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Vorsicht vor roboterhaften Recruitern

Virtuelle Rollenspiele wirken sich negativ auf die Urteilsfähigkeit von Recruitern aus, so eine Studie.
Bild: MEV Verlag GmbH, Germany

Spiele erfüllen in HR immer mehr Aufgaben: Sie werden im Recruiting eingesetzt, beim Teambuilding und in der Personalentwicklung. Eine neue Studie zeigt jedoch: Beschäftigen sich Personaler vor dem Recruiting mit virtuellen Rollenspielen, liegen sie mit ihrem Urteil zum Bewerber leichter daneben.

Spiele machen Spaß: Lerninhalte lassen sich damit leichter verpacken und angenehmer vermitteln. Und auch über das Vermitteln der Lerninhalte hinaus macht Spielen offenbar schlau, wie der "Spiegel" Anfang vergangenen Jahres berichtete: Durch das beim Spielen ausgeschüttete Glückshormon Dopamin wüchse das Gehirn und neue neuronale Verbindungen entstünden.

Zunehmend spielt auch der soziale Nutzen von Gaming eine Rolle. Bei virtuellen Games daddeln die Spieler schon lange nicht mehr nerdig vor sich hin. Mittlerweile können sie – etwa über Chatfunktionen – mit anderen Spielern interagieren. Zudem kann Spielen in der Gruppe Stress abbauen und somit die Empathie von Gruppenmitgliedern untereinander steigern, wie kürzlich eine Studie der McGill University zeigte.

Eben noch Avatar – jetzt Roboter in der wirklichen Welt

Weniger positiv für Gaming-Anhänger kommt nun das Ergebnis einer neuen Studie der Universität Witten/Herdecke (UW/H) daher, die in der Fachzeitschrift Psychonomic Bulletin & Review veröffentlicht wurde. Die Wissenschaftler um Professor Ulrich Weger, Leiter des Departments für Psychologie und Psychotherapie an der UW/H, stellten nämlich fest, dass Computerspiele, bei denen der Spieler in die Rolle eines Avatars schlüpft, dazu führen können, dass sich die Spieler anschließend in der wirklichen Welt roboterhaft verhalten.

Um die Auswirkungen solcher Spiele zu testen, ließen die Forscher ihre Probanden ein virtuelles Rollenspiel mit künstlichem Alter Ego spielen. Die Teilnehmer der Vergleichsgruppe spielten nicht selbst, sondern schauten den Spielern nur über die Schulter.

Anschließend mussten alle Versuchspersonen über die Eignung bestimmter Kandidaten für eine bestimmte Stelle entscheiden. Dazu wurden je zwei Kandidaten kurz beschrieben; einer von beiden war in Hinblick auf seine Motivation und Fähigkeit besser für die Stelle geeignet.

Rollenspieler vertrauen dem Urteil virtueller Assistenten

Bevor die Versuchsteilnehmer ihre Meinung abgaben, beurteilten zwei virtuelle Assistenten die Kandidaten. In manchen Fällen waren deren Urteile – gemessen an einem Eignungswert – richtig, in anderen Fällen waren diese Urteile falsch.

Nachdem die virtuellen Assistenten die Bewerber bewertet hatten, wurden auch die Probanden gebeten, ihre Einschätzung abzugeben. Dabei konnten sie die Bewertung der Computer-Assistenten einsehen.

Dabei stellten die Wissenschaftler fest: Die Probanden, die vorab das virtuelle Rollenspiel mit Avatar gespielt hatten, stimmten bei der anschließenden Bewertung häufiger mit dem Computer überein. "In diesen Fällen zeigte sich", so Weger, "dass Personen, die vorab ein virtuelles Rollenspiel selbst gespielt hatten, eher geneigt waren, sozusagen blind den Einschätzungen der virtuellen Assistenten zu folgen – sie gaben dann auch ihrerseits gehäuft das falsche Urteil ab."

Aus psychologischer Sicht sei es wenig verwunderlich, dass das Eintauchen in ein roboterhaftes Wesen auch in der realen Welt zu entsprechenden Veränderungen im menschlichen Urteils- und Erlebensvermögen führe, so die Erklärung des Professors.

Haufe Online Redaktion

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