02.06.2015 | Ifaa-Befragung

Industrie 4.0 in Unternehmen: Bedeutung noch ungewiss

Bisher haben viele Unternehmensvertreter nur eine vage Vorstellung von der Industrie 4.0, so eine Ifaa-Studie.
Bild: Veer Inc.

Der aktuelle Ifaa-Trendbarometer zeigt: Obwohl die Industrie 4.0 in drei Viertel der Unternehmen als wichtig erachtet wird, haben viele Befragte keine genaue Vorstellung davon, was das Thema für sie bedeutet. Kopfzerbrechen bereitet ihnen auch der Dauerbrenner Fachkräftesicherung.

Der Begriff "Industrie 4.0" ist dem aktuellen Trendbarometer zufolge zwar drei Vierteln der 329 Befragten bekannt. Doch nur eine Minderheit von 23 Prozent gibt an, dass der Begriff ihnen klar definiert erscheint, so die Ergebnisse der Studie des Instituts für angewandte Arbeitswissenschaft e. V. (Ifaa).

Die meisten Befragten haben eine vage Vorstellung vom Begriff "Industrie 4.0": Sie assoziieren damit verbundene Themen oder betroffene Bereiche wie "Vernetzung", "Digitalisierung", "Produktion" und "Prozesse", wie die offene Frage nach einer Definition ergeben hat. Unter den Begriff "Industrie 4.0" werden allgemein die Flexibilisierung und die Vernetzung industrieller Prozesse infolge der Digitalisierung gefasst.

Kleine Unternehmen fahren noch wenige 4.0-Aktivitäten

Auch wenn die Definition für die meisten noch nicht ganz klar ist: Die allgemeine Bedeutung der Industrie 4.0 schätzen 76,7 Prozent der Befragten als hoch oder sehr hoch ein.

Nach der Bedeutung des Themas in ihrem eigenen Unternehmen gefragt, kommen aber deutlich weniger (60,5 Prozent) zu dieser Einschätzung. Bei knapp 30 Prozent der Unternehmen gibt es gar noch keinerlei Aktivitäten zum Thema. Vor allem in kleinen Unternehmen wird zum Thema "Industrie 4.0" noch wenig getan, so ein weiteres Ergebnis.

"Es gibt bereits Einzellösungen. Digitalisierung in unterschiedlicher Form ist bereits schon länger Realität in den Unternehmen", kommentiert Ifaa-Direktor Sascha Stowasser die Ergebnisse. "Aber vermutlich wird es einige Jahre dauern, bis Smart Factories weitflächig unser Land bereichern. Unternehmensvertreter und Wissenschaftler gehen von 2025 bis 2030 aus", prognostiziert er.

Fachkräftesicherung ist nach wie vor ein wichtiges Thema

Die Autoren des Ifaa-Trendbarometers befragen zweimal jährlich Experten aus Wirtschaft, Wissenschaft und Arbeitgeberverbänden zur Bedeutung von Themen der Betriebs- und Arbeitsorganisation sowie der Arbeitswissenschaft.

Bei der aktuellen Befragung liegt das Thema "Prozessorganisation" ganz vorne; auch das Thema "kontinuierlicher Verbesserungsprozess" rangiert unter den Top-5 der Themen – möglicherweise ein Indiz dafür, dass in vielen Unternehmen schon Industrie-4.0-Aktivitäten auf der Prozessebene gefahren werden, ohne dass die Befragten sie unter diesem Begriff zusammenfassen.

Ebenfalls ganz vorne auf der Agenda der befragten Unternehmensvertreter stehen die Themen "gesetzlicher Arbeits- und Gesundheitsschutz", "Arbeitszeitflexibilität" und das Dauerbrennerthema "Fachkräftesicherung".

Bemerkenswert dabei: Obwohl die Fachkräftesicherung unter den wichtigsten Themen ist, finden sich alternsgerechte und lebenssituationsabhängige Arbeitszeiten, die helfen, die Arbeitsfähigkeit von Mitarbeitern länger zu erhalten und somit maßgeblich zur Fachkräftesicherung beitragen können, auf den unteren Rängen.

Betriebliches Gesundheitsmanagement treibt viele um

Dagegen scheinen andere Faktoren, die zu einer längeren Beschäftigungsfähigkeit der begehrten Fachkräfte beitragen, schon eher in den Unternehmen angekommen zu sein: Die ergonomische Arbeitsgestaltung, eine arbeitsbezogene psychische Belastung und das betriebliche Gesundheitsmanagement im allgemeinen wurden ebenfalls als wichtige Themen genannt.

Auch Faktoren zur Mitarbeitermotivation sind demnach relevant: So steht etwa die Arbeitszufriedenheit ganz oben bei den wichtigen Themen. Dass eine erfolgsabhängige Vergütung zur Mitarbeitermotivation und somit langfristig auch zur Fachkräftesicherung beitragen kann, scheinen dagegen nicht so viele der Befragten zu glauben – das Thema rangiert unter den unbedeutenderen Themen.


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Schlagworte zum Thema:  Digitalisierung, Betriebliches Gesundheitsmanagement

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