| Employer Branding

Handwerk arbeitet weiter an seiner Arbeitgebermarke

Frauen im Handwerk: Betriebe wollen jetzt mit Familienfreundlichkeit punkten.
Bild: Deutscher Handwerkskammertag

Seit 2010 investiert der Zentralverband des deutschen Handwerks jährlich 10 Millionen Euro in Employer-Branding-Maßnahmen. Jetzt will es mit den Themen Digitalisierung und Familienfreundlichkeit punkten.

Seit Mittwoch läuft in München die Internationale Handwerksmesse. Noch bis zum 1. März zeigen dort mehr als 1.000 Aussteller aus 60 Gewerken ihr Angebot. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) will am heutigen Freitag zum Spitzengespräch der deutschen Wirtschaft auf die Messe kommen.

Große Nachwuchsprobleme im Handwerk

Das Handwerk erwartet auch 2016 ein gutes Jahr mit einem Umsatzwachstum von zwei Prozent. Allerdings wird es wegen des demografischen Wandels und wegen des Trends zur Akademisierung für das Handwerk schwerer, genügend Fachkräfte und Auszubildende zu finden. Der deutsche Handwerkspräsident Hans-Peter Wollseifer sagte: „200.000 Handwerksbetriebe suchen in den nächsten zehn Jahren Nachfolger zur Betriebsübergabe.“ Der Abwärtstrend bei den Ausbildungsverträgen sei zwar gestoppt. Aber das Handwerk brauche ein „Berufsabitur“, bei dem wie in Österreich und der Schweiz Ausbildungsabschluss und Abitur in einem ermöglicht werden.

Chancen der Digitalisierung stärker nutzen

EU-Digitalkommissar Günther Oettinger hat das deutsche Handwerk aufgefordert, die Chancen der Digitalisierung stärker zu nutzen. Wer das Thema „nicht aktiv angeht, wird in fünf oder zehn Jahren nicht mehr in der Wirtschafts- und Arbeitswelt sein“, mahnte Oettinger in einer Videobotschaft aus Brüssel zur Eröffnung der Internationalen Handwerksmesse. Auf der Handwerksmesse zeigen die Aussteller, was jetzt schon möglich ist in den einzelnen Branchen. „Vom Einsatz von Drohnen im Dachdecker-Handwerk bis zu 3-D-Druckern und CNC-Fräsmaschinen ist die Digitalisierung aus dem Handwerk nicht mehr wegzudenken“, sagte der bayerische Handwerkepräsident Georg Schlagbauer. Aber die Industrie dränge verstärkt in die Produktion von Kleinserien - deshalb müsse das Handwerk die Chancen der Digitalisierung noch stärker nutzen. Auch Wollseifer räumte ein, dass hier noch Nachhofbedarf bestehe.

Flüchtlinge als neue Zielgruppe

In den nächsten Jahren will das Handwerk zudem 10.000 Flüchtlinge „vorqualifizieren“, um dem Nachwuchsmangel zu begegnen. Vielen Flüchtlingen fehlten Schulbildung und Sprachkenntnisse, sagte Wollseifer. Aber wenn man Orientierung gebe und Integrationsbereitschaft einfordere, sei er zuversichtlich, dass ein hoher Prozentsatz in eine Ausbildung vermittelt werden könne.

Familienfreundlichkeit als neues Thema

Um sich als attraktiver Arbeitgeber zu präsentieren, will das Handwerk nun auch verstärkt mit dem Thema Familienfreundlichkeit punkten. Dafür hat der ZDH gemeinsam mit dem Handwerk Magazin und dem Netzwerkbüro „Erfolgsfaktor Familie“ jetzt zu einem Ideenwettbewerb aufgerufen. Unter dem Motto „Familienfreundlichkeit im Handwerk“ werden Unternehmen gesucht, die mit betrieblichen Aktivitäten zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf punkten können. Die Sieger werden im Herbst 2016 in Berlin ausgezeichnet. Darüber hinaus werden die besten Unternehmen in der Handwerkspresse und im Internet präsentiert.

Das Handwerk packt’s an – auch innovative Personalarbeit

Hans Peter Wollseifer: „Für Handwerksbetriebe ist Familienfreundlichkeit eine Herzensangelegenheit. Viele Betriebe sind traditionelle Familienbetriebe, die von der Geschäftsführung bis zum Gesellen und Auszubildenden die Vereinbarkeit von Familie und Beruf vorleben.“ Olaf Deininger, Chefredakteur des Handwerk Magazin, ergänzt: „Durch den Ideenwettbewerb können die Handwerker zeigen, dass sie nicht nur bei ihren Aufträgen, sondern auch mit Blick auf innovative Personalarbeit zupacken können. So vielfältig wie das Handwerk selbst ist, so vielfältig sind seine Konzepte zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf.“

Vereinbarkeit von Beruf und Familie ist ein Zukunftsthema

Im Unternehmensnetzwerk „Erfolgsfaktor Familie“ sind Handwerksunternehmen daher sehr willkommen. Kirsten Frohnert, Projektleiterin des Unternehmensnetzwerks „Erfolgsfaktor Familie“, meint hierzu: „Gerade in kleineren Handwerksbetrieben kommt es auf das Spezialwissen jedes einzelnen Mitarbeiters und jeder einzelnen Mitarbeiterin an. Deshalb setzen viele Handwerksbetriebe auf innovative Angebote zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Diese oft maßgeschneiderten Lösungen wollen wir mit dem Ideenwettbewerb sichtbar machen."

Teilnahmebedingungen

Am Ideenwettbewerb können Handwerksunternehmen mit bis zu 500 Beschäftigten teilnehmen, die ihren Sitz in Deutschland haben. Die vollständigen Bewerbungsunterlagen sind über folgende Website abrufbar: www.familienfreundlichkeit-im-handwerk.de

 

Mehr zur Employer-Branding-Kampagne des Handwerks lesen Sie im Personalmagazin Ausgabe 8/2015.

 

 

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Haufe Online Redaktion

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