| Frauenquote

99 neue Aufsichtsrätinnen gesucht

Die Folge der Frauenquote: 99 Aufsichtsratspositionen müssten neu besetzt werden.
Bild: MEV Verlag GmbH, Germany

Wenn die Koalition die Frauenquote für Aufsichtsräte wie geplant umsetzt, müssten insgesamt 99 Frauen in die Aufsichtsräte der Dax-160-Unternehmen auf Aktionärsseite einziehen. Das belegt eine Analyse von Kienbaum. Besonders 2016 und 2018 würden die Top-Managerinnen dann heiß begehrt sein.

Die Managementberatung Kienbaum hat die derzeitige Vergabe aller Aufsichtsratsmandate auf Anteilseignerseite untersucht. Danach wären 77 Unternehmen der Dax-30, M-Dax, S-Dax und Tec-Dax von der Frauenquote betroffen. "Der Weg zu einem höheren Frauenanteil in deutschen Aufsichtsräten ist unumkehrbar", kommentiert Anke Hoffmann, Personalberaterin und Geschäftsführerin von Kienbaum, die Analyse. "Aktuell schafft bei den 'Großen' im Dax-30 allerdings nur jedes vierte Unternehmen einen 30-prozentigen Anteil. Wir brauchen den Mut zu neuen Profilen und Qualifikationen weiblicher Kandidatinnen auf Basis von kreativen Suchprozessen in Leitungs- und Expertenfunktionen national und international. Die anschließenden Besetzungen müssen anhand eines Aufsichtsrats-Gesamt-Anforderungsprofils und resultierender individueller Anforderungsprofile erfolgen. Wir benötigen Transparenz über die Werdegänge und Auswahlprozesse für die Aktionäre, denn Kompetenz ist das wichtigste Kriterium bei der Besetzung – wie nicht zuletzt die Vorgänge um den Bau des Berliner Flughafens deutlich gemacht haben."

In den Aufsichtsräten der betroffenen Unternehmen im Gesamt-Dax sind auf Kapitalseite derzeit durchschnittlich 15,4 Prozent aller Mandatsträger weiblich. Wenn alle 77 betroffenen Unternehmen die Quote auf Anteilseignerseite erfüllen wollen, müssen 187 Frauen in ihren Kontrollgremien sitzen. Damit fehlen 99 Frauen, wenn alle bereits weiblich besetzten Mandate weiterhin in Frauenhand bleiben.

2016 und 2018 werden besonders viele Frauen in Aufsichtsräten benötigt

Wenn die Frauenquote im Jahr 2016 planmäßig erstmals für alle Unternehmen, die in diesem Jahr neue Aufsichtsräte wählen, greift, werden 31 Frauen männliche Kontrolleure aus ihrem Ämtern verdrängen. 2018 werden es sogar 32 Frauen sein, die neu in die Aufsichtsgremien gewählt werden müssen. Diese Zahlen gelten vor dem Hintergrund der langjährig festgelegten Wahlturnusse der Dax-Konzerne. Im Jahr 2020, in dem die Quote spätestens alle betroffenen Unternehmen erreichen wird, werden nach heutigem Stand elf neue weibliche Kontrolleurinnen gewählt werden.

93 Prozent aller Dax-30-Unternehmen sind von der Frauenquote betroffen

Im Dax-30 sind 28 der 30 Unternehmen voraussichtlich von der Frauenquote für Aufsichtsräte betroffen. Von diesen 28 Firmen erfüllen acht bereits heute die 30-Prozent-Quote. In den Aufsichtsräten dieser 28 Firmen sind auf der Kapitalseite derzeit durchschnittlich 19,2 Prozent aller Aufsichtsratsmandate weiblich besetzt. Sollte die Quote kommen, müssen 30 männlich besetzte Mandate von Frauen übernommen werden.

Der M-Dax führt derzeit 31 Unternehmen, die von der Frauenquote betroffen wären. Davon haben zwei Unternehmen einen Frauenanteil von mindestens 30 Prozent auf Anteilseignerseite. Durchschnittlich sind in den Aufsichtsräten dieser Firmen 14,2 Prozent aller Mandatsträger weiblich. Im MDax müssten 43 Mandate zusätzlich von Frauen übernommen werden, sollte die 30-Prozent-Quote durchgängig erfüllt werden.

In S-Dax und Tec-Dax sind insgesamt 18 Firmen betroffen

Im S-Dax hätte eine gesetzliche Frauenquote voraussichtlich für zehn Unternehmen Konsequenzen, denn bisher hat keines von diesen einen Frauenanteil von mindestens 30 Prozent auf Aktionsärsseite im Aufsichtsrat. Durchschnittlich sind in den Aufsichtsräten dieser SDax-Firmen 10,9 Prozent aller Mandatsträger weiblich. 15 männlich besetzt Mandate müssten von Frauen übernommen werden, um die Quote zu erfüllen.

Der Tec-Dax führt aktuell acht Unternehmen, die von der Quote betroffen wären. Von diesen hat eins einen 30-Prozent-Frauenanteil auf Anteilseignerseite. In den Aufsichtsräten dieser Firmen sind aktionärsseitig durchschnittlich 12,5 Prozent aller Mandatsträger weiblich. Es müssten noch elf Frauen für aktuell männlich besetzte Mandate gewählt werden, um die Quote zu erfüllen. 

Schlagworte zum Thema:  Frauenquote, Aufsichtsrat

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