18.04.2013 | Führung

Weniger Wechsel im Top-Management

Den Chefsessel verlassen die Top-Manager durchschnittlich nach fünf Jahren.
Bild: MEV Verlag GmbH, Germany

Im deutschsprachigen Raum ist die Fluktuationsrate in der obersten Management-Ebene im europäischen und globalen Vergleich gering, so das Ergebnis einer Studie. Die meisten Wechsel gab es in der Energie- und IT-Branche. Die Verweildauer auf dem Chefsessel sinkt aber trotzdem.

Die internationale Strategieberatung Booz & Company untersuchte für ihre Studie "Time for New CEOs: The 2012 Chief Executive Study" die Veränderungen in den Toppositionen der 2.500 weltweit größten börsennotierten Unternehmen. Dabei analysierte sie auch langfristige Trends durch den Vergleich der Daten aus 13 aufeinanderfolgenden Jahren.

Demnach mussten im vergangenen Jahr lediglich 11,7 Prozent der Vorstandsvorsitzenden der 300 größten börsennotierten Unternehmen in Deutschland, Österreich und der Schweiz ihren Chefsessel räumen. 2011 lag die Quote noch um fünf Prozentpunkte höher bei 16,7 Prozent, im Krisenjahr 2009 sogar bei 21,3 Prozent. Außergewöhnlich viele Spitzenpersonal-Veränderungen fanden nur bei den Energieversorgern (29,5 Prozent) und in der IT-Branche (22,2 Prozent) statt.

Die Wechselquote legte europaweit auf 15,3 Prozent zu (2011: 14,8 Prozent). Der weltweite Durchschnitt stieg 2012 nur leicht von 14,2 Prozent auf 15 Prozent. International drehte sich das Personalkarussell mit 23,7 Prozent (Vorjahr: 22 Prozent) in den Wachstumsregionen Brasilien, Russland und Indien am schnellsten. Damit seien deutsche Unternehmen im europäischen und weltweiten Vergleich ein "Hort der Stabilität", so die Autoren der Studie. Sie kommen zu dem Schluss, dass die gute wirtschaftliche Lage in Deutschland zu relativer Stabilität in den Führungsetagen deutscher Konzerne führe.

Verweildauer im Amt nimmt trotz geringer Fluktuation ab

Trotz der vergleichsweise niedrigen Wechselquote von CEOs im deutschsprachigen Raum sank die durchschnittliche Verweildauer im Amt von 7,6 Jahren im Jahr 2011 auf 6,2 Jahre im vergangenen Jahr. Europaweit ist die Amtszeit mit durchschnittlich 5,1 Jahren (2011: 6,9 Jahre) noch kürzer und die ausscheidenden CEOs im Mittel mit 57,5 Jahren ein Jahr jünger als die Kollegen im deutschsprachigen Raum mit 58,5 Jahren.

In einem wirtschaftlich vergleichsweise prosperierenden Umfeld folge die Wachablösung an der Unternehmensspitze in den meisten Fällen einem langfristigen Plan, so die Autoren. So erfolgten in deutschsprachigen Unternehmen 79,5 Prozent der Wechsel wie vorgesehen, das heißt entweder aufgrund auslaufender Verträge oder altersbedingt. Lediglich 14,5 Prozent der ausgeschiedenen CEOs wurden zum Rücktritt gezwungen, sechs Prozent der Abgänge an der Unternehmensspitze sind auf Fusionen und Übernahmen zurückzuführen.

Die Vorstandsetagen internationalisieren sich

Die Studie kommt außerdem zu dem Schluss, dass die Vorstandsetagen hierzulande zunehmend internationaler werden: So kommen bereits 37 Prozent der neuen CEOs aus einem anderen Land als Deutschland, Österreich oder der Schweiz. 68 Prozent des neuen Führungspersonals haben vor dem Sprung an die Spitze langjährige Auslandserfahrung in operativen Funktionen gesammelt. Im Rest Europas können das lediglich 57 Prozent der neuen Vorstandsvorsitzenden von sich behaupten, weltweit sogar nur 45 Prozent.

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