13.08.2012 | Gesundheitsmanagement

Frühwarnsignale in Doping-Fällen erkennen

Dr. med. Anette Wahl-Wachendorf
Bild: Haufe Online Redaktion

Die Olympischen Spiele sind vorbei. Auch dieses Mal sorgten Dopingfälle für Aufsehen. Inwiefern leistungsfördernde Aufputschmittel auch ein Problem in der Arbeitswelt sind und wie man erste Anzeichen dafür erkennt, erklärt Arbeitsmedizinerin Anette Wahl-Wachendorf.

Haufe Online-Redaktion: Ist Doping am Arbeitsplatz ein ernstzunehmendes Problem in Deutschland?

Anette Wahl-Wachendorf: Es ist mit Sicherheit ein Thema. Wenngleich Deutsche wesentlich kritischere Konsumierer sind als beispielsweise die Amerikaner. Deren Hemmschwelle ist deutlich niedriger. Im Grunde auch, weil Medikamente in jedem Drugstore leicht erhältlich sind. Verlässliche Zahlen gibt es nicht. Das liegt vor allem daran, dass die Betroffenen dies nicht öffentlich zugeben. Drogenscreenings werden zwar in einigen Unternehmen durchgeführt, jedoch sind diese an gefahrgeneigten Arbeitsplätzen, wo es um Fahr- und Steuertätigkeiten geht, auch üblich. Es können auch nicht alle konsumierten Substanzen getestet werden. Mitarbeiter müssen mit dieser Untersuchung ausdrücklich einverstanden sein. Nichtsdestotrotz wird es immer eine Dunkelziffer geben.

Haufe Online-Redaktion: Woran können Vorgesetze einen möglichen Medikamentenmissbrauch erkennen?

Wahl-Wachendorf: Das Stichwort lautet Veränderung. Wenn der Mitarbeiter beispielsweise mehr redet oder distanzloser ist als sonst. Einhergeht dies auch häufig mit einem veränderten Erscheinungsbild. Auch körperliche Symptome wie Müdigkeit, Nervosität und Unkonzentriertheit können auf einen Medikamentenmissbrauch hindeuten – wobei diese Anzeichen selbstverständlich auch viele andere Gründe haben können. 

Haufe Online-Redaktion: Was empfehlen Sie Vorgesetzten, wenn sie solche Veränderungen bei ihrem Mitarbeiter beobachten?

Wahl-Wachendorf: Als ersten Schritt sollte der Vorgesetzte das vertrauensvolle Gespräch mit seinem Mitarbeiter suchen. Wichtig dabei ist eine wohl überlegte Gesprächsführung. Vor allem der Einstieg sollte weise gewählt werden und Wertschätzung signalisieren. Falsch ist es, voreilige Schlüsse zu ziehen. Ein Verdacht ist noch längst kein Beweis. Der Mitarbeiter sollte stets die Chance haben, seine Sicht der Dinge darzulegen. Schließlich können Verhaltensänderungen viele Ursachen haben.

Das Interview führte Nicole Schrehardt.

Dr. med. Anette Wahl-Wachendorf ist Vizepräsidentin des Verbands Deutscher Betriebs- und Werksärzte (VDBW e.V.).

Schlagworte zum Thema:  Gesundheitsmanagement, Leistung, Drogen

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