17.06.2014 | Führung

Tipps: Wie Führen in Teilzeit gelingt

Für viele Teilzeit-Führungskräfte ist der Arbeitsalltag ein Lauf gegen die Zeit.
Bild: Getty Images, Inc.

Wer auf der Führungsebene Teilzeitmodelle etablieren möchte, muss sich organisatorisch und kommunikativ gut aufstellen. Im Personalmagazin geben Professor Boris Kaehler und Professor Anja Karlshaus Tipps, wie Unternehmen diese Herausforderungen meistern können.

In der Theorie überzeugt das Konzept "Führen in Teilzeit": Manager können so ihre beruflichen Ziele leichter mit dem Privatleben verbinden; gerade für Führungskräfte mit Familie bietet sich diese Lösung an. Doch in der Praxis wird das Modell bislang kaum genutzt – nur 5,8 Prozent der deutschen Manager führen in Teilzeit. Die Gründe dafür, dass das Konzept bislang oft noch wenig attraktiv ist, liegen sowohl in den Unternehmen als auch den Führungskräften selbst: Oft scheitert das Modell etwa an einer teilzeitfeindlichen Kultur im Unternehmen oder daran, dass das Arbeitspensum der Führungskraft nicht auf die Arbeitszeitreduzierung angepasst wird; oft ist jedoch auch die mangelnde Selbstständigkeit der Mitarbeiter oder ein schlechtes Selbstmanagement der Führungskraft dafür verantwortlich.

Wie Unternehmen die organisatorischen, kulturellen und unternehmenspolitischen Herausforderungen der Teilzeitführung meistern können, beschreiben Professor Boris Kaehler von Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) Berlin und Professor Anja Karlshaus von der Cologne Business School (CBS) in der Ausgabe 07/2014 des Personalmagazins. Wir stellen ihre Tipps an dieser Stelle in gekürzter Form vor.

Tipp 1: Führungsaufgaben richtig definieren und abgrenzen

Wenn Teilzeitführung funktionieren soll, müssen zunächst die Führungsaufgaben festgelegt werden. Instrumente hierfür sind zum Beispiel die Stellenanalyse und Stellenbeschreibung. Wichtig ist hierbei die Unterscheidung von Aufgaben der Sachgeschäftsführung und der Personalführung. Ferner sollte auch eine adäquate Anzahl von Trainingstagen berücksichtigt  werden, um einer schleichenden Abqualifizierung vorzubeugen.

Tipp 2: größere Mitarbeiterautonomie erreichen

Der ideale Mitarbeiter führt sich selbst. Fördern lässt sich dies zum einen durch die Rekrutierung beziehungsweise den Einsatz von im Bereich Selbstmanagement besonders kompetenten Mitarbeitern. Zum anderen empfiehlt sich ein strategisches Aufgabenmanagement dergestalt, dass die vorhandenen Mitarbeiter mittel- bis langfristig an die Selbstführung herangeführt werden, dabei immer größere Freiräume erhalten und perspektivisch möglichst viele Führungsaufgaben zu möglichst großen Teilen selbst wahrnehmen.

Tipp 3: flexibles Arbeiten ermöglichen

Das Unternehmen sollte anstelle festgelegter und starrer Arbeitszeitabsprachen flexible Tages-, Wochen-, Monats-, Jahres- oder Lebensarbeitszeitkonten einführen. Darüber hinaus ist es sinnvoll, das Angebot mobilen und häuslichen Arbeitens technisch zu unterstützen. Da viele Teilzeitführungskräfte regelmäßigen familiären Verpflichtungen nachkommen, spielen für diese auch ergänzende Möglichkeiten der flexiblen Kinderbetreuung eine wichtige Rolle. Mitarbeiter, Führungskollegen, Vorgesetzte und Kunden schließlich müssen diese Art des Arbeitens annehmen.

Tipp 4: Teilzeitführung in die Unternehmenskultur integrieren

Führen in Teilzeit bedeutet auch einen Paradigmenwechsel im Sinne der Abkehr vom Vollzeitideal. Besonders wichtig ist dabei die Unterstützung des Themas durch die Unternehmensleitung. Darüber hinaus können verantwortliche Thementreiber benannt, Mentorenkonzepte ins Leben gerufen, Netzwerktreffen initiiert sowie Multiplikatorenworkshops, Schulungen und Coachings durchgeführt werden. Ergänzend empfiehlt sich die Kommunikation von Rollenvorbildern über Medien wie die Mitarbeiterzeitung oder das Intranet. Genaue Zielvorgaben helfen, eine kritische Masse zu überschreiten und solchermaßen einen Kulturwechsel zu bewirken.

Tipp 5: klare Spielregeln für die Zusammenarbeit schaffen

Je weniger strukturiert sich das Arbeitsumfeld darstellt, umso mehr müssen Führungskräfte persönliche Netzwerke nutzen, Einfluss geschickt geltend machen und persönliche Angriffe abwehren. Mit steigender Hierarchieebene erhöht sich im Allgemeinen der Anteil mikropolitischer Aktivitäten. Um Teilzeitführungskräfte hier nicht zu benachteiligen, muss zunächst das Problem als solches ins Bewusstsein gerückt werden. Durch klare Spielregeln hinsichtlich der Sitzungs- und Entscheidungskultur, die Ermöglichung von Netzwerkveranstaltungen und die Förderung der Teilnahme an formeller und informeller Kommunikation lassen sich hier unternehmenspolitische Akzente setzen.

Den kompletten Beitrag "Praktische Probleme lösen" lesen Sie in Ausgabe 07/2014 des Personalmagazins.

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