| Führung

Gespräch mit dem Chef bleibt unbeliebt

Viele Chefs hören laut Einschätzung ihrer Mitarbeiter nicht richtig zu.
Bild: MEV Verlag GmbH, Germany

Vorgesetzte sind immer noch Vorgesetzte, und Angestellte sind immer noch Angestellte  - das ist der Tenor einer Studie, die Mitarbeiter zu den Leistungen ihrer Vorgesetzten befragte. Verbesserungsbedarf gibt es demnach vor allem im zwischenmenschlichen Bereich.

Um herauszufinden, wie Mitarbeiter heute ihre Führungskräfte einschätzen, hat Development Dimensions International (DDI) 1.279 Mitarbeiter weltweit zum Leistungsverhalten ihrer Chefs befragt. Dabei kritisierten die Mitarbeiter unter anderem die Fähigkeiten der Führungskräfte: 34 Prozent der Befragten gaben an, dass ihr Vorgesetzter in seinem Job nicht effektiv sei. Aber auch die Kommunikation im Team lasse laut Auskunft der Befragten zu wünschen übrig - 35 Prozent gaben an, dass ihr Chef ihnen nie oder nur manchmal zuhöre, wenn es um berufliche Belange geht.

Auf der zwischenmenschlichen Ebene schnitten die Führungskräfte auch nicht sonderlich gut ab, denn nur 40 Prozent der Befragten waren der Meinung, dass ihr Vorgesetzter nie ihr Selbstwertgefühl verletze. Hierzu erwähnt die Studie als Beleg das Ranking der Dinge, die Mitarbeiter am meisten fürchten: Auf Platz 1 rangiert das Gespräch mit dem Vorgesetzten (20,4 Prozent) gefolgt vom ersten Arbeitstag nach dem Urlaub (16,6 Prozent). (Zum Vergleich: einen Strafzettel für zu schnelles Fahren oder Falschparken fürchten 11,5 Prozent, eine Erkältung 11,2 Prozent, ein formales Leistungsgespräch 9,9 Prozent, Steuern zahlen 9 Prozent, einen schlimmen Kater 8,2 Prozent, den Haushalt machen 6,9 Prozent und eine Kreditkartenabrechnung 6,4 Prozent.)

Immerhin 56 Prozent sagten, dass ihr aktueller Vorgesetzter ihnen helfe, ihre Produktivität zu steigern. Allerdings schätzte die Mehrheit der befragten Mitarbeiter, dass sie zwischen 20 und 60 Prozent produktiver sein könnten, wenn der beste Boss, den sie je hatten, sie heute noch führte.

Doch die Führungskräfte schnitten nicht in allen Disziplinen schlecht ab. So gaben etwa 74 Prozent der Studienteilnehmer an, dass sie immer oder meist die Erwartungen ihrer Vorgesetzten verstünden. Außerdem waren 66 Prozent der befragten Mitarbeiter der Meinung, dass ihr Chef ihnen immer oder meist die Unterstützung gebe, die sie brauchen.

Die Einschätzung der Mitarbeiter ist also durchwachsen – doch wie schätzen sich die Führungskräfte selber ein? In einer DDI-Studie aus dem Jahr 2011 gaben Manager der Führungsqualität in ihrem eigenen Unternehmen schlechte Noten – allerdings schätzten in einer früheren Studie (2010) 87 Prozent der befragten Manager ihre eigenen Führungsqualitäten als "gut" oder "hervorragend" ein. Die Autoren des DDI erklären sich die unterschiedlichen Ergebnisse damit, dass es hier eine Diskrepanz gebe zwischen der Wahrnehmung der eigenen Führungsfähigkeit und der anderer Führungskräfte.

Was können Führungskräfte tun, um die genannten Fehler in der Führung zu vermeiden? Einige Handlungsempfehlungen zum Thema finden Sie in den Expertentipps von Wolfgang Doerfler unter haufe.de/personal.     

Schlagworte zum Thema:  Führung, Chef, Mitarbeiter, Kommunikation, Vorgesetzter

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