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Schlechte Noten für deutsche Chefs

Laut Umfrage die wichtigste Eigenschaft für Führungskräfte: Kommunizieren können.
Bild: Haufe Online Redaktion

Nur 29 Prozent der Deutschen sind überzeugt von den Führungsqualitäten ihrer Manager. Bemängelt wird einer neuen Umfrage zufolge insbesondere das Kommunikationsverhalten. Stimmen Worte und Taten nicht überein, werden Unternehmen auch boykottiert.

Noch größer als in der Wirtschaft ist der Vertrauensverlust gegenüber Führungskräften in der Politik. Zeigten sich 2012 nur 39 Prozent der rund 6.000 befragten Deutschen misstrauisch, was die Führungsqualitäten ihrer politischen Mandatsträger angeht, ist das in diesem Jahr mit 56 Prozent die Mehrheit. Das Misstrauen gegenüber Führungskräften in der Wirtschaft ist mit 40 Prozent gegenüber 20 Prozent im globalen Vergleich ebenfalls ungewöhnlich groß.

Kommunikationstalent gefragt
Wer als Führungskraft erfolgreich sein will, braucht nach mehrheitlicher Überzeugung vor allem Kommunikationstalent. 72 Prozent der befragten Deutschen gehen demnach davon aus, dass Kommunikation für die effektive Führung besonders wichtig ist. Gleichzeitig denken nur 23 Prozent, dass Manager gut kommunizieren. Der Wert spiegelt eine dramatische Entwicklung innerhalb eines Jahres: 2012 waren demnach noch 35 Prozent der befragten Deutschen überzeugt, dass ihre Manager in Kommunikation gute Noten verdienen.

Kritisch sehen die Deutschen auch den Umgang mit Unternehmenskrisen. Verschleierung oder Schönrederei wird nicht mehr hingenommen. Im Gegenteil verlangen 58 Prozent, dass Worte und Taten übereinstimmen sollten. Offenheit und sich zu verpflichten, Probleme anzugehen und Lösungen zu finden, wollen 54 Prozent von den Führungskräften. Eigenschaften, die man dazu als Führungskraft braucht, sind demnach für 67 Prozent, Fehler einräumen zu können. Für 65 Prozent der Befragten ist die Vorbildfunktion besonders wichtig, 63 Prozent wollen, dass Führungskräfte offen und transparent kommunizieren können. Die Bereitschaft, schwierige Entscheidungen zu treffen setzen 62 Prozent der Befragten voraus und 60 Prozent sehen den souveränen Umgang mit Krisen als besonders wichtige Eigenschaft an.

Verbraucher belohnen gute Führung

Sich diese Werte bewusst zu machen und ihre Führungskräfte darauf einzuschwören, kann sich für Unternehmen lohnen. Denn mittlerweile reagieren Verbraucher konsequent, wenn Führung nicht so stattfindet, wie sie es sich vorstellen. Laut Umfrage gaben 48 Prozent an, ein Unternehmen ganz oder teilweise boykottiert zu haben, weil sie mit dem Verhalten des Managements nicht einverstanden waren. Rund 40 Prozent haben dagegen erstmals Produkte eines Unternehmens gekauft, weil sie von dessen Führung einen besonders guten Eindruck hatten. Profitiert von diesem Vertrauensvorschuss haben laut Umfrage besonders Technologieanbieter, Autohersteller und die Pharmabranche.
Für viele Manager gibt es indessen wenig Chancen, verlorenes Vertrauen zurückzugewinnen. Demnach wird sich die Einstellung der befragten Deutschen zu ihrer Führungselite eher negativ verändern glauben rund 40 Prozent und erst mit der nächsten Generation geht es wieder aufwärts. So glauben zwei Drittel der Befragten, dass die heute 35 bis 50-Jährigen besser durch schwere Zeiten führen als andere Altersgruppen.

Für den "Ketchum Leadership Communication Monitor 2013", wurden 6.000 Personen aus elf Ländern, darunter China, Frankreich, Spanien, Indien, Brasilien und Deutschland, befragt.

Haufe Online Redaktion

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