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| Organisationsentwicklung

Netzwerker sorgen für den Abbau von Hierarchien

Laut Studie nimmt die Macht von Netzwerkern zu – doch die wenigsten Führungskräfte fühlen sich davon bedroht.
Bild: MEV Verlag GmbH, Germany

Die Macht der Netzwerker in Unternehmen nimmt zu. Dabei ist es egal, ob sie in der Hierarchie weiter unten stehen oder nicht. Das glauben einer Studie zufolge rund zwei Drittel aller Führungskräfte. Einen wirklichen Machtverlust befürchten sie dadurch aber nicht.

Wer netzwerkt, gewinnt – zum Beispiel Informationen, die er auf dem regulären Dienstweg wohl nicht so schnell erlangt hätte. Dass Netzwerker künftig auch im Machtgefüge von Unternehmen eine zentralere Rolle einnehmen könnten, legt eine gemeinsame Studie der Bertelsmann Stiftung und des Führungskräfteinstituts ULA nahe: Rund zwei Drittel der über 1.000 befragten Führungskräfte bestätigen darin,  dass inzwischen die Macht durch Netzwerkbildung jenseits der hierarchischen Strukturen und Positionen zunimmt.

Jeder zweite Befragte hat demnach selbst schon erfahren, wie Projektstrukturen oder regelmäßige Restrukturierungen ihre Macht schwächten. Nach Ansicht von 44 Prozent der Befragten verschiebt sich die Ausübung von Macht hin zu jenen Mitarbeitern, die einen Vorsprung bei internem Organisations- und Herrschaftswissen haben – auch, wenn sie in der Hierarchie unten stehen.

"Schleichende Erosion bestehender Machtverhältnisse"

Knapp die Hälfte glaubt zudem, dass die Bedeutung von Expertenwissen als Machtbasis an Bedeutung abnimmt. Auf dem Rückzug sei Macht, die nur auf der Weisungsbefugnis von hierarchisch übergeordneten Vorgesetzten beruht, schreiben die Studienautoren.

Martin Spilker, Leiter Kompetenzzentrum Führung und Unternehmenskultur in der Bertelsmann Stiftung, spricht in diesem Zusammenhang schon von einer "schleichenden Erosion bestehender Machtverhältnisse" in deutschen Unternehmen. "Auch wenn viele Führungskräfte es noch nicht wahrhaben wollen: Die Bildung von Netzwerken löst immer mehr die alten patriarchalischen Machtverhältnisse über Hierarchien oder Funktionen ab", prognostiziert Spilker. "Deutschland steht vor einem Paradigmenwechsel bei der Führung hin zu mehr Transparenz und Wissenstransfer."

Zu einem ähnlichen Ergebnis ist vor Kurzem auch die Inqa-Führungsstudie gekommen: Die meisten Führungskräfte sind sich demnach sicher, dass die Organisation in Netzwerkstrukturen am besten geeignet ist, um die Herausforderungen der modernen Arbeitswelt zu bewältigen. Allerdings praktiziert bisher nur fast ein Viertel der Befragten (24 Prozent) die Netzwerk-Variante in der Führung.

Weniger Mächtige fühlen sich beim Netzwerken schmutzig

Dass ihnen niedriger gestellte Netzwerker dabei allerdings ernsthaft ihre hierarchische Macht streitig machen könnten, befürchten bisher nur die wenigsten Führungskräfte. Gegenüber Bertelsmann bestätigt eine große Mehrheit von 83 Prozent, dass sie sich in ihrer Machtposition durch den Wandel nicht eingeschränkt fühlen – sie reagieren vielmehr flexibel auf die Veränderungen.

Offenbar haben die Höhergestellten gute Chancen, ihre hierarchische Machtposition zu verteidigen: US-Wissenschaflter haben vor Kurzem festgestellt, dass Menschen, die eine machtvolle Position in der Unternehmensorganisation einnehmen, besonders gern netzwerken. Das wiederum dürfte ihnen wiederum helfen, auch ihre informelle Machtposition auszubauen, wie die aktuelle Studie nahelegt.

Dabei dürften die Mächtigen übrigens weitestgehend unter sich bleiben. Denn laut der US-Studie fällt es weniger mächtigen Mitarbeitern deutlich schwerer zu netzwerken. Viele von ihnen gaben an, sich beim Netzwerken im geschäftlichen Umfeld "moralisch unrein und physisch schmutzig" zu fühlen.

Haufe Online Redaktion

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