| HR-Management

Frauenquote: Dax-Konzerne verpflichten sich zu konkreten Zahlen

Mehr Frauen in Spitzenjobs? Unbedingt, sagen die 30 Dax-Konzerne. Aber sie legen sich nicht auf eine Quote für Vorstände und Aufsichtsräte fest. Konkret haben sich die Konzerne beim Spitzentreffen mit der Politik nur darauf, festgelegt, dass bis spätestens 2020 der Anteil von Frauen im Management auf bis zu 35 Prozent steigen soll.

Die Dax-Konzerne präsentierten damit erstmals konkrete Ziele. Diese unterscheiden sich jedoch stark. Bis Ende 2014 will der Maschinenbaukonzern MAN den Anteil der Frauen in Führungspositionen von etwa zehn auf zwölf Prozent ausbauen. Bei Adidas soll der Anteil von derzeit 26 auf bis zu 35 Prozent bis Ende 2015 steigen. Der Automobilkonzern Volkswagen will bis 2020 elf Prozent der Stellen im Top-Management mit Frauen besetzen.

Was genau ein Job in Führungsposition ist, wurde von den Firmen unterschiedlich definiert. Während bei Infineon dem Papier zufolge etwa jeder vierte Mitarbeiter in Deutschland eine Führungsposition hat und bei Siemens jeder fünfte, liegt der Anteil bei der Lufthansa, VW und der Post nur bei etwa einem Prozent. "Das ist schwer miteinander zu vergleichen", bemängelte von der Leyen. "Ich hätte mir gewünscht, dass nicht Äpfel und Birnen und Mandarinen miteinander verglichen werden", sagte die Ministerin weiter.

 

Kritik am Ausschluss einer Vorstandsquote

BMW-Personalvorstand Harald Krüger hatte betont, dass es nicht um den Frauenanteil in Vorständen und Aufsichtsräten gehe. Genau das kritisierte von der Leyen. "Die Gretchenfrage ist, wie halten es die Dax-Unternehmen mit der gläsernen Decke, wenn es um Vorstände und Aufsichtsräte geht?" Ein Anteil von 3,7 Prozent Frauen in den Dax-Vorstandsetagen sei keine gute Visitenkarte für Deutschland. Bei diesem Thema hätten die Dax-Konzerne in den vergangenen Jahren ein Schneckentempo an den Tag gelegt, sagte von der Leyen.

Ihre Kabinettskolleginnen auf dem Podium, Familienministerin Kristina Schröder und Sabine Leutheusser-Schnarrenberger bewerteten den Zielkatalog der Dax-Konzerne als einen Schritt zur Verbesserung der Situation von weiblichen Führungskräften in Firmen. Schröder zeigte sich erfreut, dass keine Firma einstellige Zielvorgaben gemacht habe. Ihr Appell für eine freiwillige Selbstverpflichtung der Konzerne - die sogenannte Flexi-Quote - sei angekommen. "Wir sind auf dem richtigen Weg", sagte Schröder.

 

Weiter Kritik an der gesetzlichen Frauenquote

Leutheusser-Schnarrenberger sprach sich gegen eine gesetzliche Frauenquote aus. "Wo man ein Gesetz vermeiden kann, sollte man es lassen", sagte sie. Für Stimmen aus der Opposition, wonach Selbstverpflichtungen Augenwischerei seien, habe sie kein Verständnis. Der nun begonnene Prozess von transparenten Zahlen zu Frauen in Führungspositionen verdeutliche, dass es auch mit Selbstverpflichtungen gehe.

Rückendeckung bekam Leutheusser-Schnarrenberger von Eon-Personalvorstand Regine Stachelhaus. "Ich halte eine gesetzliche Quote für entbehrlich." Frauen sollten aus eigener Kraft den Weg in die Chefetage finden und nicht mit Rückenwind eines Gesetzes, sagte Stachelhaus. Sie forderte einen Ausbau der Kinderbetreuung, um die Situation von Müttern mit Jobs zu verbessern und die Frauen in den Unternehmen zu halten.

Aktuell

Meistgelesen