Ausgabe 01/2016 des Personalmagazins. Hier können Sie die Ausgabe als Smartphone- und Tablet-App herunterladen.

Auch die Zusammenarbeit mit Start-ups kann HR helfen, innovativer zu werden und zu lernen, wie sich die Innovativität von Mitarbeitern entwickeln lässt. Wie diese Zusammenarbeit aussehen kann und was HR von Start-ups lernen kann, lesen Sie in Ausgabe 04/2016 der Personalmagazins. Hier können Sie die Ausgabe ebenfalls als Smartphone- und Tablet-App herunterladen.

Über den "Global Innovation Index"

Der "Global Innovation Index" wird seit 2007 gemeinsam von der Cornell University,  der Business School Insead und der Weltorganisation für Geistiges Eigentum (WIPO) herausgegeben. Dieses Jahr untersuchten die Autoren 128 Ökonomien weltweit hinsichtlich ihrer Innovationskraft.

Anhand von 82 ausgewählten Kriterien untersuchten sie ein breites Spektrum unterschiedlicher Themenbereiche in den betreffenden Ländern, um mit den Ergebnissen ein Ranking erstellen zu können.


Die kompletten Ergebnisse des "Global Innovation Index 2016" finden Sie hier (in englischer Sprache): www.globalinnovationindex.org


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Schlagworte zum Thema:  Innovationsmanagement, Innovation

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