| Imagekrisen

Wie Personaler das Schlimmste verhindern

Bild: Lufthansa Bildarchiv FRA, Rolf Bewersdorf

"Chaos-Kommunikation schadet der Lufthansa", so titelte die Financial Times Deutschland in ihrer Online-Ausgabe. Der Grund dafür: Nach langem hin und her hat die Lufthansa-Führung einen weitreichenden Personalabbau eingestanden, der vorher noch dementiert wurde. Was müssen Personaler in solchen Situationen tun? Das Personalmagazin gibt Tipps.

Ein noch eindrücklicheres Beispiel als die Kommunikationskrise bei Lufthansa ist die Drogeriekette Schlecker: Schon lange vor seiner Insolvenz hat das Unternehmen mit Imageverlusten zu kämpfen - schlecht Bezahlung, offenbar sogar Bespitzelung der Mitarbeiter sind hier die Schlagworte.

Seit der Insolvenz betreibt der Personaldirektor der Kette mit einer "offenen Kommunikation", wie er es nennt, einen neuen HR-Kurs. Gerade in turbulenten Zeiten sei es immens wichtig, Mitarbeiter direkt und verbindlich zu informieren, so Boldt. Erst wenige Wochen im Amt, chattet der HR-Boss mit Beschäftigten und antwortet geduldig auf ihre Fragen, wie es mit Schlecker nach der Insolvenz weitergeht.

Damit nicht genug: Die Firma, einst geliebtes Feindbild der Gewerkschaften, sucht nun entschlossen den sozialpartnerschaftlichen Dialog - und erntet dafür Respekt. "Wertschätzung und Anerkennung" nennt Boldt seine Devise. Ein Treiber für diesen Wandel: Dem Personalchef steht die PR-Agentur Komm Passion zur Seite. Sie soll mit dazu beitragen, dass Schlecker sich der "kritischen Öffentlichkeit" stellt und für „mehr Transparenz nach innen" sorgt.

Handlungsoptionen für HR in Imagekrisen

Dieses Beispiel zeigt: Krisen haben unmittelbar Einfluss auf das von Personalern reklamierte Terrain. Doch welche Handlungsoptionen hat der HR-Bereich? Anzunehmen, Personaler könnten Personalabbau verhindern, sei blauäugig, erklärt Christoph Beck, Professor für Personalmanagement an der FH Koblenz: "Entscheidungen im Interesse des Unternehmens muss der Personaler mittragen." Umgekehrt befreie dies aber nicht von der Aufgabe, die Entscheidung ohne Zeitverlust offen zu vermitteln. "Personaler müssen sicht- und ansprechbar sein und deutlich machen, dass es der Unternehmensleitung um faire Lösungen geht", fordert Beck.

In Krisenzeiten sollten Personaler die Wirkung couragierten Handelns nicht unterschätzen. Oberste Maxime in Krisen sei, "rasch, aber durchdacht zu reagieren", sagt Martin Poreda, Chef der Arbeitgeberbewertungsplattform "Kununu.com". Unternehmen stünde es gut zu Gesicht, sich bereits vor Auftreten einer Krisensituation um das Vertrauen ihrer Mitarbeiter zu bemühen. Seien Mitarbeiter über das Unternehmen hinreichend informiert, erziele es eine Identifikation, "die auch in Krisenzeiten ein Gefühl des Zusammenhalts bewirkt".

Personaler müssen sich auch für Sonderrechte einsetzen

Sind Unternehmen bereits tief in die Krise verstrickt, benötigen die Akteure vor allem einen langen Atem. Und Personaler womöglich Sonderrechte, um sich nachhaltiger für die Mitarbeiter einsetzen zu können. Dies fordert zumindest der Human Capital Club, für den HR zu oft auf verlorenem Posten steht.

(Auszug aus dem Artikel "Die Rolle von HR in Imagekrisen", Personalmagazin, Ausgabe 05/2012, Autor: Winfried Gertz)

Schlagworte zum Thema:  Arbeitgeberattraktivität, Image, Kommunikation

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