04.12.2015 | Digitales Gesundheitsmanagement

Kommen günstigere Versicherungstarife für Nutzer von E-Health-Lösungen?

Günther Oettinger, EU-Kommissar für die Digitale Wirtschaft und Gesellschaft, sieht Boni für Nutzer von Gesundheitsapps kritisch.
Bild: GDV, Gesamtverband der deutschen Versicherungswirtschaft

Die Generali Krankenversicherung plant, günstigere Versicherungstarife für Mitarbeiter, die über Fitness-Apps ihr Gesundheitsbewusstsein nachweisen. Doch EU-Kommissar Oettinger warnte auf dem Versicherungstag davor, dass solche Rabatte das Solidarsystem gefährden könnten.  

Digitale Gesundheitstools haben längst Einzug in das betriebliche Gesundheitsmanagement gehalten. Immer mehr Unternehmen stellen ihren Mitarbeitern Fitnesstracker und Apps zur Verfügung, mit denen die persönlichen Aktivitäts-, Fitness- oder Gesundheitsdaten gesammelt, gemessen und ausgewertet werden können.

Günstigere Tarife in der Krankenversicherung für E-Health-Nutzer

Das möchte sich die Versicherungsbranche zu Nutze machen: Krankenversicherte, die über die E-Health-Lösungen besonders gesundheitsbewusstes Verhalten nachweisen können, sollen, so die ersten Pläne einzelner Versicherungsanbieter, günstigere Tarife angeboten bekommen. Die Generali Versicherungsgruppe plant bereits für 2016 einen günstigeren Versicherungstarif für Privatkunden, der auf dem Verhalten der Versicherten, gemessen durch ein Wearable, basiere.

EU-Digitalkommissar Oettinger wies in diesem Zusammenhang auf dem Versicherungstag des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) in Berlin auf neue Fragen im digitalen Gesundheitsmanagement hin, die erst noch gelöst werden müssten. Das gelte nicht nur für die Frage der Datenhoheit. Insbesondere sieht Oettinger in dem Modell der Rabatte von der Kranken- und Lebensversicherung für eine mit E-Health-Lösungen nachgewiesene gesunde Lebensführung auch eine mögliche Gefährdung des Solidarsystems.

Neue Dimension durch systematische Datenerfassung 

Dabei ist die Idee, gesundheitsbewusstes Verhalten über besonders günstige Tarife zu belohnen, nicht neu. Professor  Volker Nürnberg, Hochschule für angewandtes Management und Leiter Health Management Mercer, weist in diesem Zusammenhang auf die Bonusheftmodelle der gesetzlichen Krankenkassen hin und erklärt: „Auch die privaten Krankenkassen mit ihren risikobasierten Zugangsregularien beziehungsweise Rückerstattungsmöglichkeiten differenzieren ihre Preise.“

Prof. Volker Nürnberg
Bild: Haufe Online Redaktion
Die neue Dimension, so Nürnberg, bestehe bei der Verhaltenserfassung über Gesundheitsapps in der massenhaften und systematischen Erfassung von Vitalparametern und Gesundheitsdaten. Sowohl die individuelle als auch kollektive Nutzung dieser Daten zur Tarifgestaltung tangiere grundsätzliche ethische Fragestellungen und Persönlichkeitsrechte.

Rechtliche Voraussetzungen für verhaltensbasierte Versicherungstarife 

Rechtlich sei den gesetzlichen Krankenkassen grundsätzlich erlaubt, Bonuszahlungen an das Verhalten der Versicherten zu knüpfen, solange nachgewiesen werden kann, dass das Bonusprogramm durch Einsparungen durch das Programm finanziert werden.

Auch die Generali selbst weist die Gefahr einer Entsolidarisierung von sich: Das Grundprinzip der privaten Versicherungswirtschaft, die risikogerechte Tarifierung, bleibe auch bei den geplanten neuen Tarifen erhalten. Trotz risikogerechter Zuordnung bleibe das Versichertenkollektiv groß genug, um einen Risikoausgleich sicherzustellen

Schlagworte zum Thema:  Digitalisierung, Krankenversicherung, Tarif, Betriebliches Gesundheitsmanagement

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