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Überstunden: Deutschland liegt im EU-Vergleich weit vorne

Ist es wirklich schon so spät? Das denken wohl viele Arbeitnehmer, wenn sie am Ende des Arbeitstags auf die Uhr schauen.
Bild: Haufe Online Redaktion

Die Deutschen leisten so viele Überstunden wie sonst kaum jemand in der EU – obgleich insgesamt die Summe der Überstunden im vergangenen Jahrzehnt abgenommen hat. Der Deutsche Gewerkschaftsbund warnt in diesem Zusammenhang vor dem Gesundheitsrisiko durch Extraschichten.

Zwei Stunden und 36 Minuten arbeitet ein Arbeitnehmer in Deutschland im Schnitt pro Woche länger, als er eigentlich muss. Das ist das Ergebnis einer Studie der EU-Agentur Eurofound. Demzufolge machen Arbeitnehmer in Deutschland so viele Überstunden wie sonst in kaum einem Land der EU: Tariflich vereinbart sind hierzulande im Schnitt 37,7 Stunden Arbeitszeit pro Woche – doch 40,3 Stunden fallen tatsächlich an.

Großbritannien ist Überstunden-Europameister

Noch größer sind die Unterschiede nur in den Niederlanden mit im Schnitt drei Überstunden pro Woche und beim Spitzenreiter Großbritannien, wo dreieinhalb Stunden extra anfallen, heißt es in der Studie, über die die "Welt" berichtet.

Was die insgesamt geleistete Arbeitszeit angeht, liegt Deutschland mit 40,3 Wochenstunden hinter Portugal (40,4), Luxemburg und Großbritannien (40,9) sowie Spitzenreiter Rumänien (41,0). Am wenigsten Zeit verbringen die Menschen in Finnland und Frankreich bei der Arbeit, in beiden Ländern sind es im Schnitt 37,3 Stunden pro Woche. Die Zahlen beziehen sich auf das Jahr 2014.

Mehr als eine Milliarde Überstunden in diesem Jahr

Immerhin: Die Summe der geleisteten Überstunden hat sich in den vergangenen Jahren reduziert, wie eine Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) aus dem Frühjahr gezeigt hat. Noch im Jahr 2008 hatten die Nürnberger Arbeitsmarktforscher 1,2 Milliarden unbezahlte Überstunden registriert. In diesem Jahr dürften es rund 1,109 Milliarden Stunden sein.

Nach der IAB-Studie hatte jeder Beschäftigte im Schnitt 28,7 Überstunden ohne finanziellen Ausgleich gearbeitet. 2008 waren es noch 33,5 Stunden. Die Zahl der bezahlten Überstunden dürfte nach einer IAB-Prognose dagegen in diesem Jahr nur bei 817 Millionen liegen.

DGB warnt vor Gesundheitsrisiken

Trotz dieser verhalten positiven Prognose warnt der Deutsche Gewerkschaftsbund vor dem Gesundheitsrisiko, zu dem Überstunden werden können. DGB-Chef Reiner Hoffmann hat sich für einen raschen Abbau unbezahlter Überstunden ausgesprochen.

Wo sie dauerhaft anfielen, müssten neue Stellen geschaffen werden, sagte Hoffmann der "Welt". Nur so sei gewährleistet, dass Beschäftigte lange arbeiten könnten und gesund blieben. Zudem kritisierte der DGB-Chef, dass Arbeitnehmer immer mehr leisten müssten.

"Wir wissen, dass die Arbeitsbelastung in den vergangenen Jahren erheblich zugenommen hat, durch Arbeitsverdichtung, Arbeit am Wochenende und dauernde Erreichbarkeit. Diese Belastung führt zu Stress und Erkrankungen", sagte Hoffmann der Zeitung.

Schlagworte zum Thema:  Gesundheitsmanagement, Überstunden

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