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| Frauenquote

Enttäuschende Entwicklung

Immer noch unterrepräsentiert: Die Frauenquote ist in den Führungsriegen noch längst nicht angekommen.
Bild: MEV Verlag GmbH, Germany

Noch sind Vorstände und Aufsichtsräte weiterhin fest in Männerhand. Zwar zeigt sich ein erster Trend  zu mehr Frauen in Aufsichtsräten, in den Vorständen der Dax-30-Unternehmen dagegen verringert sich der Anteil an Frauen sogar.

In den Aufsichtsräten der - gemessen am Umsatz - 200 größten Unternehmen des Landes stieg der Frauenanteil gegenüber 2012 um etwa zwei Prozentpunkte auf 15 Prozent. Das geht aus dem neuesten Managerinnen-Barometer des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) hervor, das über 500 Unternehmen und Geldhäuser untersucht hat. In den Aufsichtsräten der DAX-30-Unternehmen war 2013 mehr als jedes fünfte Mitglied eine Frau – ein Plus von zweieinhalb Prozentpunkten gegenüber dem Vorjahr.

„Verpasste Chancen, enttäuschende Entwicklungen“

„Angesichts der Tatsache, dass 2013 zwei Drittel der DAX-30-Unternehmen ihren Aufsichtsrat zumindest teilweise neu besetzt haben, muss man jedoch von verpassten Chancen und enttäuschenden Entwicklungen sprechen“, so die Studienautorinnen Elke Holst vom DIW Berlin und Anja Kirsch, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Personalpolitik des Instituts für Management der Freien Universität Berlin.  

Auch in  den Vorständen sind Frauen noch immer eklatant unterrepräsentiert – der Frauenanteil stagniert hier bei vier Prozent. Bei den Dax-30-Unternehmen sank er sogar um anderthalb Prozentpunkte auf sechs Prozent.

Vorreiterrolle des Bundes verpasst

Auch die Unternehmen, an denen der Bund beteiligt ist, können keinen besseren Frauenanteil vorweisen: In diesen Unternehmen, die meist kleiner als etwa die Top-200-Unternehmen sind, war die Frauenquote in Vorständen und Geschäftsführungen mit 13 Prozent nur geringfügig höher als 2012. „Die Unternehmen mit Bundesbeteiligung könnten eine Vorreiter- oder gar Vorbildrolle einnehmen, sind davon allerdings noch weit entfernt“, kritisiert Holst. 

Finanzsektor: Steigerungen allenfalls in Trippelschritten

Ähnliches gilt für den Bankensektor: Die öffentlich-rechtlichen Kreditinstitute lagen 2013 mit einem Frauenanteil in Vorständen von knapp fünf Prozent hinter den privaten Banken und Genossenschaftsbanken (jeweils rund acht Prozent) zurück. Auch bei den Banken sind Frauen in den Kontrollgremien aller drei Gruppen deutlich besser repräsentiert als in den Vorständen, mit Anteilen zwischen 16 und 18 Prozent. Insgesamt vollziehen sich Verbesserungen beim Frauenanteil in Spitzengremien im Finanzsektor allenfalls in Trippelschritten, obwohl Frauen mit 57 Prozent die Mehrheit der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten ausmachen.

Frauenquote reicht nicht aus

Von einer gesetzlich eingeführten Frauenquote in Höhe von 30 Prozent bei der Neubesetzung von Aufsichtsräten erwarten die Autorinnen keine großen Veränderungen: „Für ein grundsätzlich ausgewogeneres Verhältnis von Frauen und Männern in Spitzengremien sind deutlich größere Anstrengungen notwendig“, so Holst. Sie plädiere unter anderem für eine frauenfreundlichere Unternehmenskultur, mehr Transparenz innerhalb der Unternehmen bei Einstellungen und Beförderungen sowie ambitionierte Selbstverpflichtungen hinsichtlich der Frauenanteile und ihrer zeitnahen Umsetzung. Das betreffe auch die Führungsebenen unterhalb des Vorstands.

Haufe Online Redaktion

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Managerinnen-Barometer, Bank, Aufsichtsrat, Vorstand, Frauenquote

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