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Chefs holen Karrieretipps von Mitarbeitern und Kollegen

Unklare Erwartungen machen den Chef als Karriere-Coach eher unbeliebt, zeigt eine Studie.
Bild: Veer Inc.

Führungskräfte, die eine neue Position antreten, fragen dabei selten den eigenen Chef um Rat – sondern lieber ihre Kollegen oder sogar ihre Mitarbeiter, wie eine Studie zeigt. Kein Wunder, haben die Manager beim Wechsel doch oft mit den unklaren Erwartungen ihres Vorgesetzten zu kämpfen.

Wer auf der Karriereleiter einen Schritt nach oben macht, hat meist Grund zur Freude. Dennoch sind solche Veränderungen oftmals mit Schwierigkeiten verbunden. Das zeigt die Studie "Leaders in Transition", für die der Talent-Management-Berater DDI 870 Führungskräften weltweit befragt hat, davon 252 Führungskräfte aus Europa, die schon einen oder mehrere Positionswechsel vollzogen hatten: 34 Prozent der Teilnehmer geben an, sie seien auf dem Weg die Karriereleiter hinauf häufig frustriert, ängstlich oder unsicher.

Dass das Thema "Positionswechsel" für viele Führungskräfte aktuell relevant ist oder kürzlich relevant war, zeigt die Befragung ebenfalls: Rund zwei Drittel der Befragten (64 Prozent) wurden in den vergangenen drei Jahren ein- oder zweimal befördert.

Freunde und Kollegen beliebter als aktueller und vorheriger Vorgesetzter

Um die schwierige Übergangsphase zu meistern, kann es hilfreich sein, sich mit anderen auszutauschen. Hierzu würde sich eigentlich der eigene Vorgesetzte anbieten – schließlich kennt er den zu bewältigenden Karriereschritt meist aus eigener Erfahrung. Umso mehr erstaunt es, dass nur 27 Prozent der Befragten ihren Manager als denjenigen benennen, der ihnen am meisten bei ihrem Aufstieg geholfen hat. Kaum mehr schätzen ihren ehemaligen Manager (30 Prozent) oder einen Mentor (32 Prozent) als Ratgeber.

Beliebter als der aktuelle und vorherige Vorgesetzte sind sogar die eigenen Untergebenen (38 Prozent) und Freunde (46 Prozent). Die Mehrheit der befragten Manager (58 Prozent) verlässt sich bei der Karriereberatung auf Kollegen und Gleichgestellte, also sogenannte "Peers".
Viele beklagen vage Jobbeschreibungen und unklare Erwartungen

Welche Themen in dieser kollegialen Beratung diskutiert werden, wollten die Autoren ebenfalls wissen: Sie fragten die Teilnehmer, womit sie bei einer Beförderung oder einem Funktionswechsel am meisten zu kämpfen hatten. 42 Prozent der europäischen Führungskräfte sagten, mangelnde Klarheit sei dabei für sie die größte Herausforderung gewesen. Im Einzelnen bemängelten sie in diesem Zusammenhang die unzureichende Führung ihrer Manager, vage Jobbeschreibungen und unklare Erwartungen. Ein Drittel der europäischen Befragten bewerteten es zudem als schwierig, Tätigkeiten zu delegieren, sich im politischen Organisationsgefüge zu orientieren sowie Mitarbeiter zu motivieren und zu inspirieren.

Trainings und Entwicklungspläne sind gewünscht

Die Studie gibt außerdem Aufschluss darüber, was Unternehmen tun können, um ihren Führungskräften den Wechsel von einer Position in die andere zu erleichtern. 42 Prozent der Betroffenen weltweit wünschen sich für einen solchen Fall einen Entwicklungsplan; europaweit sind dies 31 Prozent. Weitere 31 Prozent – sowohl weltweit als auch in Europa – sprechen sich für mehr formale Entwicklungsmöglichkeiten, wie zum Beispiel Trainings, aus.

Für jeden Zehnten bedeutet ein Stellenwechsel finanzielle Einbußen

Auch bei den Positionswechseln selbst scheint die Möglichkeit sich zu entwickeln ein wichtig Motivator zu sein. Denn den Umfrageergebnissen zufolge scheidet das Gehalt bei den meisten Führungskräften als Motivator aus: Nur knapp die Hälfte (54 Prozent) aller europäischer Stellenwechsel oder Beförderungen führen demnach zu einer höheren Entlohnung. Weltweit sind dies knapp über die Hälfte (56 Prozent). Für knapp jeden Zehnten der obersten strategischen Führungskräfte (neun Prozent) bedeutete der Positionswechsel sogar finanzielle Einbußen.

Schlagworte zum Thema:  Führung, Karriere, Führungskraft, Kollegiale Beratung

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