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Mittelstand: Jeder Dritte ist ein Netzwerkmuffel

Und jetzt auch noch netzwerken? Das fragt sich offenbar so mancher müde Manager aus dem Mittelstand.
Bild: Haufe Online Redaktion

Rund ein Drittel der Chefs im Mittelstand verfügt über kein berufliches Netzwerk, so das Ergebnis einer Studie. Doch auch die, die gut verknüpft sind, schöpfen demnach nicht alle Möglichkeiten aus: Die Mehrzahl der Netzwerker fischt nämlich vor allem in bekannten Gewässern.

Männer sind laut der Befragung des Unternehmensberaters Baumann unter 300 Führungskräften noch größere Netzwerkverweigerer als Frauen: 37 Prozent der männlichen Teilnehmer geben an, über gar kein berufliches Netzwerk zu verfügen.

Bei den weiblichen Führungskräften, die wie die männlichen Befragten auch vorwiegend aus mittelständischen Unternehmen stammen, sind es hingegen nur 27 Prozent. Damit entkräften die Ergebnisse das oft gehörte Vorurteil, dass Frauen weniger netzwerken als Männer. Die männlichen Netzwerkmuffel erklären ihre Abstinenz derweil mit ihrer dauerhaften beruflichen Beanspruchung.

Frauen netzwerken lieber mit Kollegen

Doch auch diejenigen Studienteilnehmer, die angeben, über ein berufliches Netzwerk zu verfügen, schöpfen ihre Möglichkeiten demnach nicht komplett aus: Die beliebteste Art des Netzwerkens ist nämlich mit 26 Prozent der Nennungen der Austausch mit aktuellen und ehemaligen Kollegen. Frauen nutzen den kollegialen Austausch mit 29 Prozent etwas lieber als Männer (23 Prozent).

Eine Verknüpfung mit Mitarbeitern anderer Unternehmen ist bei den meisten mittelständischen Managern demnach noch nicht an der Tagesordnung. "Selbstverständlich ist ein guter Draht zu den Kollegen hilfreich", kommentiert Michael Faller, Geschäftsführer der Baumann Unternehmensberatung Executive Search, dieses Ergebnis. "Wichtig ist es jedoch auch, über den direkten Wirkungskreis hinauszuschauen und gezielt zu überlegen: Wer ist für meine weitere Entwicklung wichtig?" Auf diese Personen gelte es aktiv zuzugehen – online ebenso wie bei Netzwerktreffen und Fachveranstaltungen.

Doch auch beim Online-Netzwerken sind die mittelständischen Chefs noch nicht an vorderster Front mit dabei, wie weitere Ergebnisse der Studie zeigen. Lediglich 14 Prozent der 300 befragten Chefs nutzen demnach etwa das Online-Netwerk Xing intensiv, um berufliche Kontakte zu knüpfen. Noch weniger, nämlich nur fünf Prozent, netzwerken auf Linkedin. 13 Prozent sind dafür auf Facebook aktiv.

"Social Müdigkeit": nicht nur bei Digital Immigrants

Insbesondere ältere Führungskräfte aus der Generation "Digital Immigrants" zeigen sich demnach nicht vom Nutzen virtueller Kontaktbörsen überzeugt. Diese müssten über ihren Schatten springen, raten die Studienautoren.

Dass die Zurückhaltung beim Nutzen von Xing, Linkedin und Co. jedoch nicht ausschließlich eine Frage der Medienkompetenz zu sein scheint, zeigte vor Kurzem eine Forsa-Umfrage im Auftrag der Deutschen Universität für Weiterbildung (DUW): Hier äußerten gerade die Digital Natives unter den 1.009 Befragten wenig Interesse daran, ihre berufliche Entwicklung mit Online-Netzwerken voranzutreiben.

Auch in HR scheint die Nutzung sozialer Medien noch nicht etabliert zu haben. Die "Social Müdigkeit" der Personaler, die der Blogger und Berater Henner Knabenreich bereits vor einem Jahr in seiner Kolumne auf haufe.de/personal diagnostiziert hatte, haben kürzlich erst wieder eine Reihe von Studien bestätigt. Der ADP "Social Media Index" zeigte etwa, das bislang nur 29 Prozent der Personaler Social Media zum Rekrutieren nutzen. Folglich bleiben bisher die Recruitingerfolge über Social Media gering: Über Linkedin etwa konnten bislang nur 20 Prozent der Personaler neue Mitarbeiter rekrutieren, wie eine Befragung des Personalberaters Robert Half ergab.

Wissenschaftler der Hochschule Rhein-Main stellten sich in Hinblick auf soziale Medien in der Personalentwicklung sogar schon die Frage, ob der Hype um Social Media bereits vorbei sei. Das Ergebnis : Zwar wird Social Media in der Personalentwicklung genutzt – zu den Top-Entwicklungsinstrumenten gehören Facebook und Co. aber jedenfalls nicht.

Schlagworte zum Thema:  Führung, Netzwerk, Social Media

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