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06.07.2016 | Serie Digital Leadership: Neue Verhältnisse, neue Führung

Praxistipps: Wie Führungskräfte den Weg zum "Digital Leadership" ebnen

Serienelemente
Teile Informationen, um Vertrauen aufzubauen, empfehlen Professor Peter Körner und Professor Wolfgang Jäger von der Hochschule Rhein-Main.
Bild: Corbis

Die Digitalisierung verändert die Arbeitswelt. Unsere Serie "Digital Leadership" beleuchtet das Thema aus der Management-Perspektive und lässt Experten zu Wort kommen: Heute stellen die Professoren Wolfgang Jäger und Peter Körner fünf Regeln auf dem Weg zum "Digital Leadership" vor.

In Zeiten sozialer Technologien ist Führung keine Frage mehr der Position, sondern vielmehr der Anzahl (und Qualität) der "Follower". Es gilt zu erkennen, dass die bisherige Führungsleistung bzw. das eigene Können beschränkt ist und nicht mehr (allein) ausreichend. Andere Vorgehensmodelle sind zu suchen, zu akzeptieren das eigene Vorgehensmodell sollte angepasst werden.

Remote Leadership statt "Gluckenmodell"

Gleichzeitig empfiehlt es sich, sich zu verabschieden, von einem "Leadership by Walking Around"-Modell und ein "Remote Leadership" statt einem "Gluckenmodell" zu etablieren ‒ bei zunehmend virtuellen Strukturen. In jedem Unternehmen gibt es Mitarbeiter, die sich für die (Firmen-)Vision begeistern, die die Netzwerke pflegen, und sich engagieren, um die Arbeit für alle ein bisschen besser zu machen.  Diese gilt es mit entsprechender (Führungs-)Kultur zu fördern bzw. Barrieren und Hindernisse, die ihnen im Weg sind, abzubauen.

Fünf Regeln für Digital Leadership

Folgende Regeln helfen dabei, den Weg für eine Digital Leadership zu ebenen:

  1. Erkenne und respektiere die neue Macht deiner Mitarbeiter.
  2. Teile Informationen, um Vertrauen aufzubauen.
  3. Zeige Neugier und Bescheidenheit.
  4. Fordere Offenheit ein.
  5. Vergib Fehler.

Kontrolle aufgeben, Führung behalten

Führungskräfte sind immer mehr in der Funktion als Katalysatoren und Inspiratoren gefordert. Das Ziel besteht in einer gemeinsamen Vision, die zugleich ein entsprechendes Commitment schafft. Die größte "Veränderung" aber lautet: Kontrolle aufgeben, Führung behalten. Dabei ist folgendes zu beachten:

  • Vernetzung und Arbeitsorganisation ‒ Nachhaltiger Erfolg kann nur mit intelligenter Vernetzung erreicht werden: Sammler, Hüter und Weiterverteiler von Informationen sind out. Experten zu bestimmten Themen können über soziale Netzwerke erreicht werden. Es wird "gexingt", statt den Dienstweg über den nächsthöheren Vorgesetzten zu gehen. Ethisches Verhalten, soziale Verantwortung und Sinnstiftung werden deshalb zunehmend wichtiger. Neue Werte werden das Verhalten bestimmen. Und die nächste Stufe im Kondratieff-Zyklus (heute Globalisierung und Kommunikation, morgen Vernetzung) wird durch Werte, Nachhaltigkeit und Sinnstiftung geprägt. Die Führungskraft ist in der Verantwortung ihren Mitarbeitern den bestmöglichen, arbeitsorganisatorischen Rahmen zur Verfügung zu stellen.
  • Mitarbeiterorientierung ‒ starke Mitarbeiterorientierung ist ein Muss: Ohne kontinuierliches, differenziertes Feedback geht es in der Mitarbeiterführung nicht mehr. Nachrückende Mitarbeiter der Generation Y wollen anders geführt werden als ihre älteren Kollegen, kulturelle Vielfalt und Lebensformen und Lebensabschnitte der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie die Herausforderungen durch den demographischen Wandel müssen beachtet werden.
  • Führung auf Distanz ‒ Remote Leadership statt Gluckenmodell: Das Gluckenmodell, dem gemäß sich die Mitarbeiter ständig um den Chef drängen wie Küken um eine Henne, funktioniert immer seltener. Diversität der Arbeitsformate ist gefragt und wird weiter stark zunehmen. 
  • Gesunde Vielfalt ‒ Gesundheit fördern und Vielfalt ermöglichen: Die längeren Lebensarbeitszeiten mit unterschiedlichsten Arbeitsmodellen, die Zusammenarbeit im Team von verschiedenen Generationen sowie die Beachtung der Kulturen, Sprachen oder Religionen werden die Führungskräfte in der Zukunft vor andere Anforderungen stellen. 
  • Werte- und Vertriebsorientierung: Konsequente kundenorientierte Unternehmensführung ermöglicht das frühzeitige Erkennen von Marktveränderungen, die Anpassung interner Denkweisen und Strukturen (Ordnungssystem) an eine neue Marktsituation, so dass neue Innovationen entstehen und Unsicherheiten aufgrund von Veränderungen minimiert werden können.


Buchtipp:

Dies ist ein Auszug aus dem Buch "Digital Leadership. Erfolgreich Führen in Zeiten der Digital Economy", das von Professor Thorsten Petry herausgegeben wird. Den Titel können Sie im Haufe-Shop erwerben

Autoren


ist Professor für Personal- und Unternehmensführung sowie Medienmanagement an der Hochschule Rhein-Main.



ist Honorarprofessor an der Hochschule Rhein-Main.

Digital Leadership, Leadership, Management, Digitalisierung, New Work, Führung

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